Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 9 (8.9.1925)
- Date
- 1925-09-08
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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I »er Pnraernpli -IS nClllet sieh wwMt-bLant.ifC mal! selbstverständlich mehr gegen das » II e h e - liehe als das eheliche Kind. Aui der einen Seite hot der Paragraph einen gewissen Schutz iur d.iT~ uneheliche Kind: auf der anderen Seite gefährdete er gerade die uneheliche Mutter, die häufig durch die Existenz besagten Kindes, ja auch nur durch die öffentliche Kenntnis dieser I xistenz. schwere moralische und wirtschaftliche Schädigung erfuhr. Dali derlei Kragen nach einem vierjährigen mä:iaermordenden Krieg und nach einer wirtschaftlichen Weltkrisis ohnegleichen besondere liedeutung gewannen, ist unschwer zu begreifen. Der Krieg hat zahllose KIfen nicht nur durch Tod. sondern auch uurcli Krankheit, moralische Liitiremdung und ähnliche Kaktoren zerrüttet: Kriegs- und Revolutionszeit haben eine n e u e I r a u e n generali o n heranvv aclisen lassen, die. wirtschaftlich unabhängig, auch das Recht auf freie Verfügung über ihre Persönlichkeit im psychische n und physischen Sinne heischt. Als Ausdruck dieser noch in vollster (iärung begriffenen Bewegung ist ein Buch, betitelt ,.M a r t a Berger", zu betrachten, das der R i k o I a - V e r I a g in Wien herausbrachte, und das allgemeines Aufsehen erregte. Ks handelt sich hier wohl mehr oder minder um die Selbst- 1) i o g r a p h i e ei n e r K r a u . die sich etw a sechs Mal wider unser» Paragraphen 2IN des Strafgesetzbuches verging, und zwar unter schwersten seelischen Kämpfen, weil sie den Mann, mit dem sie in freier Verbindung zusammenlebte. allgemach als einen teigen Seichthold und Wüstling erkannte, ohne sich von ihm lösen zu können. Kür diese Krau und ihr Schicksal. — ein Schicksal, das ..Das Kind der unverheirateten Krau" schlechthin hieß setzte sich die dänische I lichterin Karin Michaelis in breiter Oeitcntlichkcit mit dem ihr eigentümliche» impulsiven Temperament ein. Sie unterstellte, dal! „Marta Berger eine gute Durchschnittsi r a ti" sei. die zur Kindesabtreihung und zum Kindesmord nur durch die verderbliche ..Moral der (iesellschait“ mit ihren ..konventionellen Lügen" getrieben worden sei. Und sie gelangte zu den praktische» S c h I u li f o I g e r u n g e n . daIJ die uneheliche Mutter, die nicht immer imstande ist. ihr Kind zu ernähren, der man aber doch insbesondere in einer Zeit des täglich vv achs e n d e u K r a u e nü b ersehn s s e s und der v e r in i n d e r t e n U h e m ö g I i c h k e i t e n , nicht das heiligste Naturrecht. nämlich das Recht auf Mutterschaft. aberkennen dürfte, daß diese I ran gegebenenfalls von der Gesellschaft, mehr als das. vom Staate selbst, in würdiger Komi unterstiit/l werden müsse. Und wohlverstanden: die Dichterin Karin Michaelis hämmerte die von einem feurigen Merzen diktierten Worte: ..Kalls Schwächlichkeit oder anderes die Krau hindert, ihr uneheliches Kind zu ernähren, mühte selbstverständlich die (iesellschaft einspringe». Nicht in der Art von Armenhilfe, sondern wie jedermann im Staatsdienst sein Gehalt erhält. Die (iesellschaft sorgt für Straßenbeleuchtung. für die Beschotterung der Landstraßen. Wir alle bezahlen dafür in Kon» von Steuern. Sind nicht Kinder mellt wert und notwendiger als I. ater » e n und Schott e r '? — Worauf es jetzt ankommt. brennend ankommt. ist. dali wir alle. Männer und t rauen, eine Khreiiwache um die unverheiratete Krau und ihre Kinder errichten." Dieser gewiß edel gemeinte Appell an das Gewissen der Menschheit seitens einer Diclilerin von Welfruf hat selbstverständlich einen Int/i- ■ ■•II Streu i-mHltiTniul 'Viit w i u len liii II, il w idu ee; getragen. Die besten Polemiken waren enthalten in Artikeln von Berta l’olt.iv/eck und \ > >> I ., ' i a h r i e I e S v h I e s i » g e r. Be ule stelltet: m*. h auf realeren Bode» als die ideale Kämpferin Karin Michaelis, indem sie. ii.ieli genauer Darlegung der heutigen W irtscliaftsl.ige. und den dank okoi'otm-. sehen Schwierigkeiten. Wohnungsnot und der gleichen mehr auf eu: Minimum der reduzu. rten I he- Möglichkeiten, vor allem die I rau (oder vielmehr das Mädchen v on heute >siehe Berta Poliaczevk) und den Mann v o,, heule (siehe \ ml.i Gabrulc >chlesjngeDgründlich zu charakterisieren tr.iehteter. und. unter Trwagung aller moralischen, geseilsgliutt liehen und materiellen l mstatide. zu dem belrubliclien I rgebnis gelangten, dal! das von Kami Miclinelis so flammend geforderte Recht .1111_Mntu 1 sjiatt heutzutage einen fiktiv e:i A n s p 1 in li daistelle, der leider in den meisten lallen vv cd er.von dun wüblichen, noch von dein männlichen i eil erhoben werde. Beide Krauen wiesen mit guten Gründen nach, welchen Veränderungen das nachkriegerische und nachrevolutioiiare Gesehlccht mite rvvorten worden: wie die wirtschaftliche» I rsclivv ernisse der /.eit den Wunsch nach einer etwaigen Belastung durch ein Kind eo ipso unterdrücken und wie die weitvcr breitete Demoralisierung eher Ansprüche au Glanz und- Lebenslust erheben heilil. als etwa den v iclberiiicncn „Schrei nach dem Kinde", der dci heutigen (ieneration anachronistisch dankt. Die t icgncriiiiicii kamen mithin zu dem KVsnlt.it. dal! das \ erbrechen der kindcsabtrcibiing e ine 11 1 t ii r I 1 c ll e K o 11 s e i| 11 e n z der heutigen morn iischen und wirtschaftlichen Verhältnisse sei. und daß infolgedessen die Aufhebung des > 1 r .1 1 p .1 1 a g r a |> li e n . der ehe later solcher lat aus der menschlichen < leineinschaft ausstoßt. ..die" l'orderung des I nges bedeute. * Mine uns restlos ,,nt den 'Standpunkt der Karin Michaelis oder einer ihrer W idersacheriiineii zu stelle», glauben wir. dal! allerdings eine R clor 1» des v e r h a n g n 1 s v o I I e n Par a g r a p h e n zeit g e m .1 I! vv are. I me I rau sollte nicht gezwungen werden, das Kind eines vielleicht kranken oder sittlich verkommenen oder mich nur ihr aus irgendwelchen triftigen Gründen ejitiremdeten Mannes gebaren zu müssen: sondern das Gesetz, selbst sollte ihr vielmehr dazu verhelfen. dal! sie in hallen, die'von Sachverständigen (A e r z t e n . A 11 wäll e n und S e e I s o 1 g e 1 n> für zulänglich erachtet werden, offen, ohne Scham and rechtzeitig zu einem gewissenhalten Arzt aber » 11 r z. u i h 111 . nicht zu den .sogenannten . gelalligen Krauen" oder noch gefährlicheren llelierslieliern gehen und von ihm ihr v c t ptuschte s Schick sal korrigieren lassen darf Diese Re fort» über deren I o r 111 der (icsctzgeber den Arzt u n d den Geistliche» jeder Konfession befragen und sich mit ihm einigen magerscheint allerdings mich uns als eine politische Korderung, mithin als die „Kunst des Möglichen". VfiintwotlhA llr 4k VfcMftWUuni h«u Ktgln* (•••«•ob» fWf Im VfriRfturtkldi (Tf 4t« Iskttk Ollo luhiktt fWrll«« GcMi«n4unf«A nn4 i n4 im rkkitn 4k K»44n«ii A»m fW4t N«4t| (m0\* ||4 Fiw*). (Writn V 11 llll mllMl Im H«mI fWi«|*pr«k tkiitlftH to h fkfkl |4hrUA I M H MO M . 4 H lMtt«lM|«IIMhm» ÜUl Amiwo» (i « t H fWrlln Unt«r <*mi Ut>4fit H £«**«<* 4M! «»4 4IJft 15