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Der israelitische Lehrer · 1870-07-20 · 29 (20.7.1870) · p. Seite 239

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
29 (20.7.1870)
Date
1870-07-20
Page
Seite 239 (sequence 7)
Language
German
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— 239 in Ehren ist und kdine Schande und Sünde für uns, «eil sie in unserm Hause Zusammenkommen, soll's mich freuen um des Seelenheils des doch im Ganzen braven Mädchens willen. Ich will ihr gerne Pathin sein." Der Vater war besser berichtet. Er lächelte still in sich hinein, aber er schwieg. Als die Sara mit dem Pater zusammen vor das Bett der Kranken traten, faltete diese vor Freude wie betend die Hände; .Ich sterbe bald — aber ick bin glücklich, Euch zusammen hier zu seben. O, verehrter Vater, Sie haben mich die Religion wieder lieben gelehrt. Sie haben mir gewigt, daß nicht Verrath und Untreue an der Freundschaft, sondern Liebe und Gottvertrauen einführt in die Wohnungen der Seligen. Ich sterbe froh und glücklich, habe ich ja lange gmug gelitten in diesem kranken, hinfälligen Körper. Aber — meine Freundin — sie ist noch so jung; ich wünschte, daß sie glücklich würde — und doch weiß ich von Ihnen, Herr Pater, daß eine große Gefabr für sie im Anzuge ist. Ach «sagen Sie ihr, hochwürdiger Herr, hier, in meiner Todesstunde, woher das Unglück naht und wodurch sie es vielleicht abwenden kann. Es wird die beste Beichte für mich sein, eine Sühne, wie Gott sie will. Hören Sie die Bitte der Sterbenden, wie Gott Sie hören mag. — Pater Dominion hatte sich neben Sara gesetzt. „Wundern Sie über nichts, staunen Sie nicht, fragen Sie nicht. Erzählen Sie mir die Erlebnisse Ihrer Jugend; sagte er. Sara erzählte, was wir bereits wisien. Klara war unterdessen eingeschlafens Es war der Schlaf, der der ewigen Ruhe vorangeht. Die Seele schwebt schon in der Höhe — weilt bereits unter den Seligen; sie kehrt wohl noch einmal für kurze Heit auf die Erde zurück, um dann für immer Abschied zu nehmen, sich zu trennen von Allem, waS irdisch ist. Lange saßen Sara und Pater Dominion beisammen. Längst hatte sie ihre Erzählung beendet — sinnend schaute Dominion auf. Ja, die innere Stimme hatte nicht getäuscht. Was er über die Lebensschicksale Sara'S von Klara vernommen aus dem Lebe» der Witlwe und ihrer Tochter, waS ihm der Gefangene im Kloster erzählte — es war ein Gefüge von Gräuelthaten des verruchten Pater Anton, das er klar durchschaute. Er hatte waS er längst verloren glaubte, wiedergefunden; das sagte ihm eine innere Stimme, dunkle traumhafte Erinnerungen, die über die Jahre, die er im Kloster verbrachte, über die KrankbeitSjahre in seiner Jugend hinausreichten. Auch Einzelnes, waS ihm Pater Anton zuweilen unwillkührlich angedeutet hatte, stimmte damit zusammen. Er hatte Vater, Mutter und Schwester wiedergefunden. Endlich raffte er sich auf. Er schaute hin auf das Bett der Kranken; sie schlief noch. „Lassen Sie uns gehen, wir haben hier nichts mehr zu schaffen. Doch niin, gehen Sie — ich bleibe noch? Sagen Sie Ihrer Mutter — verlieren sie kein Wort — was ich Ihnen jetzt sage. - ■ - Der Tag der Entscheidung naht. - Sie soll, um die Gemeinde nicht zu gefährden, ihre Vorbereit „gen ganz im Stillen treffen, die übrigen Gemeindrglieder mögen durch den Rabbiner auf die bekannte Nacht so vorbereitet werden, daß sie in ihren Wohnungen bleiben. Ihre Mutter aber soll einen Wagen bereit halten — der noch zwei Personen fassen kann, die nicht zu ihrem Hause gehören. Die falsche Christine soll sie jedoch vorher noch aus dem Hause schaffen. Sie hat durch ihre Verräthereien uns genützt, weil man sie als Verrätherin kannte und darum sich in der Hauptsache zu schützen wußte. Jetzt aber darf Niemand im Hause sein, auf den sie sich nicht sicher verlassen kann. Man wird zuerst an Ihre Wohnung Hand anlegen; ich werde vielleicht etwas später kommen; doch ich komme. Eilen Sie! Gott sei mit Ihnen — mit uns!" Sara ging. Nach einer Weile erwachte Klara. „Wo ist Sara?" fragte sie mit schwacher Stimme. „Sie ist heimzegangen" sprach der Pater. „Auch Sie werden nun bald heimgehen — in ein anderes HeimI - Aber Ihr Herz voll Liebe wird Segen erndten dort oben für ■bie Treue hienieden." „Ich kann nicht viel sprechen," sagte'Klara, „aber mein letztes Wort sei Segen und Dank; Segen für Ihr Werk, Dank, für Jbre Liebe und Treue. Ich sehe Sie entkleidet dieser häßlichen Tracht, die die i Herzen der Menschen trennt," sagte sie sich zurück i auf das Kissen legend und die Augen schließend; „ich I sehe Sie, wie ^ie Hand in Hand mit Sara, wie | Bruder und Schwester, mit einander gehen dnrch > Wiesen und Felder, in jenen fernen Ländern; und weiter { — und weiter sehe ich die Menschen, Jud und Christ,; in allen Landen zusammenwallen, Hand in Hand; die allj gemeine Menschenliebe wird nicht mehr blos ein Traum der! Guten sein; die Christen werden sich schämen der Verfoli gungen und der Leiden, die Sie über die Juden gebracht,! und die Juden werben verzeihen und sie alle werden sich! lieben — und was jetzt noch als Furcht in uns lebt, i wird banji blos Erinnerung sein. Priester aber wer-! den die sein, die Viele belehren und erleuchten und Liebe säen, um Liebe zu erndten."-— — — I Ihre Stimme ward immer schwächer- Pater Doiminian rief die Eltern Und Geschwister;. Es war am Tage vor Peter und Paul; die Synne schien heiß und brennend über die Fluren. Die Blätter an den Bäumen hingen schlaff, als fühlten sie ein Sehnen nach Ruhe. Kein Wölkchen aber wollte sich zeigen, um sie zu er glücken und aufzurichten. Und auch die Halme waren schwer und

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