Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 19 (11.5.1865)
- Date
- 1865-05-11
- Page
- Seite 74 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4896751-5428734-5431488--1063-4897622- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
die Einseitigkeit, zu vermeiden. Bekanntlich hindert und schwächt ei» vernünftige- Streben nichtmehr, algerade Einseitigkeit und monotone- Wesen.' Wenn die Länder-, Städte- und Zahlenbenennung leicht langweilen und ermüden, so wird durch Einflechtung biographisch-geschichtlicher Mittheilungen Geist Md Leben in die „todte Masse" gebracht. Freilich müssen die Erzählungen über jene Begebenheiten äußerst bündig, einfach'in der Sprache und doch anziehend, dem geistigen Standpunkte de-Kindes angemessen sein; freilich ist es da nothwendig, gleichsam wieder selbst Kind zu werden, um sich die Fassungskraft seine- Schülers genau zu vergegenwärtigen; aber machen darin geographischer und Geschichtsunterricht eine Ausnahme von der Regel? — Soll der Lehrer nicht immer, in jedem Fach möglichst einfach und „die Sprache der Kindheit" reden? — Fesselt doch auch den Erwachsenen und Gebildeten der interessante,- seiner Bildungsstufe angemessene biographisch - geschichtliche Dortrag; um wie viel mehr muß das bei dem lebhaften Kindesgeiste der Fall sein! — Auch der Lehrer wird da mtt fortgerissen und sein Unterricht trägt reiche Früchte. — Dasselbe gilt, wenn auch in anderer Weise, von dem Geschichtsunterricht. Ist doch der stundenlange Vortrag sehr ermüdend für Lehrer und Schüler zugleich l Ich hätte früher mindestens doppelt so viel Zeit, bei ziemlich gleichen Resultaten »öthig, war nach der Stunde höchst abgespannt und der E folg wenigstens nie ein sicherer. Ich griff daher eine Methode mit Freudigkeit auf, um dm Schlendrianismus und Mechanismus möglichst rasch zu entfernen und habe G. s. D. wohl gethan. Man soll sich's überhaupt Lebensregel sein lassm, jede (?) Neuerung, falls sie eine solche wirklich rst , gmau zu prüf m und nicht gleich zu verketzern, damit man erst ihre'Licht- und Echattensiiten gehörig kmnm lerne. — Für eine Verbindung mehrerer Lehrobjekte hat sich insbesondere noch der Lehrer zu interessiren, dessm Kräfte durch Versehung von Filialen*) zersplittert und geschwächt werden; denn ihm genügm die Stunden kaum, faller gründlich und gewissenhaft sein will, für die nothwmdigstm Unterrichtsgegenstände und er ist direct zu Associationen angehalten. Wir bemerken hier, daß wir mit Bisherigem unsere Ansicht, soweit es der Raum gestattet und soweit das in solchen Arbeiten überhaupt möglich ist, genugsam modificirt zu haben glauben. Wir halten indessen uns und unsere Arbeit nicht für unfehlbar und wissen nur zu gut das Wort Diesterweg's: „wolle keine Autorität bildm" zu würdigen. Nur im Lienste der Sache haben wir bisher gehandelt und gesprochen. Mir nehmm daher auch jede gerechtfertigte Zurechiweisung und Belehrung an und wollm sie beherzigm und in eingehende Erwägung ziehen. Wir schreitm zur DerfahrungSweise bei der Verbindung der Geographie mit der Geschichte." Der Unterricht in der Geographie, welcher vorher durch Raturanschäuungen sachgemäß eingeleitet wird, beginnt als solcher etwa im 8. und je nach dem Begriffsvermögm de- Kindeim 9. Lebensjahr«. Er beschräntt sich in seinm *1 3Il '6 möglich, (tarn vollstäudiren Lelkssckuluntrrricht in (inrm Filiale zu erthe.len? Sibt'S solche Stell» in Kurbeffen? — Red. erstm Entwicklung- -Stadim auf die nächste Umgebung des Kindes. Da Anschauungsunterricht Grundprincip unseres Verfahrenist und sein soll, so wird dem Schüler vorher andem Hervorspringen einer Quelle der Ursprung der Flüsse llar gemacht und ihm mitgetheilt, daß jene Quelle» zumeist in, oder an Bergm entspringen und zu jeder Zeit hinlänglicher Wasservorrath sich in der Erde befindet (?) Das Kind wird daleicht begreifen, und man lenkt nu» seinen Blick zunächst auf den Berg, der vor ihm sich erhebt, und nachdem emit dem Namen desselben bekannt und vertraut geworden ist, kann man auch schon geschichtliche Mo. mente, als: Bedeutung diese- Namen-, die dabei stattgehabten Ereignisse, Sagen u. s. I f., einweben. Ein Blick rückwärts zeigt dann dem Kinde sein GeburtS-Dorf, sein« -Stadt. Hier werden die bekanntesten und bemerkenSwerthesten Dorf-, oder Stadttheile zuerst beschrieben, sodam das in diesen Vierteln besonder- Hervorzuhebende, als z. B„ schöne und hohe Häuser, lange und breite Straßen, hohe und schöne Gotteshäuser berührt und daM die Namen der bemerken-werthesten Personen, welche diese Theile bewohnen, dem Gedächtniß eingeprägt.; , (Schluß folgt.) H Correfpondenz. * 4 Oderuheim, 28. April. (Ein Lehrerj ubiläum), * Noch erfüllt von den Eindrücken eines erhebenden, herrliche, Jubelfestes, wagen wir es. unseren Lesern einen un- und viele, M Anderen unvergeßlichen Tag und mehr noch eine herrliche Rach« * zu schildern. Mögen diese feilen insbesondere von den Theil- < nehmen, jenes herrlichen Festes als Zeichen nnsrer innigste, « Hochachtung freundlichst ausgenommen werden und ei» froinfc * IrcheS Gedenkblatt fein an einige, einem warmen Lehrerherz«» wohlthuend«, unvergeßliche Stunden. b Am 26. d. M. — vorgestern — feiert: die i,'r. Religiout-, gemeind« Bingen a. R. den 25jLbrigen Eintritt ihre- Religion»; 4? lehrerS Maier Lebrecht in fein Amt in ihrer Gemeinde. war ein Fest der Gemeinde. Der geehtte Jubilar, dessen tijf fünfundjwauzigjährigen Dienste in dieser Gemeinde ergraut«,» H Haare ihm ein Ehrenschmuck und eine hohe Zierde, den Mit-! » gliedern der Gemeinde ein Gegenstand der Hochachtung si! Verehrung find, würde in seiner unvergleichlichen Einfachheil und Bescheidenheit zu einem solchen Feste nie die Initiative er v griffen haben. Der edle Mann mit seiner seltenen Ebaraktev f und Ueberzeugungstreue, mit seinen gediegenen Kenntnissen, m seiner Biederkeit und Klarheit hat solche Ovationen nicht «er M langt, aber — verdient. jj Schon am Vorabende de- Feste» überreichte eine Deputat« .; i des Vorstandes und der Gemeindeglieder als Festcomitö de» .8 Jubilar ein werthvolleS und von der Generosität zeugende- 8» f f] schenk*) mit folgender sehr sein lithoyraphirteu Adresse: s« Hochgeehrtester Herr Lebrecht! & Fünfundzwanzig Jahre sind mit dem heutigen Tage wfc * flössen, seitdem Sie, hochgeehtt-ster Herr, in Ihre hiesige Beruf«- Wertung eingetreten, und mit gerechtem Stolz mögen Sie «' r' *) Et» paffend verziertes und mit einer Widmung versebas Jr Ctutt mit einem Dutzend silbernen Löffel» und fünfhundev °V «ulben. j r r