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Die jüdische Frau · 1925-12-13 · 14 (13.12.1925) · p. [Seite]

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Journal
Die jüdische Frau
Volume
1 (1925)
Issue
14 (13.12.1925)
Date
1925-12-13
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Die I.rillt um Haruow erfuhren cs nie. Wir •■.her wollen ts sogar des Nalieren erkunde». Cs ist vielleicht der ,Muhe wert.—Ja! es ist der Mühe wert, /ii sehen, wie sich jene großen, ewig gültigen heset/e. n.itli denen sieh alles geistige Wachstum auf I rden riJitel. das gesamte I reihen der Menschheit lecell. auch im TThi/elnen offenbaren. Und nicht Muß in einer herrlichen, macht Villen Persönlichkeit, sondern nn < icrmgste» und Unscheinbarsten: in dem einsamen ller/eii eines rohen Arbeiters in einem armseligen Winkel der l.rde. I he Liehe und die Arbeit. sjc allein iireclien unsere Ketten und geleiten uns .nis der dumpieu Niedrigkeit gemeiner Instinkte md trüber \orurteile aui die ll< he reinen Menschentums. I i,e Arbeit erhellt uns das Hirn, die l iehe erhellt uns das Her/ Ni bei den Volker.i. so bei den Heroen vier MeiisJilieit. und nicht anders bei Mosche X cilehenduit. ..Wie ein Wurm hat es sich mir ei’igehnhrt," pflegte er spater darüber zu erzählen. ..schreien hatte eil manchmal mögen. wie es so gebohrt hat. aber ich bin still geblieben. Wem hatte ich auch klärten sollen, oder wen unklaren? IN war ja niemand daran schuldig ich selbst, ich allein habe mir;enen Wurm in das Herz gesetzt." Ha irrte er freilich. Is war auch nicht sein Verschulden gewesen, lener ..Wurm", der in iedem Menschen schlummert, war ohne sein /utun in ihm wach geworden. wiilii.nd ei so vom Morgen his'zum Abend einsam bei der Arbeit stand und das müßige Hirn unwillkürlich den < ierteiis.it/ erwog zwischen seinem eirtCnen < iesehick und dem der < ilatibeiisbruder drüben im t ilietto. Her äußere Anlaß zu solchen Vergleichen bot sich oft genug. I ’a w ar er einmal bei einem Pamilieiiieste gewesen, deinem Hruder Mendele. dem goldenen Menschen mit den zwei Anzügen. hatte der liehe tiott nun'auch einen Sohn beschert. Hie Hefcicrt. I i ul da s.ih er sich so eien .blassen, hochmütigen Meiischen an und wie gut es ihm errtimt. I i arbeitete nichts, er war nur Tag und Nacht ..fromm''. I ml doch ehrten alle den Müßiggänger, und ilui. .Mosche, vier so mühsam arbeitete, blickten sie sJicel an. ..Ist das gerecht?" traute sich der I'ursche, als er wieder vor seinem Ambos stand. Sie s,men. das sei (jott wohlgefällig. Aller kann es tiott geiallcii. wenn ein Mensch müßig geht? Und I..um es hott milhallen, daß ich arbeite? I he Weisen suite» es so. aber vielleicht verstehen sie nicht, was holl als hesetz hat autschrcihcii lassen. Oder wenn vic es verstehe», daun ist das besetz schlecht!" .Nein! min!" rfel es in ihm. ..W'.,s hott will. iv vcrmiiutig Hu uns muß es eben anders zuitchen. als bei den Christen. Wir sind ja Sein Volk . . . Wir müssen uns heiligen, und darum ist ihm das lvsen im hcsct/c die liebste Arbeit. War müssen uns heilnteii. wir müssen stolz dastehen vor anderen v olkern." „Stolz!“ Kr richtete sich hoch empor und schwang den Hammer wuchtiger. Aber jählings brach er zusammen, wie unter dem Druck einer kiesenfaust. Leber ihn war der (iedauke gekommen, wie erbärmlich es in Wirklichkeit um sein Volk stand. ..Hundsblut pflegt man uns zu rufen." seufzte er. „ach ja! schlechter als Hundsblut werden wir behandelt." I:r erinnerte sich, was er neulich aui der Straße mit angesehen_Da war der Herr Baron Starsky durch die Stadt geritten. Heer Hlitzer. der Paktor. war demütig herangetreten und hatte gefragt. ob der gnädigste Herr nichts brauche. Der gnädigste Herr brauchte nichts, er spie dem Juden schweigend ins Antlitz. Und was tat Heer Hlitzer? Ilr trocknete sein besieht lind sagte: „Also vielleicht ein andermal!" Heer Hlitzer war der schlechteste Mensch in der hasse, ein schamloser Kriecher. Aber angenommen, es hätte ein anderer Jude die Schmach erfahren. Nicht er. Mosche, er hätte den Haron vom Pferde herabgerissen und entsetzlich zugerichtet. Aber jeder andere? Ur hätte schweigend sein Gesicht getrocknet und wäre stumm davongeschlichen. „Und wir sind Sein Volk!" schrie es in Mosche. „Und wir sind auserwählt vor allen Völkern!" Ps dünkte ihn wie Hohn, bitterster Hohn! Das waren die ersten, schweren Kämpfe, die teilte Seele diirchringc» mußte. I >er (iedanke senkte sich ihm bleiern in die (ilieder. er fühlte sich müde davon, müder, als von der schwersten Arbeit. Aber diesmal fand er noch den Ausweg. Das Jenseits fiel ihm ein. „Aller Jammer ist ja nur in dieser Welt", tröstete er sich. ..Drüben sind wir wirklich das auserwählte Volk. Da gelten wir in einem schönen harten spazieren, wo ewiger Priihling ist. und essen und trinken sehr gut. Niemals Arbeit, niemals Not. Ur.d die Uiristc»? Die müssen in der Holle sitzen, ui der dunklen, eiskalten Hölle und beben und Illingen, Jenseits blieben nicht lange sein Trost. Schon die spärlichen bespräche mit dem düsteren, wortkargen Meister ließen jenen „Wurm" immer wieder ervneben. Ha war einmal am Prcitag eine dringliche Bestellung gekommen. Sie mußte bis zum nächsten Morgen erledigt sein. Aber als die Sonne sank, legte Mosche den Hammer aus der Hand und rüstete zum heben. „Ls wird Sabbath, Meister.“ „Konntest Du nicht heute doch vielleicht dabivbcii?" fragte W assili. „Nein!" sagte Mosche erschreckt. „Was würde mein V ater sagen und die Leute!" „Die Leute!" Der kiese grinste.. „Sie schreien und beten genüg in UurCr Schule, jeder schreit für drei, da könnte es auch für Dich langen." „Aber hott würde mich strafen!“ „Bitte ihn morgen um Verzeihung oder beichte cs dem kabbi. der absolviert Dich." . (Portsetzung folgt.) H.iLKIMUHIin Nov, udu, IV- > Viviml'u I ’s Vmmbvi 1-N V.viinlut l-vu V.v v itil>i, | v Miinumi Mimik \itl.i--vr von ..Irivl llblll und 1 iltic" .ätti-voluti- „n.u kiiik-Ci ru litluh rrvlio—cn. lriM|Milil kompvrl. det I' liimwlvv >ibvllodullli I kl'Morbl II. Mim Itit-Ji, S,tuil,-tollerim. ui Zorb-l ki bni i n. I :m Mm io n-tvrn. zu Mri-Iau iiiborin. eb.Mi.i W ci/in.iiut. I’i.i-idint dir /loni-li- . tu n \\ v bm k.iiii-.ilinii /» W-tvIi diouv I 'm-kj job„mi -'s. November l-sl: Stefan Zwei«: in Wien ueboren. I. Iierembef isv.l: grn-t Toller, zu .'-.nnoi-ehin geboren. Ile/ernber l.iidwie laeobowski. Pichler. gestorben.!. Iiezember 1MI: Prnfe—or Kduard Hendcm.vm in Herlin geboren. Maler de- ..Jcremi.i auf den Irummern Jeru-alcm-", ■J. Pe/ember 1010; l>r. Mir-cIrHildesheimer in Merlin gest.--^ 4 l'e/einber l-7»> l’rof. Puten .Mitttawb. bedeutender Mei,- Imer Orientalist. / i Schrimm geboren.

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