Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 15.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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119 flujj verwerthet; er wird weder ausbewahrt, noch kann tr-ans Mangel an allenHandelSrnftitutronen und Verkehrsmitteln erpottitt »erden. Land und Voll müssen z» Grunde gehen. Doppelt so moß als Oesterreich, Mlt Persien jetzt nur noch 9 Millionen Einwohner. Und dennoch kann uild darf Persien mit seiner Hungersnoth weder uns noch die Regierung gleichgiltig lasten. Die dortigen Zustände haben sicherlich die Cholera aus- «brütet, welche jetzt schon in Europa sporadisch auftritt. Es ist zu befürchten, wie Dr. P. meint, daß sie mit kommendem Frühjahr durch Übertragung masienhafter AnfteckungSstoffe epidemisch auftritt. Er lenkt daher mit Recht die Aufmerksamkeit der Regierungen darauf. Gott helfe dort und schütze hier. Wien. Die Prediger Mannheimer-Stiftung hat dieses Jahr an Rabbiner und Lehrer und deren Wittwen 700 st. vertheilen können, nämlich 500 st. aus Zinsen und 200 ft. aus den Spenden. Lyek, 25. Oct. Dr. jur. Leopold Silbermann Sohn des Redacteurs des hwräischen Blattes „yamagid," wurde vor Kurzem zum Krersrichter in Magradowa ernannt. Er rst, wie die „Preuß.-Litth. Ztg." berichtet, der erste jüdische Kreisrichter in Ostpreußen. (DaS istalso wahrscheinlich der erste oft preußische jüdische Kreisrichter, der seit lange in den Zeitungen spuckt, der aber hoffentlich diesmal Fleisch und Blut hat.) Golmar. Unter den 15 Internen des hiesigen kaiserlichen Lyceums.befinden sich auch Jsraaliten, welche auf Staatskosten koscher gespeist werden. Netv: Aork. Wohin die Mischehen führen! Ein amerikanischer Rabbiner hat bereits Vcrarrlassung genominen, eine Mischehe in einer christlichen Kirche nach jüdischen Ritus einzusegnen. (Wir billigen Mischehen durchaus nicht; aber diese Thatsache der Einsegnung in einer Kirche an und für sich kommt uns kaum so schrecklich vor '"2', -ire« crpon ioa Redaction.) Feuilleton. Luftschlösser. Alte Geschichten von I. (Fortsetzung.) ES war ein herrlicher Maimorgen. Die Sonne war eben aufgegangeu und ihre glänzenden Strahlen hatten einen leichten Nebel zerstreut, der dem Kampfe mit ihr nicht gewachsen war. D«r Gipfel des die Gegend beherrschenden Hügels hob sich wunderbar ab von der Niederung im strahlenden Sonnenlichte. Die Reben an seinem Abhang begannen zu grünen, Maiglöckchen und Schlüffelblumcn dufteten im Schutze der Werdengefttäuche. die den Bach einsaßten, und auf den Baumkronen flöteten und schmetterten Vögel aller Art, die sich der doppelten Wiedergeburt — des Frühlings und des jungen Tages erfreuten. Der Weg fühtte eine Weile ganz nahe am Bache hin, dann bog er urplötzlich rechts von den« Bache ab. tiefer ins Feld hineinsührend. Es war ein schmaler Fußpfad — das rüstige Mädchen, das ihn eben durchschritt, benetzte oft seine Füße in dem dichten frischbethauten Grase; es achtete nicht auf die Herrlichkeit der Natur. , Still und in sich gekehrt eilte es des Weges dahin; man sah es ihm an — es bettachtete sich als Flüchtige. Nur ein einziges Rial erhob es den Blick, als es sich an der Biegung des Weges befand, die ins Feld hinein fühtte, wo man nicht weit nach rechts eine grüne Zaunhecke bemettte. Aber in diesem Augenblicke hemmte sic auch ihren eiligen Schritt; fast erschrocken blieb sic stehen. Ihr entgegen kam ein junger Mann, den sie hier in diesem Augenblicke am wenigsten erwartete. „Herr Lehfeld," rief sie mit zitternder Stimme, „ii'u* kommen Sie jetzt hierher „Ich könnte Sie so fragen. Veilchen, denn ich gebe jeden Morgen bei guter Witterung hicrcher, um in früher Stunde die Pflanzung zu pflegen, die Sie ja kennen Aber ich brauche auch das nicht, ich brauche Sic nicht zu fragen, denn ich habe Sie gestern Abend crrathcn, als Sie bei ihrer Tante so bewegt „gntePacht" sagten Ich dachte mir schon längst, daß Sie einmal ohne Abschied Weggehen würden^ aber warum thun Sie das? „Warum? Herr Lehfeld. Sie fragen mich? Sehen Sie dott jenen Zaun, jene Hecke, die Sie Ihre Pflanzung nenneir? Dott innerhalb jener Umzäunung liegt Alles, was nrir am Theuersten war aus Erden. Ich gehe hinweg aus meiner Hejmath, ich gehe vorüber, vor den Gräbern meiner Mutter. nreines Paters, zu welchen jüdische Kinder sonst aus weiter Ferne wallen, weil ne Trost. Beruhigung. Erhebung finden. wenn sie in der Nähe derer sind, die sie so heiß liebten. Ich gehe vorüber, vielleicht zum letzten male, aber ich werde die traurige Pfotte nicht überschreiten. Was soll ich dott denken und sagen? O, Ihnen. Herr Lehfeld, darf ich es anvcrttauen, warum rch nicht hingehe. Soll ich am Grabe meiner Mutter, an derselben Stäle. wo auch mein Vater ruht, sagen: Wohl Dir, daß Du früh heimgegegangen?! daß Du nicht gesehen, wie Deine Tochter — fremd und arrsgestoßen von der Welt, allein hinaus I wandern muß? wohin? Und was soll ich erst am