Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 27 (6.7.1870)
- Date
- 1870-07-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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er KrseMseke Aclirer. Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen Lehrer st andes. Organ für den Verein „Achawa." 27. Den <» Juli 187«. 10. Jahrgang. Wöchentlich 1 Stunnnrr Biertrijährlicher Lbe>>nknirn1«prr>» 40 k — I11/2 Sgr. Anzngkn ju 1 Sgr. dir Prtitzrilr. BeÜrllungrn nehmen alle Postämrer und Buchhandlungen an. Die weibliche Krziekrmg im Jude nt hum- Don Dr. Adler in Ekmstiorn. (Schluß.) Da nun die Frau die Repräsentantin des Hause» ist, so wird sie eine allgemeine Bildung haben missen» um den Anforderungen des Hause«, der Familie und der Oesseotlichkeit entlprechen. Es wiid nickt genügen, ihr irgend einen WiflenSzweig witzutheilen und fünf andere ihr daiür vorzuenthalten, oder sie in irgend einem Aunstsache virtur« auszubilden, während ihr andere nützlichere Fächer, als: GemüthS- und Geisteebilduug, wie ein Buck mit sieben Siegeln verschlossen bleiben; vielmehr müsirn ihr alle nationalen Wissenschaften zugänglich sein, sie muß mit allen großen, erhobenen und schönen Ideen der Menschheit bekannt sein, und muß eine wahre Litten- und Gemüthsbildung besitzen. Hat sie die Summe dieser nothwendigen Bildung in sich cusgenommen, theilt sie ihr praktisches Wissen dem Hause mit, ist sie bestrebt, den nationalen Zdeen Eingang in da« Haus, in die Familie zu verschaffen, dann, und nur dann wird auch die Oefsentlichkcir, wird die Ration sittlich gut imd empfänglich für alles Erhabene, Gute und Schöne sein. - Aber auch zur einfachen Häuslichkeit, zur sogenannten „HauShaltungSerziehvng" gehört eine allgemeine nationale Bildung. Die Erfindung verschiedener Maschinerien, die Anlegung der Fabriken, die Ausbreitung LeS Handels und des Berkehr« sind auch auf das Haus nicht vhue Einfluß geblieben, haben das Hauswesen wesentlich vrrbrsiert. Wenn wir da« Gebiet de« HauSwesen« genau betrachten, so werden wir wahrnkhmen, daß es seit dreißig Jahren eine ganz andere Gestalt angenommen Hot, und daß es sich immer bemüht, die neuesten Erfindungen in sein Bereich praktisch einzusühren. So sind z. B Deränderungen eingeirrten in der Beleuchtung, in der Heizung, in der Ernähr, ung in der Ausstattung unserer Zimmer, in in der Aniertigung unserer Kleidung, u. s. w. u. s. w. Sollen nun diese Erfindungen der Oefsentlichkeit fördernd se n, sollen sie den nationalen Wohlstand beben, lo ist eS wieder doS Haus, das durch deren Anickofiung und deren Verbrauch einen mächtigen Hebel zur Förderung der Cultur und des Handels'bildet. — Jede Hausfrau muß daher einen gewisien Grad nalmwissenjchastlicher Bildung besitzen, um alle neue Erscheinungen, die in ihr Fach einschlagen, zu beurtheilen, um sie ihrer-Familie zuzusühren und dadurch eine Verbesserung und Ersparung im Hauswesen zu ermöglichen. Schwieriger ist dabei die Frage zu beantworten: „Wie viel soll jedem Mädchen von jedem Wissenszweige mitgetheilt weiden?" —Allgemeine Regeln und Grenzen sind nicht dosier sistgestellt; jede Schule, jedes Institut geht da seine» eigenen Weg, jede derartige Erziehungsanstalt glaubt in Ermangelung eines Systems das ihrige als das heilsamste anzupreisen. Gewöhnlich werden die höheren Töchterschulen alö Norm angenommen und der Stundenplan nimmt auch alle Gegenstände der höheren Töchterschulen auf. (läßt sich auch theoretisch dagegen nichts einwendrn, so wird die Prares immer den Grundsatz sesthal» te» müssen, daß es auf das „wie viel" gar nicht ankommt, denn die allgemeine Bildung des weiblichen Geschlechts soll nicht etwa darin bestehen, daß jede Frau die Principien und Systeme einer jeden Wissenschost inne habe, oder daß sie in jedem Wissenszweige mit einer Anzahl Sätze innig vertraut sei, oder gar die verschiedenen Philosophen zu lesen irre Stande wäre; vielmehr soll die allgemeine Bildung von der Berufsbildung sich dadurch unterscheiden, daß von ersterer die .keaupt» oder die leitenden Ideen der betreffenden Wissenjchastklaraufgefaßtund richtig beurthrilt werden. Hat daS Mädchen oder dir Frau die leitenden Ideen klar und richtig aufgrfaßt, find ne ihr Eigenthum geworden, so wird.