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Der israelitische Lehrer · 1864-06-02 · 22 (2.6.1864) · p. Seite 88

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
22 (2.6.1864)
Date
1864-06-02
Page
Seite 88 (sequence 4)
Language
German
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. 9 r — 88 — so beschützte isr. Ratio« dadurch, daß er dem Moses den Rath ertheilte, zu seiner Erleichterung und zur Wohlfahrt der zahlreichen Rechtssuchenden, das für ihn so beschwerliche Richter amt mit anerkannt rechtlichen und gesinnungstüchtigen Männern zu theilen. In Ausführung dessen erhielt Israel eine zweckmäßige Org an i s a t i o n seiner Rechtspflege und ward dem Stifter derselben zum höchsten Danke verpflichtet.. Es zahlte auch redlich durch seinen ersten König; denn wir lesen im 1. Sam. 15, 6, daß, als der! zum Vollstrecker des göttlichen Uriheils wider die Amale- ' kiten berufene Saul sich zum Angriffe anschickte, er zuvor : die ß ernten (Nachkommen des Jethro und Anwohner | Amaleks) aufforderte, sich sogleich aus dem Bereiche dieses ' Erbfeindes Israels zu entfernen, um nicht gleiches Schicksal mit ihm zu theilen. „Weil Du Dich (durch deinen j Ahnherrn) unserem ganzen Volke wohlthätig erwie- \ fest, als es aus-Egypten zog." 2. Sam. 10, 1. 2. 1. Kön. 2, 7. Bemerkung. Da 4. M. 10, 2 —32 nns in Ungewißheit läßt, ob der dort, erbetene Liebesdienst wirklich geleistet wurde, obige Fakta aber in zwei aufeinanderfolgenden Kapiteln erzählt werden, während die Gelehrten darüber im Unklaren sind, ob Jethro vor oder nach der Ge- . setzgebung aus Sinai angekommen sei: so halten wir nnsere! Ansicht über die Natur dieser Wohlthat für begründet. Dtöglich auch,, daß unter dem npn sowohl die wohlwolleni den Rathschläge des Jethro als die für Israel so erwünschte Begleitung seines Zuges durch die Wüste von Seiten Cboi bebe verstanden sind, und. so durch obige Warnung Moses Versprechen P. 32 eingelöst wurde. Umschau. 1 — Jn's Seminar zu Eßlingen (Würtcmberg) sind dieses! Jahr n»r 2 isr. Zöglinge', ausgenommen worden. Da nun in Würlemberg durckfcknittlich 4—i> Sckulstellcn jährlich vacant werden, aucb zur Zeit viele unbesetzt sink, so läßt sich hieran ermessen, daß auck dort dem Lehrermangel noch nickt so bald ' adgel olfen sein wirk. . — Aus dem f. k. öfterreickiscken Sckulbückcrverlagc sind! im rerg. Jadre nack den"öfier.tlicken Ausweisen an hebr. Bückern! 4601 verkauf und Armendücker. abgegeben worden. Da in deutscher Spracke B. 040,414 verkauft, während loo,544 Armcnbücher abgegeben- und in rumänischer Sprache auf 14,l>:>7; verkau-t, sogar 4074 Armenbücher abgegeben wurden, sö würde sich, wenn man hiernach aus-den VerMögensstand unserer Glaubensgenossen sckließen dürite, das Verhältniß sehr günstig stellen.! Wäbrent in allen anderen Sprackew io» Verhältniß der Armen-! bücher;u dem der verkauften zwiscken' : 3 bis höchstens 1 : 10! schwankt, ist hier das Verhältniß 1 : 80. — Die „österreickische constitutionelle Zeitung" enthält ein äußeni günstiges Gutackten, welches dir Polizeidirrkrion Lemberg's zn Gunstew der Juden abgegeben, während im Gegen-! theil der Gemeinderatb dieser Stadt, in der -die Bevölkerung - zu i, aus Juden besteht,' sicher ein sehr judenfeindliches Memorandum ausgeiertigt hatte. Die Pollzeidirektion verurtheilt den Ausspruch des Etadtmagistrats als die Ausgeburt' verrotteter I antici» ilifatorischer Ansichten, welche von spießbürgerlichen ParticularInteressen eingegeben wären, und sagt; daß die Juden in Allem, was man idncn zum Borwurie machen will, zu entschuldigen. daß diese Vorwürfe zumeist auf falsche Auffassung und lügenh iftcr Darstellung beruhen, und nichts mehr vorliege, was die Fortdauer einer Ausnahmestellung rechtfertigen könnte. Hamburg, 10. Mai. In der Bürgersckaft am 18. Mai genehmigte diese endgültig ohne DiScussion die Senatsmittheilung wegen Aufhebung d«S mosaischen Gesetzes in Ebe- und ErbschaftSsachen unter Bevorwortung eineS Paragraphen desselben durch Herr» Wolfson ^Gera. Unser Landtag hat seine Sitzungen geschlossen und sich auf unbestimmte Zeit vertagt. Die Zulassung und Ausnahme |btr Juden war mit in die Reihe der BcrathungSvorlagen ausgenommen, wurde aber als nicht dringlicher Natur (!) der Vertagung mit überwiese«. I (Warum denn nicht? Die Juden baben-nun 1800 Jabre es machen können, phne in dem europäischen Großstaate Rcuß j älterer oder jüngerer Linie?> bürgerlicke Aufnahme gefunden zu haben; es kommt also auf ein paar Jahrhundert mehr oder weniger nicht an. „Wer kann mir lagen, wo Reuß liegt, soll sein ein wackeres Etäätchen." Red.) Die Lehrerwaifen. _ (Fortsetzung.) An einem kalten Februarmorgen, im zweiten Jabre nach ihrem Ginzuge in die Geburtsstadt ihrer Mutter rollte der Todenwagen scknell durch die Straßen der Statt; Wenige gaben ihm das Geleite. Ein blasser Junge, halb Knabe, bald Jüngling, wandelte unmittelbar hinter dem Leichenwagen, seine Auge, sein Anpestckt war starr und blutleer. Ans seinem Arme trug er ein mehrjähriges Kind; ein Mädchen von etwa s.cks Jahren lies nach und rief: Mutter! Mutter!.... Fenster öffneten und fct>Ioffenj sich, nachdem sie einen mitleidigen Blick aus den armen Knaben;unfc das armselige Geleite geworfen ... Jakob und Gudula waren nun die qinzigcn Versorger ihr.r Geschwister; sie waren ganz Waisen geworden. — Worden waren seitdem verflossen. In trüber Eintönigkeit schlick das Leben der Gelckwister hi». Niemand batte sich um die Waisen bekümmert. Sie forderten nickks, die Acltcren sorgten für ihre jüngeren Geschwister; wer sollte also ihnen seine Aulmerk'mnkeit zuwenden? Nur der früher genannte Fränkcl hatte sein Auge auf Jakob geworfen. Mit Erstaunen und Bewunderung ab er diesen von so drückendem Eckmerze beimgesuchtcn Knaben, Pflickten erfüllen, die für einen Mann sckwer und fast unersüU >ar waren. Es dünkte Fränkel! heilige Pflickt, etwas für Jacpb zu thun, ihm einen anderen Lebenswege zuzuwcisea, der ihn in den Stand setzte, seine edle Kraft an Besseres und Lohnenderes voll zu bewähren. Er wollte noch einige edle Männer auf denselben aufmerksam machen, und dann, sicher, es mußte etwas Tüchtiges aus dem Knaben, der unter der Last des Lebens frühzeitig zum Jünglinge herängereist war, werden. ES sollte vorerst noch Anderes den Weg des Arme» kreuzen. Eine» Abends ging Jacob von seiner Landwanderung nach Hause, einen schweren Pack auf dem Rücken? In trüben Gedanken wandelte er den beschwerlichen Weg; Thränen sckmerzvoller Erinnerung an seine geliebten Eltern vermischten sich mit den Schweißtropfen, die von seiner heißeü Stirne rannen. Der Gedanke an die ihn erwartenden Geschwister beflügelte sei« Schritte. Sie waren ja jetzt allein noch sein Ein und Alle». (Fortsetzung folgt.) Beramwortltcker Redakteur: I. Kling enstein tu Odernhru» in Rdemdeffen; Selbstverlag der Redaktion. Für dm vuckbandel: in 4om«tsfi«n bei 4. L. Fritz sch« in Leipzig — Dampf-Echnellpreffmdrnck von I. Sott«leben in Mainz.

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