Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 5 (4.2.1864)
- Date
- 1864-02-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4896751-5428744-5431325--0708-4897332- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wöchentlich 1 Nummer. Vierteljähriger Atom nementc-preis j Ltlr. =3 27 ft. Bei frankirter Zusendung unter Lreuztand jäbrltll' 2 ft. 12 kr. Bestellungen nctmrn alle Postämter und Bachdandlungen an. Der ■Israelitische Organ für die Schule, die Familie und das Gemeindelei >cn Änzeij, d kim'e direkt wottlist' V« ftl» zu 1 Sgr. Prtiizetle. r düngen entweder an den verantl'cn Redakteur der an die i lagsbandlung. ' Herausgegebcn von I. Klingenstein, Igna; Lehmann und ‘II. Jul cntbums. Treu. N°. 5 Mainz, den 4. Februar 1864. (Vierter Jahrgang*.) Ideal und Zeitgeist. Von Lehrer Morgenstern in Gedern. (Fortsetzung.) Tiefes rein geistige, von jedem körperlichen Einflüsse freie Strien ist die Wirkung der geistigen Anlagen des Menschen, die Acußerung des Göttlichen in ihm, und nur durch dieses Streben ist der Mensch iin Stande, Wunder zu verrichten. Es ließ einst einen Moses sich als Lebensaufgabe setzen, ein geknechtetes Volk den Händen seiner Tyrannen zu entreißen, und dies Volk, selbst mit Gefahr des eigenen Lebens, zu einer freien und selbstsiändigcn Nation heranzubilden. Durch dies freie Streben vermochte ein Sokrates segensreich auf die Erziehung der Jugend zu wirken, und brauchte er sogar vor dem Giftbecher nicht zurückzuschrcckcn. Dieser göttliche Funke entzündete den Mn 1h in Judas Mokka bäus Heidcnbrust, den verzweiflungsvollcn Kamps zu beginnen gegen einen Wütherich, welcher nicht zurückschreckte vor dem Wagniß, die frcvelnde Hand auszusucücn nach dem Heiligsten im Menschen, nach seinem Gewissen, und ließ ihn nicht eher rasttir, bis es wieder hell war in Juda und die heilige Lampe in seinen! Teu fel wieder brannte. Er war der Sporn eines Leonidas.raß er sich mit einer Handvoll Streiter dem Penerkönig Lerres bei Thcrmopylä in den Weg warf, um der Despotie den Eintritt in sein Vaterland zu wehren, und begeisterte Jbd Sempach einen Arnold von Winkelried, für sein Vaterland freiwillig in den Tod zu gehen. Dieses rein geistige Streben gab eineui Gutenberg die Kraft zu einer Erfindung, wodurch der Menschheit ein Gesammtleben und der Wissenschaft glänzende Fortschritte und Verbreitung möglich wurdtn, und ließ ihn auch dann nicht verzagen, als Hinterlist seine Thätigkeit gehemmt, als Falschheit ihn um Alles betrogen hatte. Wieder dies Streben allein war die Stütze eines Keppler, als derselbe trotz Verketzerung und Verfolgung dem Aberglauben die Stirne bot, um der Wahrheit die Ehre zu geben, und diese Stütze ließ ihn auch dann dos Panier der Wahrheit nicht verleugnen, als er, in Regensburg um sein gutes Recht bettelnd, gar nicht gehört wurde, und ihn Hunger und Kummer— mitHinterlaffung einer Wittwe und vier unmündiger Kinder — dieser undankbaren Welt entraffte. Und ist es ein anderes, als dieses Ctrebcn, geehrte Herren Kollegen, welches auch uns, trotz Hintansetzung, trotz Verachtung sogar, (wehe, daß ich es sagen muß!) ausharren läßt auf unserem i kosten, rvoh'N wir freiwillig uns selbst gestr lt haben, um, wenn Vergleich erlauben dürfe: jab gleich, unser eigenes wir uns diesen, einem Elijah, einem Jesakörperliche Wohl und das unserer Faniilie dem geistigen un) körperlicbcn Wähle Derjenigen zu opfern, welche uns drfür oft mit Hintcnsetzung. mit Verachtung lohnen? i ’ Ter Mensch verbind 4 mit Bedürfnisse einen Zweck. So wie er nicht abmüht, sich mit Nahrum , Kleidung und anderen Lebensannehmlichkeitcn, wozu in »essen auch Ruhm, Macht :c. zu rechnen sind, zu versehen, sondern seine eigene! Befriedigung .ihm hierbei Zweck ist, handeln, wenn er sein der Herbeischaffung seiner zwecklos sich sc. kann er auch unmöglich zwecklos genes Ich ignorirt, (um nur für ■ In die'em Falle ist sein Elfteren ein jelbstsück» das Wohl Anderer des >rgt zu sein und es zu fördern. Zweck ein edler, wälhrend. er im .... i-ger ist. Es kann indessen durchaus lucht in Abrede gestellt werden, daß auch bei Brabficktigung >dler Zwecke sehn häufig die Selbstsucht, und wenn auch in geiingcm Grade, mit unterläuft. Tcnnrch verdauen solche Bestrebungen unsere Anerkennung, und Diese in desto böhercm Grade, je nachhaltiger und wohlthätiger ihre Wirkungen für dm Nachwelt sind. Verabscheuungs-, ja fluchwürdig ist dagegen jene Selbstsucht, welcher Nichts heilig rft, und welch, lieber das Leben und das Glück tauiend Unschuldiger ozfcrt, als mit ihrem Wollen nur ein Mal zurückstehen zu müssen. (Die Königin Jsebel, Cnligula, Nero und nach so viele Andere der altercn undneueren Zeit.) *. Es muß dem Menschen bei Beabfichtigung eines edlen Zweckes notbwcndig eil: Bild vorschweben von dem Wohle, das er für Andere ger re erreichen möchte, und je vollkommener dieses Wohl sein wird, d. h. je weniger dasselbe von Außen gestört werden ann, desto langer, desto andauernder muß es sein. Das Gute aber, welches allen localen und temporellen Einwirkunnn trotzt, welches sich unter allen nur denklichen Verhältnissen immer und immer gleich bleibt, muß das allervollkomipenste Gute sein, und es-verdient mit genannt zu werden. Jehovah ist rl des allervollkommensten Sterbliche aber vermag Dich, Du heiliges Wesen, zu ernennen? Welchen Erdgeborenen ist es vergönnt, so alle Räur,e zu durcheilen, alle Zeiten zu durch- Recht das Seiende demnach das Jde irrten. — Welcher