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Der israelitische Lehrer · 1865-05-11 · 19 (11.5.1865) · p. Seite 76

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
19 (11.5.1865)
Date
1865-05-11
Page
Seite 76 (sequence 14)
Language
German
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in tan Schulstminare seine pädagogische Ansbildvng erhielt.*) Später kam Erbrecht «ach Sixfcaftlb; ton da vor 25- 3tlm» »ach Bingen; f» war Ihr Lehrer stetei« wahrer M«ir (Erleuchter) Lebrecht der Redner schloß, indem er «och de» Glücke» erwähnte, das der Jnbilar an der Seite einer edle« Salti« (Tochter des greise« Rabbine« Aub aus München) gefunken, mit eine« Hoch aus die Jngend der Stadt Bingen! Herr Reallehrer Hildebrandt sprach.mit begeisternker Wärme von der Humimväl der jüdischen Gemeinde» die diese früher bei der Weihe da? evangl. Kirche bewiesen, dem sich heute das Fest der Liebe würdig anreihe, das di« rsr. Religionsgemeinde ihrem Religirnslchrrr gebe und an dem auch die Christen als solche de« innigste« Antheil nehmen. Denn es kann de« zusammen i« einer Stadt wohnenden Bürgern nicht gleichgültig bleibe«, in welcher Weise die Bürger der anderen Evnfcssionen ihren Religionsunterricht erhalten. Die Religion soll die Menschen verbinden, nicht trennen. Cr bezog sich hierbei ans eine früher von dem Rabbiner dieser Stadt, Herrn Dr. Sobernheim, gehaltenen Rede bei der Gründung des Pestalerziverein», die in herrlichen beredt<« Worten die Religion der Humanität festrt. Herr Ma er. (ein blinder Greis, den die V,rebrubg für den Jubilar ebenfalls zur Theil- »ahme an der Festseier anregte) sprach als. Mitglied deS früher« Vorstands (zur Zeit der Berufung Lebrecht»' seine Freude auS, daß die damalige Wabl unter den mehr als 30 Lutplicanten eine so glückliche gewesen. Nock manches schöne Wort wurde gesprochen, (von Herrn Marr, Gräfi, Stein. Hiltebrandt) bis die gemüthlia, angeregte, heitere Gesellschaft sich nach 1 Uhr des Morg-nS auflösteb-- Ich stand an dem Fenster teS Hotels, olS der Tag anbrach. .Mein Blick schweifte hinauf, von wannen der Rhein herkommt; hinab, wo di« Berge das Bingcrthal gleichsam abzuschließen scheinen, als sei kein Duswg vorhanden, um zu entrinnen. Mein Geist durchlebte nochmals flüchtig die vergangene Nacht mit ibrcn ernfifreudigen Eindrücken. Ich gedachte unsrer Brüder und Freunde, .der Glieder des Lehrersiandcs in der Ferne und Nähe! — Hier, auf diesem gesegneten Boden lebt einer d»r Unsri.en, ein Edler, dem das Leben sich günstig gestaltete innerlich und äußerlich. E.nS mit sich und seinem Beruie, ein Eharakter durch und. durch, >hat er auch eine Stätte des Segens gefunden, Anerkennung und Liebe, erfreut er sich ein s glück.ichen Familienlebens. Es ist cinglücklicheS seltenes, in sich abgerundete- Lebrcrleben, dassich vvr unseren Blicken entrollt — die Jugend im Kampfe mitdem Leben, das Mannesalter im gesegneten Wirkungskreise, das Alt r gek önt von der Liebe und dem froben Bewußtsein, nicht umsonst gewirkr zu haben, rubig cher Zukunft entgegenschavend, auch in der Uebcrzeugung: Es ist gesorgt für mich und die Meinrgen. Mein Leben ist in Gotte- Hank. Mein Blick verdüstert, sich. Hunderte meiner Freunde und Bekannte, tau'end Lecrer, dir ich .n ckt kenne, die aber, alS Ledrer, meinem Herzen nabe st den, hoben gekämpst m l drück,nder Notd, mit herbe? Serge, mit Kummer und Elend, alle Tage ihres Lebens; sie haben in der Jugend taS Brod der Armuth gegeflen, um einem Berufe sich zu widmen, von dem sie erwartet n, laß er dem Manne erfreuliche Früchte, dem Greise Ruhe verschaffe. Und ach! Wie viele haben sich nie dieser zu erfreuen; wie Bleien bleibt des Leben ein fiezer Kampf, ein *) Von kort ist auch uns eine Tbatsachcn bekannt, die von dem Mvtbe der felsenfesten Ueberzeugun« streue und dem energischen Skechtsgefühle beS Jünglings, der sich als Mann treublieb, rührentes und erbebendes Zeugniß gibt. Reh. - Dornenweg. Wie Viele essen stets dar Brod des Elends uit der Aimuch! Wie Biele, die mit aller Hingebung wirken, erist, len doch Nie Dank. Wie Vielen ist e» nie vergönnt, ein Fes der Liebe zn feiern, wie daS eben hier gefeierte. Wie Biel«, ist das herrlichste Lebrusglück — die Gründung eines eigene, HeerdeS — für immer versagt! Wie Viele, die zeitlebens allrst gingen, stehen im Alter einsam da, ohne eine Stätte des Friedens finden zn können, einen Ort wo, sie ihr Haupt in de, Echcoß ihrer Liebe zu betten vermöchten. Sie verkümmern einsam, wie ein dürrer Baum in der Wüste ... Wohl ihnen, wen, sie nicht auch dann noch hungern, darben, betteln, ja betteln, müssen. — Und wie Vi len, ach, wie Vielen, die nach vollbrachten; Tagwerk in den Schooß ihrer Famstie zurückkchren, um sich an de«' Anblick der Lieben zu erquicken und zu erheben, werden dies,! Sonnenblicke des Lebenvergällt durch den Gedanken: wen,! mich Gott abrufen würde, jetzt, ehe ich für die Meinige,' zu sorg n im Stande bin! Wenn ick sie in Noth und Ele-d zw rück.affen mußte. Wenn sie mir — Ach! des fürchterlichsten Gedankens — fluchen würden, daß ich ste hem Leben gab, in den sie nur Leid finden!- Die Sonne steigt herrlich im Osten auf! Sie beleuchtet bie. der Berge, die im frühen frischen Grün prangen; ihr — der Spitze, Sonne i— Bild ziitert auf dem grüner Wasser des RbeinS; alleum mich h-r ist Leben und Lust! gleiche 1'racht ent'allei die blühende Natur — und noch ist niest einmal der Wonne-. monat gekommen! Freundlich verhüllen die Berge die Schrecke, der Felsen im Rheine dort unten, die einst dem Schiffer fürchterliche Gefahr trobtcn, und den Mäusethurm, das abschreckend, ^Bild des Geizes! Der Lehrerunterstühungsvcrein! Dein, unsere Mission, du heilige Aufgabe unseres Leders, d e wir unS gestellt haben zu« Heile, zur Erhebung de» Lebrerstankes — er muß der Cter»' werden in der dunklen Nacht so manchen Lebrerlebens, er wuf eS immer mehr werden. Wie Bingen seinen Lehrer feierte unt ihn mit Liebe umgibt, so wird dos deutsche Judenthum seine» gesammlen Lebrerstand mit Liebe umgeben, und ein Bild kiesest Liebe wird der wachsende und sich ausbreitende Unterstützung--d verein sein, dem Alle sich freuntlich zuwcnden, kessen Blüthst tie deilioste Aufgabe und der Segen des deutschen Juta-i thuws ist! Heil Bingen und seinem Lehr>r Meter Lebreckt! Heilallen cdl.n Menschn- und Lebrerfreunden! Siebenfaches Heil! dem sich entfaltenden Lebr.rstae.de und seiner goltgesegncten Zu i kunft! I. Klingensteiu. Odern heim. Die isr. Gemeinde Alsheim in Nbeinhesse» tat abermals einen Bew>is gegeben, wie scbe sie sich vor viele» Anderen auSzeichnet durch ihr reges Strelen, kurch ihre edle Gesinnung unv durch ihre Aufopferungsfähigkeit für ihre Schule und rhcen Lehrer. Sir hat ken Gebalt ihres L-Hrcrs. unserer Freundes K. Marx von 325 fl. aus 500 fl. erhöht, unv zugleich demselben im Falle der Dienstunsähigkeil eine Pension von 250 ff. zugesichert, welche Summe bei seinem etwaigen Ableben — was Gott noch r.cht lange gnädig verhüten wolle — seiner Wittwe zufließt. Um aber diese Pension und diesen Mcbrzehall für alle Fälle zu sichern, hat sie, wa» noch besonders Hervorzuheben und andern Gemeinden zu errpfehlen ist, einen Gemeindefond geschaffen, der bereis cc. 3000 fl. enthält. Für eine zwar > wohlbabendc aher doch nicht gerade überaus reiche Gemeinde von cc. 15 Mitgliedern gewiß eine Tbat, die sich selbst rühmt, und. von eben so energischer Leitung als gesunder Einsicht und edle» Streben Zeugniß gibt. «eranrwortlirber iseoacreur: I. Llingensteiu in Oderuheim in Sibeinheffen; Selbstverlag der Siedaktion. Für den Buchhandel: in Lommissioa bei L. L. Fritz sch« in Leipzig. — Damps-Schnellpressendruck von I. SottSleben in Mainz.

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