Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1914
- Issue
- 17 (Mai 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Wir Berliner H.-C.er sind ja gerade in Palästinafragen durch den kürzlich beendeten Vortragszyklus von Dr. Nawratzki an ganz objektive Berichterstattung gewöhnt und können in dieser Beziehung etwas vertragen, ohne in unseren zionistischen Grundanschauungen irgendwie erschüttert zu werden. Ganz im Gegenteil! Werfen wir einen Blick auf die Bilanz der Anglo Palestine Company, so ist zunächst bemerkenswert, daß der Kassenbestand Ende 1912 über die Hälfte, Ende 1913 ca. 40°/o des eingezahlten Aktienkapitals ausmachte. Hierzu ist zu sagen, daß weder die Türkei, noch natürlich Palästina eine Rcichsbank besitzt, und so muß die A P. C. ihre eigne Reichsbank sein. Sie muß mit großen Kosten, Kurs- und Zinsverlusten Geld aus Konstantinopel, Syrien, Aegypten oder Europa kommen lassen. Das Wechsel-Conto weist Ende 1913 einen Bestand von c 156 000,— auf gegenüber einem Aktienkapital von t 100 000,— Da der Bank fast gar keine Möglichkeit gegeben ist, ihren Wechselbestand weiter zu diskontieren, aus dem einfachen Grunde, weil eben keine Reichsbank vorhanden ist, die ihr die Wechsel abnehmen könnte, so ist hier für die Leitung die Schwierigkeit außerordentlich, ihre Bilanz flüssig zu gestalten. In der Bilanz Ende 1912 finden wir unter Aktiven Spesen mit ca. t 550,-, Ende 1913 gar mit t 2023,— aufgeführt. Diese Spesen stellen anscheinend Gründungsspesen neuer Filialen dar, denn wir finden unter den Abschreibungen auf dieselben einen Satz von ca. 10 »/o, so daß, wenn diese in demselben Tempo weitergingen, es 10 Jahre dauern würde, bis die Kosten der neuen Filialgründungen abgeschrieben sind. Vergegenwärtigen wir uns, daß voraussichtlich in absehbarer Zeit mit Filial-üründungen fortgefahren wird, so ist ein Abschreibungssatz von. 10 o/o ganz unzulänglich zu nennen. Das Merkwürdigste aber ist, daß wir in der Bilanz der A. P. C. als Aktiva unter Effekten-Conto ca. » 18 600,- Jewish Colonial Trust-Aktien angeführt finden und zwar mit pari!! Bekanntlich ist der J. C. T. d;ts Mutterinstitut der A. P C. und seine heutige hauptsächliche Bedeutung besteht nur darin, eine Verwaltungsstelle der A. P. C.-Aktien zu sein, von denen er den weitaus größten Teil in seinem Portefeuille liegen hat. Dieses Verschachtelungssystem muß einen sehr peinlichen Eindruck machen, denn es ist ein offenes Geheimnis, daß man die Aktien der J. C. T. z. B in Rußland oder London ganz erheblich billiger erhalten kann, als zu pari, wie sie bei der A. P. C. zu Buche stehen. Auf diese Weise bekommt man natürlich ein falsches Bild von dem wirklichen Stand der Dinge. Die Direktion der Bank sollte doch diese Vogel Strauß-Politik möglichst unterlassen und die Aktien ihrem tatsächlichen Wert entsprechend in die Bilanz einsetzen, allerdings könnte so auf ungefähr 2 Jahre an die Ausschüttung einer Dividende nicht gedacht werden.