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Herzl-Bund-Blätter · 1917-12-01 · 37 (Dezember 1917) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
37 (Dezember 1917)
Date
1917-12-01
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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507 Ich bin in der Molkerei und warte. Diese Molkerei ist ein Tempel gewesen. Ein roher Backsteinbau mit einem Mögen Dovid als Gicbelschmuck. Innen steht noch der hölzerne Almemor und an der Wand ein schöner hobgesdinitzter Oraun hakaudesch. War das nötig? Soldaten bekommen Buttermilch umsonst, Käse und Magermilch für ein Geringes. Jetzt sind nur wenig Leute da. die früh nichts bekommen haben. Sie alle habin Karton von dir Kommandantur, die bescheinigen, daß ihre Inhaber bedürftig sind und berechtigt sind, Milch zu empfangen. Ein dr.de-; polnisches Bauern mädel steht da, ein jüdischer Junge von 15 Jahren und eine jüdische Frau. In einer Ecke sitzt regungsU s mit kummervollem Gesicht eine alte Frau, ein paar Kinder stehen herum. Sie alle warten. Ich frage sie aus. Der Junge hat angefangen bei einen Schuster zu lernen. Der Vater ist vor drei Jahren gestorben, die Mutter ist kränklich. Sie geht betteln. Der Junge wollte auf die Dörfer igehen, um was zu verdienen oder zu erbetteln. Die Patrouille hielt ihn auf, denn er hatte keinen Schein Er hat in W..... im Sägewerk gearbeitet und täglich zwei Mark verdient. Ich hab' vergessen, warum er die Arbeit dort aufgegeben hat. Wahrscheinlich war sie dem kleinen Burschen zu schwer geworden. Jetzt will er auf die Dörfer gehen und den Panjes Schuhe ausbessern. So hat er wenigstens zu essen. Ich halte ihm vor, daß er nicht koscher sei Er verteidigt sich. Fleisch ißt er nicht, nur Graupen und Milch oder Kartoffeln. Wie darf ich ihm Vorwürfe machen? Da ist eine Frau mit einer kleinen Flasche unterin Ann und einem Glasnapf. Sie erzählt. Der Mann hat im Sägewerk gearbeitet und dort 3 Mark täiglich verdient, die er auch aufgegessen hat. Dil Lebensmittel sind teuer. Nun ist er verunglückt und mußte ins Hospital. Jetzt ist ein Kind krank. Der Arzt (unser Regimentsarzt) verschrieb Medizin, 3 -20 Tropfen nach der Mahlzeit. Woher die Mahl/cit? Nun will sie wenigstens etwas Milch haben. Das Schiebefenster öffnet sich, der Soldat der Molkerei guckt heraus. Ich schiebe ihm meine Töpfe hin und noch ein Kamerad und ich bekomme sie voll Buttermilch, Ich zünde mir eine Zigarette an und gebe ihm auch eine. Wir verstehen uns. Zu den anderen schnautzt er: „Warum kommt Ihr erst jetzt? Warum seid Ihr denn früh nicht hergekommen?" Der Junge verteidigt sich. Ich sage dem Kameraden so leicht hin: „Na, gib den Leuten schon etwas und schmeiß sie raus." Der zu der Frau: „Na was haben Sie denn dort in der Flasche?" Er glaubt erst, nachdem er den Arzneizettel gesehen hat. Ich ^warte, um den Leuten etwas von meinem Ueberfluß abgeben zu können. I) >ch sie kommen nicht heraus und ich kann auf offener Straße nicht soviel Aufsehen machen Mir war weh zumute. i

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