Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 8 (24.2.1869)
- Date
- 1869-02-24
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
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3 obschon keine verzärtelte Natur, vurde fast ohnmächtig, nachdem sie bis jetzt gefaßt zuzebört hatte, der spielende Knabe aber horchte und sah stille auf. Bor der reinen Kindesnatur gehen Glück und Unglück spur» los vorüber. Es kennt nur die rosige Gegenwart. Was ist ihm Vergangenheit und Zukunft? Da öff-i nete sich die Thüre, Gutmann trat herein, auf dem Arm verschiedene neue Kleidungsstücke tragend. Lang, fam wurde er von dem Vorgefallenen in Kenntniß gesetzt; es bedurfte dieser Vorsicht nicht; der Mann, der so viele Sorgen und so mannigfachen Kummer durchgemacht, obne zu wanken, er bewährte auch seine Fassung im Glücke, wie eS der. Dichter von dem rechten Manne sagt: „Fm Glück nicht jubeln und im Sturm nicht zagen." Doch eines that er, er rief den guten Gott seiner Väter an ur d dankte ihm inbrünstig für die frohe Nachricht, die ibm geworden. „Gelobt sei Gott, der Gutes thut dein, der seiner Güte vertraut." | „ Wann ist das große I Loos denn herausgckommen?" fragte Frau Gutmjann. „Am vergangenen Sabbathvormittage; doch hat dein Schwager erst gestern cs erfahren." Die Frau warf einen bittenden, leuchtenden Blick auf ihren ruhigj heiteren Gatten, einen Blick, der gleichsam uni Verzeihung bat. Gutmann verstand sie. „Es gibt kciye Zeichendeutelei, keine Zeitenwahl und Vorbedeutung in Jakob," sprach er, „aber, der Golf, der unscrj Leben lenkt und leitet, führt uns zu dem Bewußtsein, daß der Erfüllung seiner Gebote ein Lohn wird! — früh oder spät. Er hat uns seinen Segen gespendet -=• als wir den Segen der Sabbathruhe genpssen." Dem Botschafter ward nun ein tüchtiges Stück. Geld übergeben, obschon derselbe schon in F ilm Voraus reich belohnt - worden. — Was G. nun erzählte von dem vor einer Stunde drohenden Geschäftsverlust und wie dieser durch Beschlagnahme der Kleidungsstücke abgewendet wurde, hörte die glücklich erregte Frau gar nicht. Vor ihrer Phantasie gaukelten schönel Bilder des Glücks, der Freude und deH Wohlstands; wußte sie ja dock, mit welcher Liebe die Geschwister an einander hingen. Nun freue Dich gute Hausfrau, drücke dein Kjnd zärtlich an die Brust, dl! hast Ursache dazu, denn deine Hoffnungen, sie werde» sich erfüllen. Deine Bilder von häuslichem Glück, sie werden zur Wirklichkeit! — Es war wieder ein Freitagabend gekommen, um den runden, weiß gedeckten Disch, auf den die glänzonde und geputzte Messinglampe mit ihren Lichtarmen herabsah, saß die kleine Familie und so oft auch der Mann wieder ans'S Neue anhob zu erzählen, feine Frau konnte nickt satt werden, eS zu Horen. Es klang ibr so süß, was ibr Mann gestern von seinem Bruder gehört batte. „Bruder," hatte dieser gesagt. „Du wirst jetzt eii^ anderes Lebsir beginnen, Deine Sorgen werden gehoben, Du bekommst von mir ein neues Haus utld Geld, um Dein Geschäft gehörig zu betreiben. Was und wo es Dir fehlt, das sage mir nnr, denn ich bin ja Dein Fetzt so glücklicher Bruder. Gott hat mir dies Glück sicher nicht nur für mich geschenkt, sondern auch Dir hat er gcbolsen, wie Gotit mir geholfen." GetheilteS Glück ist doppelt Glück! und sio erzäblt dieser beglückte Bruder von seinen Hoffnungen für die Zukunft und will seit seiner Heimkehr nicht aufhören, seiner hock aushorchcnden Frau Alles auf's Genaueste wieder zu rrzähsen. j,Gott sei Dank, daß eS so gekommen und gewiß liebe Frau wirst 3^ beute zufriedener sein als am vorigen Sabbatb!' sagte rubig und srenndlick der Gatte. — Die Innigkeit des Familienlebens war gekräftigt und geläutert. Die Frau erkannte von Neuem den Wertb des Gatten, den ihr Gott geschenkt d der Mann war gehoben in dem Bewußtsein, in dem Gedanken, das Rechte gewollt und durchgefübrt zu babeii. Es war ein heiterer, .glnckvcrbcißcnder Sabbatb! Anzeigen. Bon C. F. Schmidt in Leipzig kann dnrch alle Buchsandlungen bezogen werden: Stunden der Andacht. Ein Gebetu. ErbaunngSbuck sür Israels Frauen und Jungfrauen zur öffentlichen und häuslichen Andacht, sowie für alle Verhältnisse deS weiblichen Lebens. Von Fanny Neu da!, gcb. Schmicdl. <». Auflage 1d68, in reich vergoldetem Einband. Preis 15 Sgr. ' Buvrr, Sal., Leben und Schriften des Elias Bachur, genannt Levita. 6 >Lgr, Cohn, Or. Falk, die Rückkehr. Predigt am DerföhnungSfeste. 3 Sgr. - — Bedeutung und Zweck des Dersöhnungstages. Predigt. 2 Sgr. Dialog über die Seele von GalenuS. AuS dem Arabischen in'S Hebräiche, übersetzt von Jehuda den Salomon Alcharisi. Mit Einleitung von Av. Jellinek. 5 Sgr. Ehrrnberg, vr. PH., die Samsou'sche Freischuke zu 'Wolfeiibüttcl. 12 Sgr. (Einhorn, Dr. D., daö Pxincip dcö MosaiSmus und 1 dessen Verhältnis; zum Hridenthum und rab-! Unischen Judenthuin I (einziger) Theil 1 Thlr. 10 Sgr. - Goldschmivt, Dr. A. M., die Jubelfeier des geretteten Vaterlandes. Predigt. 3 Sgr. Kirsch, S. R. Briefe eines jüdischen Gelehrten, und Rabbinen über das Werk: Vcrsucke über JiSraels Pflichten in der Zerstreuung. Tgr- '