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Der israelitische Lehrer · 1869-05-19 · 20 (19.5.1869) · p. Seite 276

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
20 (19.5.1869)
Date
1869-05-19
Page
Seite 276 (sequence 8)
Language
German
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276 Historische Bilderbibel, Kräuser, Augsburg. I »ocxcix. ■ Israelitische ReligionSlchre r. Philippscn I.! Hamburger, Geist der Haggada. Esther (Komisches Lustspielvon IosefHer; in jüd.- > deutscher Mundart). Odernheim in Rheinhessen. > J. Klingeigtein. SJon Erfurt erhalten wir folgendes gedruckte Circular zur ' Nochmaligen Aufnahme. Redaction. Skettirugsrrrf! .! Christliche Mitkrnder nnd Mitbürger! > Als im Jahre 1867/68 der furchtbare Nothstand über unsere Provinz, hereingebrochen, da war der > Unterzeichnete, zum Schriftführer des hiesigen NothstandSvereinS, eines Zweiges der großen Berliner Hülssvereinesür Ostpreußen gewählt, mit höchster j Krastanftrenguug —- seine Mitbürger werden ihm das j bezeugen — ununterbrochen zu helfen beflissen. Alle! seine Glaubensgenossen in der Nähe und der Ferne! hat er zu Hülfe angerusen; doch es bedurfte dessen j kaum, die Israeliten sind ihren christlichen Mitbrüdern , «abrlich nichk nachgestanden. .! Christen! Mitbrüder! Ein noch diel schrecklicherer : Rctbstand hat die Israeliten in Rußland längs der preußischen Grenze befallen. 90 pCt. der dortigen, \ sehr dickt neben einander liegenden, zahlreichen i aber vollkommen verarmten Städtebevölkerung sind! bekanntlick Israelsten. Davon sind, wie behauptet! wird, vielleicht sckon 10 pCt. dem Hunger und dem Typhus erlegen. Erschütternde Dorkommnisse werden uns von hortber berichtet. Familien, sind bis auf das letzte Glied ausgestorben , oder die Eltern, von dem Ungemack hinweggerafft, baben eine hungernde Kinderschaar zurückgelassen, Za eS werden Fälle erzählt, wo eines der Eltern gestorben und da« Ueberlebende in" sinnraubender Verzweiflung' die Kinder, ohne sich weiter um sie zu kümmern, verlassen, oder sie zuvor Vermögenderen heimlich in die Häuser niedergesetzt ' bat. In der Stadt Citowian wohnten nach Art der Armen dieser Gegenden seckS Familien eng zusammengepfercht in einem Hause.. Nach und uack waren alle j sechs Familien auSgrstorben. Eine Mutter war die ■ Letztüberlebende. Zbren Mann und dreizehn Kinder batte sie bereits begraben lassen. „Wohl dir!" ries sie, als auck daS vierzehnte und letzte sein Leben auS- : hauchte, — 7du. hast die Todesfurcht Überstunden, | «ährend wir sie täglich und'stündlich vor Augen haben." > Brüder! Rettet, helfet wo ihr könnt, so viel ihr könnt! Veranstaltet allgemeine Sammlungen, Eoncerte, Soireen, Dilettanten-Darstellungen re. zu Gunsten der Unglücklichen, wie e« in der preußischen Stadt Posen und in der französischen Stadt Havre mit schönstem Erfolge geschehen. Und ibr Männer der Presse, dir ibr euch zur ersten Großmacht der Welt ausgrschwuugen, nehmet Euch in edlem Eifer, wie das so euere Art ist, der Unglücklichen an Ihr, daS allgemeine ösimtlicke Gewissen, könnt es dem Einzelnen am wirksamsten zu Gewissen sühren. Und nun ihr Brüder aller Parteien, aller Stände, aller Bekenntnisse, aller Nationalitäten — vor der Solidarität Aller in allen edlen menschlichen Interessen gibts keine Verschiedenheit unter den Menschen, sollte eS keine geben — Helfet! und Gott wird Euch helfen i Memel in Preußen, st. März 1869. Der Prediger der Snnagegen-Gemeinde I)r. Riilf, Schriftsübrer des Unterstützungs-Comite'S für Israeliten an der benachbarten russischen Grenzen.. Vorstehenden Hülferuf übxrgeben wir hiermit unfern werthcn Mitbürgern Erfurts und der Umgegend, mit der Bitte um geneigte Berücksichtigung. Alle Berichte, in welche wir Einsicht nahmen, schildern die traurige Lage der Unglücklichen als wahrbafl herzzerreißend und haarsträubend. Hunger, Norh und Tod sind das schreckliche Loos der armen Hülfcsuchenden. Die Meisten von ihnen begrüßen, auS Furcht vor dem Elende, den Tod als willkommene Erlösung. Darum, Ihr Mitbürger, helft nach Kräften der Roth steuern. Beweiset, daß die so eil gerühmte christliche Liebe kein leerer Klang, sondern daß sie Euck lebendige Wahrheit sei, daß sie Euch treibe, wohlzuthun und mitzutheilen, die Kummersrbränen zu trocknen. Hungrige zu speisen, Nackte zu kleiden, Kranken edelmild beizusieben. Fragt nicht erst, wo es die Verwirklichung deS Humanitätsprinzips gilt, nack der Religion des Norhleidenden, sondern gebet ihm ohne Unterschied der Religion — aus Religion: alte will eS die wahre Humanität! Jede» der milunrerzeickneten Eomite-Mitglieder, sowie die wobll. Redaktion dieser Zeitung ist bereit, milde Gaben für diesen edlen Zweck entgegen ru nehmen und in den öffentlichen Blättern darüber zu quittiren. Da« Ecmil«.- zur Unterstützung der Nctbleidenden in Rußland (in Erfurt). v. T e t t a u. vr. Dietrich, Direktor. W. MvoS. B a i l, Ltadtratb, Perersen. Banke. Friedr. T e i ch m a n n. I)r. IaraczewSky. Kcrantwortliche Redaction und Vertag von Joseph Rlingenstein, Lehrer zu Odrrnheim in Rheinhcsien.?»r den Buchhand«! in Lornrnitstan sei Oskar Seiner in Leipzig. — I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz.

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