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Der israelitische Lehrer · 1864-06-09 · 23 (9.6.1864) · p. Seite 91

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
23 (9.6.1864)
Date
1864-06-09
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
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Vorsicht im Tadeln und Strafen. Man muß die Selbstbeherrschung haben, das tadelnde Wort förmlich auf die Goldwage zu legen, bevor man es erschallen läßt; jede Leidenschaftlichkeit und Unbesonnenheit muß sorgfältig vermieden werden. Höchstens dürfen Wehmuth und sittliche Entrüstung auS den Worten hervorblicken; aber auch diese dürfm eine gewisse Milde im Worte nie verdrängen und der Härte, Schimpf- und Schmähsucht das Thor nicht öffnen.- Namentlich kann man in dieser Beziehung nicht genug auf sich achten, wenn man vor Zeugen, ja vor einer ganzen Corporation redet. Kinder sind Kinder und muffen als solche geschätzt und gehalten werden, wenn sie nicht aus ihrer Sphäre herausgeriffen und zu frühreifem Wesen verurtheilt werden sollen; aber in dem Kinde lebt auch schon der Mensch mit seinem Selbstgefühl und seiner Ehre, und so voraussetzungslos man ihnen gegenüber im Pnnkte des Erkennenzu Werke gehen muß, so wichtig ist es, ihrer Menschenwürde und der auch schon in ihnen lebenden inneren Ehre stets eingedenk zu sein. Das Kind ist auch ein Mensch — ,.so zu sagen." | Sollen wir der in Rede stehenden Mahnung Nachkommen, so ist zweitens erforderlich, daß wir keine Gelegenheit vorübergehen lassen, anzuerkennen und gut zu heißen, was gut zu heißen ist. Durch Anerkennung wird in der ganzen Welt bei großen und kleinen Menschen stets mehr geleistet als durch böse Kritik und allerlei Tadel. Wer daS noch nicht weiß, kann's täglich bei den Kindern erfahren. Als ich auS dem Elternhause allem als unbedeutender Junge in die weite Welt ging, entließ mich mein Vater mit den Worten: „Ich weiß, daß in dir ein guter Grund steckt; er wird dir hinweg helfen über alle Jährlich kette» und dich deinen guten Weg schon sinden laffen. Mir bangt nicht um dich. Gescane dich Gott!" Die Anerkennung und das Vertrauen, welches in diesen Worten lag, fand in meiner Seele einen mächtigen Wiederhall; ich habe die kurze Rede nie vergeffen, und von Anfang an stand der Entschluß in meiner Seele fest, das Vertrauen meines Vaters nicht zu täuschen. Warum aber läßt es auch der tüchtige Erzieher zuweilen an der rechtzeitigen Anerkennung fehlen? Zst es doch sicherlich angenehmer zu loben als zu tadeln I Meiner Meinung nach häufig darum, weil er aus Flüchtigkeit und Mangel an Aufmerksamkeit nicht systematisch genug verfährt, weil er nicht wachsam genug ist. Em Junge steht nach irgend einer Seite hin im schwarzen Buch, sei es m Hinsicht einer Leistung, sei es in Betreff der sittlichen Führung. Plötzlich macht der Bube Anstrengungen, sich zu bessern. Der erste Entschluß quillt in der Regel aus verborgenen Tiefen und keimt urplötzlich auf; die Resultate, welche dieser Entschluß im Gefolge hat, sind unscheinbar, und nur das geübte Auge weiß sie zu entdecken. Der Erzieher aber »rächt in seiner vorgefaßten Meinung diese Endeckung häufig nicht sogleich. Die Folge davon ist, daß der noch nicht erstarkte Wille zurücksinkt in seine alte Lethargie und daß die Besserung weiter als nöthig hinausgeschoben wird, wenn sie überhaupt erfolgt. In der Natur wie im Manschen gehen viele Keimversuche total verloren, weil die Hand fehlt, welche dem weckenden Licht und der befruchtenden Wärme rechtzeitig den Eingang zu verschaffen weiß. Darunr heißt es: aufmerksam sein! Die Liebe rum Menschen und zum Berufe ist es, welche die Augen öffnet, und das liebende, zu steter Anerkennung geneigte Herz der Talisman des Erziehervon Gottes Gnaden. Dr. Wichard Lange. Umschau. ' — Der fran;. Moniteur enthält Mittheilungen, wonach in Folge der den Juden in Marokko ans die Verwendung Sir Montefiorebewilligten liberalen Concessionen aus mehreren Punkten von der fanatischen Bevölkerung Unruhen augezettelt worden sein sollen. Es ist zu befürchten, daß die Emanciprtion der Juden ernste Complicationen herbeiführt. Die Nachrichten aus Tanger melden, daß in Fez, Meqaine; und anderen Orten des Innern bedauernswerthe Scenen vorzesallen sin), und daß abermals ein: heftige Reaklim gegen die Israeliten von Marokko auszubrechen droht. (M. Anz.) Kurhessen. Auszug aus dem Protokolle der kurhrssischeu Ständeversammlung: ' Kassel, am 14. April 18t>4. ~ Eingabe der isr. Lehrer, des Kreises Wslshagen, Gntkind und Genossen wegen Betheiliguug an der ans der Staatskasse erfolgten Gehaltserhöhung der Schullehrer, sowie an den Pensionen der Wittwen. Beschluß: Das Gesuch ist an dir hohe Staatsrcgierung zu geeigneter Berücksichtigung, namentlich in solchen Fällen abzugeben, wo isr. Schulen sick als nothwendige oder nützliche Glieder im Organismus der Volksschule darstellen sollten. 'Nachricht hievon den Bittstellern. Gez. Nebelthau. (Kurh. Schulzcitung.) Zürich, 17,. Mai. Unsere Universität hat unlängst den Professor Dr. Mar Büdinger zu ihrem Rector erwählt. Derselbe irt der Sohn des in pädagogischen Kreisen rühmlichst bekannten verstorbenen Oberlehrers am isr. Seminar zu Kassel, Dr. MoseS Büdinger. Die Feier, die bei seinem Amtsantritte vor sich ging, war um so glänz mder, als der neue Rector das vo i der Regierung neuerbaute Unioersitätshaus, einen Pracht-, bau seltener Art, vo , derselben in Empfang zu nehmen und einzuweihen hatte. Die Festrede Bädinger's am Stiftungstaze unserer Hochschule wird im Druck erscheinen. Nach dem herkömmlichen Festessen am Abend, zu welchem die Regierung den 'Wein lieferte, wurde dem neuen Rector und den neben demselben sich befindenden höchsten Unterrichtsbeamtea des Staates von gesammter Studentenschaft ein Fackelzug dargebracht. — An der zunächst von der theologischen Facultät zu veranstaltenden und am 27. d. M. stattfindenben. Säcularfeier von Calvin'- Todestage wird d,e Universität unter Bädinzer'S Leitung Theil nehmen, und so gewahren wir denn neben mancherlei coniesflonellen Wirrnissen eine Erscheinung, die dem wahren Verehrer der. Religion der Liebe (!'?) zu einigem Tröste gereichen maß. Warschau. 1!» Mai. Der Ukas vom 2i. Mai (ö. Juni) lrt-jj, welcher die Gleichberechtigung der Juden im Königreich: Polen in Cwilang-legenheiten ausfpricht, enthält einen Paragraphen, wonach die auf denselben lastenden Sonderabgaben successioe au'hören sollen. Di: Haupt - Judeirstuern, die vom Fleische und der sogenannte Tagz-tlel, waren nämlich dreijährig verpachtet und sollten erst mit Ablauf der Pachtzeit aufhören, was auch geschehen ist. E-.ne jüdische Steuer jedoch, di: von der Erlaubnis; m.t geistigen Getränken zu handeln, welche von der Finanzverwalkung selost alljährlich eingetrieben w rd und welche obendrein nicht den zehnten Theil der erwähnten Fleisch-

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