Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 3 (15.1.1863)
- Date
- 1863-01-15
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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12 deutsche Bildung zum Vorwurf macht, so hat er ganz und gar außer Acht gelassen, daß die magyarische Literatur erst seit einer kürzeren Zeit diesey Höhepunkt erreicht hat, und daß die wissenschaftlich gebildetsten Männer der magy. Nation eben aus der brutschen Sprache ihre erste Bildung schöpften und viele Werke der magy. Sprache Uebersetzungen aus dem Deutschen find. -_(Fortsetzung folgt)._ Allgemeines. Umschau. . — In Rheinheffen werden zwei Gesangvereine — zu Alzey und AlLheim — von indischen Kantoren geleitet, und beide Leiter erfreuen sich der ungetbeiltesten Anerkennung. Unser Freund Marr in Alsheim hat kürzlich auf diesem Gebiete in einem Eoncerte neue Lorbeeren errungen. Die Liedertafel von Alzey, die erst seit vergangenem Sommer unter Leitung des Herrn Heinbach steht, erntete mit einemkürzlichen sehr gelungenen Vortrag von Schülers „Lied von der Glocke" so reichen Beifall, daß dem verehrten Dirigenten anderen Ahends ein solennes Ständchen gebracht wurde. .i Aus Eaa; (Böhmen), LP. De;., wird der „Presse" folgendes Stück gemein derathlicher Intoleranz mitgetherlt: Ein geachteter israel. Kaufmann richtete im September d. I. unter gleichzeitiger Vorlage zahlreicher Zeugnisse und behördlicher Anerkennungs-Schreiben, also unter Rachweisung entsprechender Qualifikation, an den hiesigen Gemeinde-Ausschuß das Ansuchen um Aufnahme in den Gemeindeverbanv. .Die Väter der Stadt Saaz wiesen jedoch das Ansuchen des erüahnten Kaufmanns ohne alle Anaabe von Gründen, einfach ab.. Ter Beschluß wurde mit einer Majorität von 14'Stimmen gegen 10 gefaßt, unter welchen letzteren sich auch die des Bürgermeisters und Reichsrathsabgeordneten Dr Haßmann befand, der sich vergeblich für die Willfahrung des Ansuchens verwendet hatte. Man erklärte, man habe gegen die Persönlichkeit jenes-Kaufmanns nichts einzuwenden, wohl ab« gegen den — Juden. Der Kaufmann recurrirte an das Bezirksamt, das den Beschluß des Gemeiude- AuSschusses annullitte. Daraufhin recurrirte der. letztere an die Statthaltrrei, welche'die Entscheidung des Bezirksamtes bestätigte. Die Bürgerschaft begab sich aber selbst dann noch nicht zur Rübe, und ergriff ohne Wissen deS Bürgermeisters, der im Reichsratb« saß, den Recurs an das Ministerium,- von dem nun die Entscheidung bald zu erwarten ist. Posen, 27. Dez. Es lief hier eine Geschichte von einem katb. Geistlichen um, der zum mosaischen Glauben übertrete» wollte, und wie man sagte', gleichzeitig mit einem Frauenzimmer. In Beziehung auf diese Mittheilung geht der „Ostd. Ztg." jetzt folgende Erklärung zu 7 „Ich erfahre, daß die Zeitungen angezeigt haben, daß ich den mosaischen Glauben annehmen wollte. Ich erkläre hiermit, daß ich nur augenblicklich in »»einem Glauben gewantt habe. Ich'bereuedaS Aergerniß. welcheich gegeben habe, und habe nunmehr den'festen Beschluß gefaßt, in dem heiligen katholischen Glauben zu leben und zu sterben. — Roman Dabrowski." — Die Austreibung der in Velettrie wohnenden Juden ist ohne alle Rücksichtsnahme auSgeführt wordm. Die im Ghetto Rom's wohnenden Juden — und in Rom und dem ganzen Kirchenstaate sollen außer diesem Ghetto ferner keine Juden mehr wohnen — find jedoch in so trauriger Verfassung, in so trauriger Lage, daß sie den Wunsch ausgesprochen haben sollen, daß von dieser Gräuelthat gar nicht gesprochen und geschrieben werden sollte! Moses Mendelssohn. Ein Wort der Erinnerung an seinem Sterbetage (4. Januar.) Hundert Jahre find eben verflossen, seit dieser unser dritter Mose, dessen dornenvolle Bahn nur spärlich mit Rosen bestreuet ward, wohl den freudvollsten Moment seines Lebenfeierte. Es war im Jahre.1762, als derselbe mit seiner innigst geliebten „Fromet Gugenheim" aus Hamburg das Fest der Vermählung feierte. Eie war eine Frau voller Sanitmuth, Tugend und Herzensgute, an welcher er mit ganzer Seele hing, und die ferne Neigung vollkommen zu würde? en verstand. Mit welchen Hindernissen hatte dieser Mann, von der Ungunst des Schicksals fast allenthalben begleitet, von seinen ersten Iugendjahrcn bis zur Erlangung einer sicheren Eristenz und zur Gründung eines eigenen Heerdes stets und immer wieder zu kämpfen! Er, der vom Hause wegging — ohne Geld, obne Empfehlungen, ohne Muth sich den Fremden zu nähern, ohne Freunde und Bekannte — bis auf seinen einzigen Rabbi Fränkel, seinem Lehrer — blos gehoben und getragen von der Idee, zu forschen und zu lernen; — Hundert Iabre sind's aber auch, seitdem in seinem Herzen eine der tiefsten Wunden geschlagen worden, während gerade hierin sein edier Eharakt r, sein gediegener Geist sich am glänzendsten bewährte; während gerade hieraus sich für das Judenthum der reichste Segen ergoß! — Ein Jahr nach seiner Verehelnbung (Anno 1763) begann der Kamps mit Lavater *), welcher bekanntlich unseren, mit allen Fasern de- Herzens an seinem Judenthum hängenden „Moses Dessau" zuni Ehristenthum überführen wollte.— Erwägen wir dabei, daß bald darauf Kämpfe derselben Att mit Bonnet, Kölbele und Eonsorten begannen, daß er auch bald im Kreise seiner Familie von unerwarteten Schlägen heimgesucht ward, bis er endlich selbst einem mehrere Jahre dauernden Siechthum unterlag, so können wir wahrlich das Jahr seiner Verehelichung und das seiner bittersten Erfahrung, in welchem sich auck für ihn der Kreis seiner Bekannten mit so vielen gelehrten Männer und hochgestellten Personen erweitere — als die bedeutungsvollste Zeis seines irdischen Daseinbezeichnen und dürste die Erinnerung an dieses Jahr für seine Verehrer eben so wichtig erscheinen als das Jahr seiner Geburt. Eines großen Mannes Wirken darf nickt nur von Jahrhundert zu Jahrhundert — sondern muß von allen Generationen anerkannt und gepriesen werden. Und verdient Mendelssohn, seines denkenden Geistes und edlen Ebaraktcrs wegen, allen großen deutschen Männern der Wissenschaft, die nach Idealen strebten und nach Wahrheit forschten, würdig an die Seite gestellt zu werden, so hat er sich insbesondere durch seinen Einfluß auf seine Glaubensgenossen, für deren Entwicklung in allen Lebensbeziehungen er so Außerordentliches vollbrachte, fiir die er von 1763 an erst eigentlich thätig wurde, unsterblich gemacht. „Moses Mendelssohn, „Ein Weiser wie Sokrates, „Den Gesetzen der Bäter getreu,. „Unsterblichkeit lehrend •*), „Unsterblich wie er." (Fortsetzung folgt.) *) Dies« Lavater zeichnet Göthe in einem Epigramm: „Schade, daß di« Ratur nur Einen Mensch en aus dir schuf, „Denn zum würdig« Mann war und zum Schelm« der Stoff." ••) Pbädon. Briefkasten P. in B. pTK* HDD der «aronüstab v. Ehrrntheil. Verantwortlicher Redakteur: I. Klin gen stein t» Odernhetm in Rheinheffen; Selbstvettag der Redaktion. Für d« Buchhandel: in Lomnnsston L. Fritzsch« in Leipzig. — Druch von I. Gottslebea in Mainz. i j-