Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Volume
- XIV (1938)
- Issue
- 5 (1.3.1938)
- Date
- 1938-03-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DERISRAELITISCHEN RELIOIONSGEMEINDE DRESDEN Nr. 5/1.3.1938 Jüdischer Kulturbund Dresden Mitglied d. Reichsverbandes der Jüd. Kulturbünde i. Deutschland ßüio : Zetighausstr 1,11. ^werktäglich 10-1 Uhr; jeweils b läge vor ciaer Ver- 1 anstaltung auch nachmittags 6-7 UhrV Ruf 18 4 18 9. Abonnement-Veranstaltung 20,15 Uhr. Henriette-Sdiie-Saal Gastspiel des Hamburger Kulturbund-Theaters EIN GLAS WASSER Komödie in 5 Akten von E. Scribe Regier Hans Buxbaum — HQbnenhild: Heinz Condeil — Techn. Einrichtung: Harty Blumembal — Kostüme: Käthe Friedhvnn Mit Jenny Bernstein-Schaffer als Herzogin von Maiborougtv Es wirken ferner mit u a: Ruth Mannheimer (Reimer), Ursula Lieblich, Kritz Melchior, Hans H friedebcrg. Eintrittapreise A: RM S 50, 3—, 2 ». 160. — Aufgrünen Ausweis eine kleine Anzahl von Karten zu RM 0.76 Bei der verhältnismäßig geringen Zat'l dt r im fielen Verkauf verfügbaren Plätze sichert nur sofortige Bestellung den gewünschten Platz. Unsere Purim- Überraschung für alle Kinder der Gemeinde: (Zu dieser Veranstaltung benötigen Kinder keinen Kulturbund- Ausweis) 4 Uhr nachmittags Henriette-Schie-Saal Märchen - Nachmittag (Für Kinder vom sc"ulpHirhiiffrn Alter an). Dsrgrbotrn von der jUiirfen ..Märchentante" Fräul Gerd« lamm er schlak>, Kltcm und Kind rn no, h in guter Erinnerung aus vielen Veranstaltungen des Mitteldeutschen Rundfunks Jüdische und deutsche Märchen und . . . „Großes Rätselraten" Hin.rittspre.se für Kinder: RM —50 und RM — TU, für Erwachsene: RM - .75 und Rvi —.50 — Abonnenten haben Zutun gegen Vorweisung ihrer Abonnementkarte. Lob der guten Umgangsformen VonLotteSchönheim Es gab eine Zeit, da galt ein tiefer Bückling mehr als eine ständige Oesinnung und eine aalglatte Höflichkeitsphrase mehr als ein ehrlicher Rat. Das sind die Formen, die ich meine. Wir haben heute andere Sorgen als die Entscheidung der einstmals sehr wichtigen Frage, wann der Herr der Dame die Hand zu küssen hat, wann er sich nur ehrerbietig darüber neigen darf, und wann der das -Küß' die Hand" nur sagen soll Aber «wischen übersteigerter Bewertung der Umgangsformen und Formlosigkeit liegt eine der berühmten und teilweise sehr zu Unrecht berücht'gten goldenen .Wittelstraßen. * . Ott treffe ich Junijens aus den Schulklassen meiner Kinder; kein Gruß, obgleich sie mich sehr wohl kennen. Mütze abnehmen gibt's überhaupt nicht, auch bei den Söhnen meiner Bekannten, die mir die Ehre ihres „Tach'-Sagens zuteil werden lassen. Große jungens von zehn bis zwölf Jahren gaben mir auf meine ironische Bemerkung über ihre Grußart grinsend zur Anwort, daß sie noch nie eine Verbeugung gemacht hätten. Die Lehrer unserer Schule beschweren sich immer wieder darüber, daß ihre Schüler auf der Straße ohne Gruß an ihnen vorbeigehen. (Es handelt sich hierbei um etwa Zehnjährige;) ' S. MATTERSDORFF PRIVATBANKHAUS f^T" SEESTRASSE 14 RUF 25955 Hermann Haugk Nachf. ÄÄeizyn Herren-Hüte - Herren-Moden Prager Straße 37 Herren-Wäsche Das hat nichts mehr mit dem edlen Kern in der rauhen Schale zu tun. Solche Formlosigkeiten sind einfach als Flegelei zu bewerten, und in der Erziehung muß unbedingt darauf hingewirkt werden, sie auszumerzen. Allerdings habe ich diese Vernachlässigung der guten Sitten nicht nur bei unserer jüdischen Jugend festgestellt! Gewiß gibt es wichtigere Dinge als die Umgangsformen. Deshalb braucht man aber nicht zu glauben, sie aufgeben zu müssen. Wohin man kommt — (und zumal auch im Ausland!) — wird man zunächst nach seinen Umgangsformen beurteilt. Die eventuell vorhandenen' inneren Werte sieht der Fremde nicht gleich. Er muß sich zunächst an das Auftreten halten. Zeige mir, wie du dich benimmst, und ich will dir sagen, wer du bist. Die Umgangsformen sind ja keine leere Geste. Sie sind die Ausdrucksbewegung innerer Höflichkeit, Zuvorkommenheit und Achtung vor den Mitmenschen. Der saloppe Mensch, der sich in sein m Benehmen gehen läßt, muß zwangsläufig — (ewige Wechselwirkung!) — auch zur Einbuße der seelischen Werte kommen. Das Grundübel ist die Lässigkeit, deren sich die meisten im engsten Kreis in der Frage der Umgangsformen schuldig machen. In der intimen Gemeinschaft (Familie, .Freundeskreis) glauben sie sich gehen lassen zu können. „Wir sind ja unter uns — da kommt's ja nicht drauf an!' Ein häßlicher und sinnloser Standpunkt. Wie Kinder das Verhalten der Eltern zueinander vor sich sehen, wie sie zur Höflichkeit den Eltern gegenüber angehalten werden, so werden sie sich jetzt und später auch Fernstehenden gegenüber geben. Auch Umgangsformen muß man pflegen. Man hat sie nicht plötzlich, wenn man sie braucht. Sie fliegen einem im Moment der Notwendigkeit nicht auf einen Wink hin an. Sie müssen einem durch ständige Uebung in Fleisch und Blut übergegangen sein. Gute Umgangsformen sind kein Luxus und kein Firlefanz. Sie sind lebenswichtig. Denn wohin man auch kommt: Gute Umgangsformen sind die beste Visitenkarte. (Aus der CV.-Zeitung). LLudMürid! JÜDISCHE WINTERHILFE Postscheckkonto Dresden Nr. 10288 (Israelitische Relrgionsgemeinde, Abteilung Winterhilfe)