Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Volume
- XIV (1938)
- Issue
- 12 (15.6.1938)
- Date
- 1938-06-15
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 12 / 15. 6. 3« GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN Seile 9 „Idl mit'n Fidl. Arje mit n Bah". Diese» alle ostjüdische Volkslied, das dem ersten jüdischen Film den Namen gegeben hatt schlug auch hei den Vorstellungen in Dresden, die am 2. Juni nachm. und abends im Henriettc- Schie-Saal stattfanden, alle Besucher in seinen Bann. Man war nach den. Berichten über die „Sensationseriolge" in London. Paris. New York und Warschau recht neugierig geworden, und man wurde aufs angenehmste enttäuscht, als man in dieser Leistung des Instituts für jüdische Filmarbeit Kol-Noa einen echt volkstümlichen, unverbildeten, gesunden Grunde.harakter fand: einen Ausschnitt aus dem jiddischen Leben eines kleinen polnischen Städteis und später von Warschau, gesehen mit besonderem Sinn und Liebe für das Folkloristische (Eigenart und Bräuche des Volkstums). Wie das rührend armselige Musikantcnpaar Idl in' .luugciikleidern mit dem alten halispielcndcn Vater Uber die Landstraßen zieht das Bild auf dem Heu wagen mit der entzückenden thematischen Volksliedhegleituug bleibt unvergeßlich und wie sie dann mit andern Musikanten in böse Konkurrenz und schließlich harmonisches Zusammenarbeiten kommen, da4 wird musikalisch besonders charakteristisch und reizvoll Illustriert von dem. Komponisten W. Ellstein. Hin Höhepunkt ist dann die jiddische Chassene. eine Hochzeit, die die beiden Regisseure Przybilski und Green geradezu faszinierend echt nachgestaltet haben, wodurch ein wirklich wertvolles, sich vielleicht nicht mehr lange so darbietendes Stück Volksleben, wenigstens Im Filmbild zu erhalten ist. Wie dann die Kalle fortläuft und sich mit in das Musikantcniiuartctt eingliedert, wie sie in Warschau von einem Theaterdirektor heiin Singen in den Höfen entdeckt wird, dann aber vor Lampenfieber mit ihrem Jugendfreund verschwindet und nun ..Idl mit'n .Fidl" durch komische Zufälle eine Rolle unbewußt auf der Dflhue improvisiert, indem sie sich selber spielt: darin lag eine unwiderstehliche Mischung von Komik und Frust, die mit Übermut begann und mit Schluchzen, aber auch ungeheurem Frfolg endete. Mollv Picon spielt und singt diese jiddische Mignon mit großem Talent, vielleicht etwa's zu bewußt. aber das mag gerade echt so sein. Den Vater \rje gab der Schauspieler Bozyk besonders rührend fein. Zum Schluß erlebt man in dem Film noch das ..Engagement nach Amerika" und auf dem Schiff findet die berühmt gewordene Idl auch den von ihr so eifersüchtig geliebten und verlorenen Fiedler aus der Musikantengriippe als eisten Tanzorchester-Geiger wieder - und so gibts ein vollkommenes Happy-end. \ls Eingang der Veranstaltungen wurde ein wirkungsstarker Palästina-Filmstreifen vorgeführt, der die Grundsteinlegung und den ersten Aufbau der Siedlung Tirat Zwi (durch Misrachi- Grnppen) darstellt. Eya Büttner. Bei Grundstücksverkäufen Beratung und Vermittlung durch Ernst Landsberger Waisenhausstrasse 22 Ruf 14063 Aus jüd. Zeitschriften Die ..Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik" veröffentlicht in ihrem soeben erschienenen Juni-Heft an leitender Stelle einen Aufsatz von Dr. Arthur L i I i e n t h a I. der das Verhältnis von ..(iemeinden und Reichsvertretung" charakterisiert, wie es sich auf Grund des Gemeinde-Gesetzes vom 2x. März l°.in zu gestalten haben* wird. Dr. Lilienthal geht davon aus. daß das (iesetz ein bewahrendes Element enthalte — denn „die organisatorischen Grundlagen iur die Weiterarheit der (iemeinden bestehen fort" . und ein entwickelndes Element aus dem ein durchorganisierter Aufbau der jüdischen Körperschaften-in einer Reichsorgaiiisation notw endig iolgeti muß. Für deren 'Gestaltung zeichnet er die Richtlinien. Material für ein weiteres hochaktuelles soziologisches Gebiet liefert Dr. Werner Cahnmann. München, in einem Überblick „Zur Struktur der indischen Bevölkerung in Wien". Mehrere Beiträge sind Fragen des Sozialrechts und der sozialen Arbeit gewidmet. So gibt Fritz Wittelshöf er eine eingehende Darstellung der ..Kleinreiitnerhilie" aui Grund der kürzlich vorgenommenen Vusdelinung des Perspnenkreises und der Auflockerung der vt-ritiögciisiuaßigen Anforderungen. Für die Durchführung der „Frholungsiiirsorge für Kinder und .lugendliche", die jetzt im Vordergründe derliirsorgerischen Arbeit steht, liefert He r.t a So u h ami. früher ISielcfeld. jetzt Berlin, beachtenswerte Anregungen auf Grund reicher praktischer Erfahrungen. Weiler wird aus der Wohliahrtsarbeit einiger jüdischer (iemeinden und über die neuen iamilicnrechtlichctf Bestimmungen berichtet. Den Arzt und Hvgieuiker werden vor allem „Medizinische Reise-Findnicke aus Palästina" von Prof. Df. Hermann Strauß. Berlin, und ein Sitzungsbericht der Ärzte-Gesellschaft für Palästina (../um \rbcitsproblem der Frau in Frez Israel")'interessieren. Die Lichtbildm-r in Genja Jonas. Der frühe Tod dieser ungewöhnlichen Frau, die sich durch ihre künstlerische Begabung und teirimisehe Meisterschaft in ihrem Fach einen Platz in der vordersten Reihe der deutschen Photographeii erobert hatte, bedeutet einen großen Verlust. Genja Jonas hat sich in den -'" Jahren ihrer Dresdner Tätigkeit in einem Leben voll ernster Selbstkritik. Fleiß und Mut zu, entscheidenden Reformen einen Ruf als Porträtistin erworben, der sich durch ihre Bilder auf Internationalen Ausstellungen und durch ihre über 2IMHH) Aufnahmen immer mehr v erbreitete und festigte. Bedeutende Männer und Frauen, aber auch weniger markante Gesichter alle befreite sie von konventionellem Ausdruck und fand das Wesenhaite in ihnen, bald in der selbstverständlichen Ruhe des Ausdrucks, bald in faszinierender Bewegtheit. Berühmt sind ihre Kmderauiiiahmen. in denen sie weit von Niedlichkeit und Kitsch das echte rätselhafte Kmdseiii erspurte. Ihre eigenartige technische Methode fußte auf der kurzen Exposition der Momentaufnahme und auf einer höchst sensitiven Retouche: ausschlaggebend aber war initiier ihr psychologisch tief eindringender Blick. Die vielen Freunde ihrer Persönlichkeit und ihrer Kunst m unserer Gemeinde und weit darüber hinaus werden ihr ein dankbares Andenken bewahren. E. Büttner. ^^V**' P^V^S^ & te.-e\« *?o*?V*V> svev e>v ve vXet&i fr« ** t^>o1 fr* Bekanntmachungen Ein Synagogen-Konzert, ausgeführt von Solisten mit der Jüdischen Chor- und Instrumentalvereinigang Dresden (u. a. Werke von Salomone Rossi Fbreo und Georg Friedrich Händel), wird am Dienstag, den 12. Juli, abends 8.30 L'hr als Gemeiltdeveranstaltung stattfinden. Hierzu ergeht schon heute Eihiadung an die Gemeindemitglieder Der Fintritt ist frei. (Reservierte Plätze im Mittelschiff zu RM I. .)