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Der israelitische Lehrer · 1870-07-20 · 29 (20.7.1870) · p. Seite 238

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
29 (20.7.1870)
Date
1870-07-20
Page
Seite 238 (sequence 6)
Language
German
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238 — dieser schönen Eitle vielleicht mchr gerettet. — Auch mehrere Christen des griechischen nnd armenischen Ritus boben sich mit Freuden als Mitglieder der Alliance iar. univ. aufnehmen lasten. Eine schöne Eroberung dieses Vereins! — DaS RabbinatSseminarift vom neuen Subdireklvr für die nicht katholischen Culte inspicirt worden. Mgn knüpft an diesen Besuch deö Hrn. Guigot die Hoffnung auf reichlichere Unterstützung deö Seminars durch den Staat. P. i. Paris Die R>vüe israelite erhebt am Ende des Semesters Klage über die geringe Betheil'gung seitens der französischen Rabbiner an diesem Blatt. Zwar erkennt daS Blatt die Schwierigkeit, welche amtliche Beschäftigung und die Entbehrung wistenschaftlicher Mittel diesen Männern biete; aber ein Hinblick auf Deutschland belehre dock, daß nicht alle Schuld in den äußeren Verhältnissen liege, da dort die wissenschaftliche Regsamkeit der beamteten Rabbiner eine viel größere sei. Das Blatt entschuldigt auch Biele mit der 'geistigen Finslerniß, welche im Gegensatz zu Deutschland noch auf denf ranzösischen Gemeinden laste und diese hindern, sich frei zu äußern; aber es gesteht auch,° daß die Rabbiner selbst nicht so frei und wissenschaftlich erzogen seien, da man sich noch der Zeit erinnere, wo es den Seminarzöglingen verboteri war, ein deutsches Buck freier Kritik zu lesen. — Schöne Zustände! Zn diesem Blatte werden uns neue interessante etymologische Versuche über den jüdischen VerfolgungSruf Hep mitgetheilt. Außer dem bekannten Hisrosolrma est peräita lesen wir Hebraeus est praetextas, aus dessen Anfangsbuchstaben daS Wort gebildet sei. Paßt Ersteres für die alte Zeit (Jerusalem ist verloren), so Letzteres (der Jude ist nur der Vorwand), für die Verfolgungen der Neuzeit,. Auch'auf Hebräer, Ldellcute, ksaffen wird hingewiesen, auf welche alle Verfolgungen gerichtet waren. So weit die Abbreviaturen. Eine andere Erklärung denkt an «happe», gleichbedeutend nvt fasten, arretiren (vergl. daS fron;, echapper). Chap, Chap habe im Munde der christlichen Verfolger Hup» Hup gelautet, woraus mit dialektischem Umlaut Hep geworden sei. (Wenn wir nicht irren, haben wir früher bereits die einfachste und natürlichste Deutung dieses.Wortes mitgetheilt, und wir glauben, davon fast überzeugt zu sein, daß aste künstliche Deutung nicht so richtig ist. Im Volk« ist dieser Ausdruck entstanden; eö hätte sich nicht eines Wortes öder AuSrusS von so weitausseyender Bedeutung bedient. DaS Hepgesit rei war besonders in Würzburg und besten Umgegend anfänglich zu Hause. Dort bedeutet „Heb", sov el als „halten, halt stst", und eS mag daher ganz einfach ein einzelner Mann oder eine Schaar einmal einem armen Juden nachgelaufey und „Halt ihn, heb" geschrieen haben und das neue Frldgrschrei zur Verfolgung der Juden war fertig. Man weiß, wie sich dann solche Ausrufe verbreiten, und wie z. B. vor einigen Jahren mehrere Male hintereinander derartige unverstandene Ausrufe auch in Paris anftauckten, ohne daß Jemand ihre Bedeutung kannte, wochenlang allerwärtö erschienen, von der Polizei gehont, und verfolgt wurden. Aehnliche Worte und Ausdrücke taucken auchsonst webl überall ans — und das sckeint mir bestimmt die ganze Etymologie des fatalen Ausdrucks, d>r uns so viel Wehe brackte. (Redaction.) Mendelssohn. DaS in Nr. 25 erwähnte Schri'tstück M MendelSsohn's babe ich nun doch naä träglick in derBrockhauö'scken Ausgabe gefunden (VI. 424); aber meineAngaben enthalten doch einige Erweiterungen. Ein anderes Schriftstück: „Abhandlung über das Kommerz zwischen Se le und Körper von MoseS Mendelssohn Aus dem Hebräischen überseht von Salomon Anschel, Kandidaten der Philosophie auf der Univei sität zu Bonn 1788" habe ich bis jetzt nicht aufgefunden. Sie ist aus dem Briefwechsel Mendeliohn's mit einem Freunde über Phädon, dem die deutsche Sprache dieses Buches unverständlich geblieben war. David Friedländer hat diesen brieflichen Nachlaß veröffentlicht. Der Inhalt dieser Abhandlung bleibt bei der Frage stehen: Warum hat Gott für den Menschen die Sünde nicht unmöglich gemacht und alle Menschen tugendhaft geschaffen? Die Lösung dieser Frage wird zwar nur angedeutet, aber in einer Weise, die uns ahnen läßt, daß auch Mendelssohn die richtige Lösung nicht gegenwärtig gewesen ist. Alzey. Dr. R. Feuilleton. Der Wetter. Novelle von I. Kl. (Fortsetzung.) „Geht hinaus, meine Lieben," sprach die kranke Klara zu ihren Eltern, „lant mich allein! Wenn aber Sara oder Pater Dominion kommen, so führet sie herein zu mir." Uno sie kamen, zu gleicher Zeit. Todesschrecken erfaßte die Mutter, als sie die beiden in der Hausflur bei einander erblickte. Aber sie sah die freundlichen Gesichtszüge des Pater Dominian, die leuchtenden Augen Sara's und sie ward beruhigt. — Ja, sagte sie zu ihrem Manne. „Jugend hat keine Tugend. Weißt Du, wie unsere Klara den Pater Anton heimschickte, als er sie zur Bekehrung Sara'« verwenden wollte? Und jetzt hat das junge Blut, der schöne Pater Dominion es fertig und das so ruhig scheinende Mädchen wirklich herübrrgebracht. Nun, wenns nur

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