Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 2 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/4900572-5964853-5964873--0080-4900645- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
«(4 viel homiletische Wärme schon in den Titel einer Zeitschrift hineinzulegen, das erübrigt sieh heute srhon aus.dründen der Beseejungsökonomie, des künstlerischen Mnlthaltens, des Ne quid nimis-Prinzips (Schürt es ja mit 7.11 den Kennzeichen ökonomischer Charaktere, dall man sich schämt, (Sefühle. die man lutt, auch zu zeigen: jedenfalls in solch auffälliger Weise 7.11 zeigen, dall einem daraufhin die öffentliche Meinung - sagen wir einmal — nach einer liestimmten Hichtung hin fcstlegen kann. In der 'lat wird dem allen .Jrsrliurun durch die erwähnte Pro|H>sition ein charnkteristischer Stempel — ״nach einer hestiinmten Iticlitmit׳ hin1' aiifgedrückt. Diese Monatsschrift wollte jüdischen Weist und jüdisches Leiten in Haus, Weinrinde und Schule fördern. Wie eng. dieses Programm in unseren Tatzen des politischen Weitblicks unmutet! Der L’uehJgeweUite könnte heinahe glauben, <ler alte Jeschurnin sei so etwas wie eine seltsame Kreuzung von ״ Familienzeitung“, ״( '■enieindeldat(‘' und ״Pädagogi sc her Anzeiger“ gewesen, und er wäre sicherlich sehr erfreut, w enn er hei näherem Zusehen erführe, w ie es immer nur die höchsten Probleme des jüdischen Denkens waren, mit welchen sich die Feiler des .leschiirunredakleurs befallt«‘: Probleme freilich, die nicht abseits von der lieerstralle der jüdischen Volksmasse lagen, vielmehr die liestimniunir und Zukunft des jüdischen Volkes hetrafen und eben darum in den Interessenkreis von Haus. Wcmninde und Schule fielen Doch nicht vom Titel wollen wir reden, sondern vom Inhall, von der Tendenz des alten .)esrhiirun und seinen Traditionen. Kr war, son kurzlebigen und wenig beachteten Vorläufern abgesehen, die erste deutsche Zeitschrift, welche die Interessen des überlieferten .ludcntiims vertrat. Wir werden heute, infolge der unerhörten Kntwicklung des Zeitungswesens, von so zahlreichen, mannigfalt1gcütgefärhtcu, buntfarbigen und farblosen Blättern umschwirrt, dall wir die historische Bedeutung des alten .Icschurun aus dem W ust der .lournale, aus dem Chaos verw irrter und vorwirrender Begriffe über Zeitungswesen förmlich herausschäleu müssen Hier wäre eine Charakteristik der jüdischen Zeitungen am Platz Doch still davon. * Ks mag genügen, wenn wir sagen, dall eine jüdische Zeitung uoch keine jüdische Zeitung ist, wenn sie von luden für Juden, ja noch nicht einmal, wenn sie