Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1869-08-18 · 33 (18.8.1869) · p. Seite 379

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
33 (18.8.1869)
Date
1869-08-18
Page
Seite 379 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4896751-5428712-5432042--2559-4898900
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

579 alfe diejenige ISrael's allein unmöglich sein? Warm» , wollen wir das Schwert der Vernichtung an un«! selbst legen, selbst Israel ausstreichea ans der Reihe der Völker? Warum soll Israel seine Änjprücke auf nationale Wiederherstellung ausgeben, die es so lange bewahrt hat, auf die es in der Geschichte ein Recht bat? Glauben die Reformer die Welt durcb Ent-! weibung und Vernicklung des IudenthumS zu den Lehren des IudentbnnlS zu bekehren? Denn dies ist > es, was sie durch ihre Bestrebungen bewirken, wenn j auch nicht bezwecken. Israel lebt durch die Sünden i seiner Väter in der Zerstreuung. 'Wenn deren Schuld j an den Kindern gebustt sein wird, werden diese in ihr Land zurncktebren. Selbst die anderen Völker werden j nicht eher zu ihrem Frieden gelangen, bis sie gebüyl haben werden, was sie an Israel verschuldet baden.; Die Erlösung der Welt ist bedingt durch' die Erlösung Israel's. — Selbstredend ist dem Kritiker diese Er- , lösung Israel's nur die politische, eine religi-se erscheint ihm nicht nöthig. Diese ganze Kritik ricbtet : sich durch sich selbst, sie bedarf wohl keiner Widerlegung. Die selbstständige Rationalität Israel's ist kein specifisck religiöses Bedürfnis;, kein Erfordernis! des Iudentbums; sie war nur.E i n Mal ein Bedürlniü der Zeit, ibre Wiederkehr ist aber weder ein Erforderniß der Zeit, noch der Religion, sondern steht im Gegentbeil mit der Universalen Bestimmung des Iudentbums und der welthistorischen Aufgabe :n i Widerspruch. (Ferkseyung folgt.) 1 Jsrmtleton. Der Schmuggler. Fortsetzung.; , Die Entdeckung. Während oi« daS Bolk vor vm Thoren oes Gttlchtshause« jub'litte und im Hause selbst mit großem Behagen die Last der Indizier» und Zeugnisse vernahm, die den angekiagten Juden zu Loden drückte, waren nur eine Stunde von dem Städtchen, m den» kleinen Gebirgsotte an der Grenze erne liebende Mutter und ein zärtliches Schwesterhecz bekümmert, um die noch de kümmertere Golde. Da» sonst io ruhig klare ctzemuth Golde s . war von einer fast verzehrenden Aufregung beherrscht. Wußte ne ja den Geliebten heute feinen Richtern gegenüber und in deren vand die Wagschale über Leben und Tod. Ein unfaßbares Grkiiht hielt fie zwischen Furcht und Hoffnung. Immer schaute sie auf zu deni Orte, wo sie ihn zum letzten Male gesehen hatte, hinaus zu dein Gipfel des Berges, von wo man in die benachbarte Grenzstadt hinuberblicken konnte, wo eben sie Gerichts Verhandlung war. „Mullcr." sagte sie endlich. „Mutier, laß mich hinaus, nur ernen Augenblick hinaus in'-? Freie. Ich kann hier nicht mehr ruhen. Laß mich m Gottes 'rere Luft. Mich trrsidt eme Unruhe, ich kann nicht mehr dleiben. Aengstiqe Dich «ich . Mutterherz» :ch komme wieder; vielleicht drnrqe ich gute Botkcha t? »Aber. Kind . . . ." »Laß mich, Mutter, Du weißt, ich folge Dir mim er; darum tritt mir nicht entgegn,. Mir ist'«, als Häm e von diesem «sänge das Leben und die Seligkeit ab. ,.2o g'he, mein Kind." Golde ging. Als sie an die Stätte rain, wo re zu Mosche hiiigeschaut hatte, blied üe Zine» Augenblick sieh n. «Ls war &au'rt, und l sple ihr der sie aufwärts, des Donners, grelle Leuchte« ihr, als stände jetzt Molche än der Schwelle ihres winke ihr zu. weüer zu zehen, et war, als Wind „Jeborechecho" zu. Und immer weiter «stieg in den Wald; sie hotte nicht das dumpfe Grolle» der iininer vernehmvarer wurde; sie sah nicht das se-j Blitzes, das zuweilen ven Wald durchleuchtete. den vor 'wenigen Minuten noch das Helte« Licht der Sonvje hatte. Da — auf inmai em Helles Leuchten, ganze Wald in Flamin«» . ein betäubender Dorchl stroinmder Regen ergoß sich über die Erde Träumende aus ihrer Betäubung. Angstvoll einer schützenden Slell« umher. Was war das Lohlerhütte, von der chr Bat« als den Ort iaiiimentreffen» mit Mosche gcfvrochen — und Boden nicht wie mir 'rischem Blute gefärbt i letzen ergrnft sie; lie will stieben. Da stoßt chr hatten, scharsm Geaenstaud, sie bückt sich und menden Regen» und »er Dunkelheit de» Walde- U! id V s fiel trotz des schwere Hand i :uf da» Messer. i sie von einem Gesichtsfarbe dann packt dem Papiere , stürmt j fie «>r e« kleines Päckchen, ein Taschentuch, einige Lump m, ein Messer and ttnige Papiere. Sie hob es au». Ihr Augi strömenden Regens aut die Schriflzuge. die eine au' daS Papier gebracht haben mußte, und dann Sie las; es waren nur w.mige Zeilen. Und elektrischen Schlage durchzuckt, rothtte sich ihre nochmals und nochmal« durchlieft sie diese Zelle, sie das mit Blut besudelte Tuch und Messn m zuiammen und als wäre em Verfolger hinter ven Berg hinan, ohne uinzuschauen. dein Gricbtssiädtchen zu. Bon ven Bimmen fallen dicke Troplen. ihre go az durchnäßte« Kleiber triefen und wollen sie hindern. Sie dl acht« es nicht- Die Thierr de« Waldes, dir oa» Gewirr« in hre Hohlen ge- -hreckt, schauen verdutzt ausie Flüchtige, di. Sonn« vricht wieder aus den Wolken hervor und ivirft strahle ide Stteistichter au' den Walddng. Die Baume ".nv wie mit gi mcrnde» Perlen beiäet und die Bügel beginnen wieder ihren 0 esang. Dort scheucht der eilende Gang rer Dahinschreilrirden; ne Droisel auf, die in ihrem Schlag aufhört, um wie verwunder artige Gestalt au'zulchaum; o-'r Berg stracht liegt oie Gegmd irr hren^Biicken sieht alle« nicht 7 nur hinunter auf/oie kleine jetzt dott in dem großm mit Schtrser gedeckt«, tauie cm Mensch ra banger Angst vor den Richtern steht und kl inen Annehmer, keinen enllastenden Beweis hat, schaue sie. Sw bemißt die Ent 'ernung mit den Augen, sie zählt im Geiste o e Schritte, die vurchffuthtt «fl» stünde der erschlag; ein weckte" oie bifcktr sie nach Dort — di« ersten Zu ist oa der oopttres Cnt- Zuß auf eine» trotz des stroerkannte sie hir auk die fremdrsti^qen, in hehrer «gebreitet, st« Grenzstadt. io»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.