Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Volume
- XIV (1938)
- Issue
- 4 (15.2.1938)
- Date
- 1938-02-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLÄIT ORGAN DER ISRAELITISCHEN 11116911611 MITTEILUNGSBLATT OES „SACHS. RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN JL, ISRAEL. GEMEINDEVERBANDES" <* Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklarung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebie f XIV. Jahrgang Dresden, den 15. Februar 1938 Nr. 4 Entwitklunq der arabischen Staaten Fortsetzung und Schluß aus Nr. 3 Bald nach dem Abkommen von San Remo war es noch einmal zu Differenzen wegen des Gebietes von Mossul gekommen. Frankreich unterstützte jetzt die Ansprüche, die die inzwischen wiedererstarkte Türkei auf dieses Gebiet erhob. Nach dem für die Türken glücklichen Ausgange des Krieges mit dem von England gestützten Griechenland sah es so aus, als ob die türkischen (französischen) Ansprüche doch noch Erfolg haben würden. Erst als Anfang 192g durch das Ruhrabenteuer und den unerwarteten deutschen Widerstand Frankreich in Mitteleuropa gebunden war, konnten die Englander auf der Konferenz von Lausanne eine für den Irak (und für sie selbst) günstige Regelung durchdrücken. (Allerdings wurde das Mossulgebiet erst 1925 durch eine Entscheidung des Völkerbundes endgültig dem Irak zugesprochen). Nach dieser Regelung werden die Oelquellen von Frankreich und England gemeinsam ausgebeutet. Eine englische Rohrleitung wurde nach dem Hafen von Haifa gebaut und eine französische, die 25 Prozent des gewonnenen Oels führt, nach dem libanesischen Hafen von TripolT. Der Irak nahm in der Folgezeit eine günstige Entwicklung, so daß er schon 1928 mit England einen Vertrag schließen konnte, nach dem er 1932 aus dem Mandatsverhältnis entlassen und in den Völkerbund aufgenommen wurde. Allerdings mußte er (genau wie später Syrien mit Frankreich) mit England ein sehr enges militärisches Bündnis eingehen, so daß der englische'Einfluß nach wie vor gesichert ist. Im Süden, im Hedschas, blieb zunächst Hussein König, ja er ließ sich sogar 1924 zum Kalifen ausrufen. Aber bald danach ging seine Herrschaft zu Ende. Er hatte sich schon lange in seinem Lande unbeliebt gemacht, weil er unerhört hohe Steuern eintrieb und vor allem, weil er die Pilgerzüge nach Mekka ganz offiziell ausplündern ließ. Dazu kam, daß er sich von den Engländern betrogen fühlte und versuchte, eine eigene Außenpolitik zu treiben. Die Engländer stellten daraufhin die Zahlungen, die sie seit dem Krieg an Ibn Saud geleistet hatten, damit er Hussein in Ruhe ließ, ein. Dieser verstand den Wink, fiel in den Hedschas ein und vertrieb Hussein aus Mekka; der mit viel Geld auf ein schon bereitstehendes englisches Kriegsschiff floh und von diesem in die Verbannung nach" Cypern gebracht wurde. Sein Sohn Ali verteidigte den Hedschas noch einige Zeit, doch bis Ende 1925 hatte Ibn Saud das ganze Gebiet erobert. Ueber diesen arabischen Herrscher muß hier einiges gesagt werden. Ibn Saud hatte sich einige Jahre vor dem Kriege, aus der Verbannung in Koweit zurückkehrend, durch einen Handstreich der Hauptstadt Riad und damit des größten Teils Innerarabiens bemächtigt. Er ist gleichzeitig das Haupt der außerordentlich religiösen Sekte der Whahabiten. Im Laufe der Jahre ist es ihm gelungen, sein Gebiet immer mehr zu vergrößern. Gleichzeitig machte er es sich zur Aufgabe, sein Reich zu modernisieren und seine nomadischen Whahabiten zu seßhaften Bauern zu machen. Mit der Eroberung des Hedschas war er der Herr fast der gesamten arabischen Halbinsel. Allerdings haben die Engländer die für sie wichtige Hafenstadt Akaba für Transjordanien gesichert und durch die Schaffung einer direkten Verbindung zwischen diesem Land und dem Irak dafür gesorgt, daß er sein Gebiet nicht weiter nach Norden ausdehnen kann. Einige Jahre nach der Eroberung des Hedschas eroberte Ibn Saud auch noch das südlich anschließende kleine Gebiet von Assir und unterwarf 1934 den Yemen, der nur noch.dem Namen nach selbständig geblieben ist. VI. Dies ist etwa die Situation, wie sie sich bis heute herausgebildet hat. Daneben gingen und gehen die Bestreben der Araber, sich von der europaischen Bevormundung zu befreien und ein selbständiges Großarabien zu bilden. Dieser „Panarabismus" erhielt einen beträchtlichen Auftrieb durch die Tatsache, daß andere, früher halbabhängige mohammedanische Staaten sehr rasch zu einer ziemlichen Unabhängigkeit gelangten. Es sind dies die Türkei, Iran (Persien) und Afghanistan. Im Zusammenhang mit dem sehr starken ägyptischen Nationalismus, der im letzten Jahre ja auch erfolgreich war, wird sehr häufig von einem „Panislamismus" gesprochen. Wir können hier auf diese Zusammenhänge nicht näher eingehen. Es soll nur noch erwähnt werden, daß seit ein oder zwei Jahren unter dem Einfluß Englands ein Ausgleich zwischen der Dynastie Husseins und Ibn Saud geschaffen wurde, der zu einem Freundschaftsvertrag zwischen dem Irak (wo seit Feisals Tod 1933 dessen Sohn Ghazi König ist) und Saudie Arabien füi rte. Von besonderer Wichtigkeit ist außerdem noch der Beistandspakt, der im Juli 1937 zwischen der Türkei, dem Irak, Persien und Afghanistan geschlossen wurde, und dem auch das selbständig gewordene Syrien beitreten soll. Im allgemeinen kann man sagen, daß gerade im Gebiete des vorderen Orients nichts endgültig, sondern alles im Fluß ist. Es wird wohl in absehbarer Zeit nicht zur Bildung eines großarabischen Reiches kommen, doch glauben viele Beobachter, daß die Entwicklung zu einem, arabischen Staatenbund (unter englischem Einfluß) hinführt. Leo Schwarzschild (Dresden) Donk an Martin Bnber Am 8. Pebrnar 1988 wurde Prof. Dr Martin Buber ÄQJahre. Der Sicht. Israel* ü eme in de v erb and übermittelte dem Jubilar Glückwunsch und Dank für seine Lebensarbeit. — Auch das Dresdner „Jiidisc1 e Lehrhaus" hat, gemeinsam mit den anderen Lahrhäusern, in einer Glück*unschadresse des Tages gedacht Nachstehend bringen wir Worte dea Prl identen der Reicbsvertretunf der Juden in Deutschland, Rabbiner Dr. Leo Baeck, sum Abdruck, welche dieser in einem Rundbrief an dia jüdischen Lehrer gelichtet hat. .1 *-• Um die Dankbarkeit zu erneuern, feiern wir überall Martin Bubers sechzigsten Geburtstag. Eines hat er uns vor allem gelehrt: als Juden die inwendigen Bedingungen unseres Menschentums, unseres Lebens zu erfahren — in unserem Judentum nur können wir zu ihm gelangen. Es war die Fügung der Geschichte, daß Generationen sich an den äußeren Bedingnissen des Daseins ihr ganzes Mühen, ihr Streben und Höffen bereiteten. Alle Richtungen eines Jahrhunderts, die bei ssinem Anfange wie die an seinem Ende, haben es so gesucht, und sie haben viel vom Eigentum darangegeben. Es war ein Umweg und bisweilen ein Irrweg, wir sehen es heute. Aber Gott führt in der Geschichte so oft diese langen Wege. Wo das Dasein sich in äußeren- Gegebenheiten erfüllen will, verdrängt am letzten Ende ein Politisches die Religion, und damit verlieren die Menschen auch einander. Martin Buber hat hiergegen ein weiteres gelehrt: als Juden-das Innere der Verbundenheit, die Gemeinschaft zu erleben — im Judentum werden wir dieses Menschliche erreichen. Es war ein Geschick von Geschlechtern, daß Juden auseinander trachteten, und oft war es das Beste noch, daß sie in der Gemeinde zusammen blieben. Aber Gott, wir empfinden es heute, hat in den Fernen die Sehnsucht nach der Nähe geweckt. Nach langen Tagen ist die Gemeinschaft erreicht. Es ist der tiefe Gedanke des Chassidismus, daß Schöpfung und Offenbarung, immerwährend, ein Stetiges sind: nichts ist außerhalb Gottes, außerhalb seiner Einheit, außerhalb seiner Heiligkeit, und dem Menschen wird es so aufgegeben, eine Offenbarung, eine Schöpfung zu sein. Mit seinen Worten hat Martin Buber das ausgesprochen. Von Tat und Ganzheit und Zukunft hat er gedichtet und gepredigt und zur Bibel, zur Theophanie hat er das Ohr und die Seele gelenkt. * Sein Menschentum und sein Werk feiern wir dankbar an seinem sechzigsten Geburtstag. SJBJBjBJBJBJBJBjipB^ Jttdiuhes Lehrhen» Nächste Termine: Lebrar Steinhardt (Psalmen^ 17. Februar (Do) Jugendlehrbaus Or Alle« Apt (Einführung in die Weltliteratur) ltt. Pebrnar (Sbd) Rabbiner Dr. Wolf (|Ud. Entwicklungsgeschichte) I Abend des Zyklus 26. Pebrnar (Sbd) Dr. Allca Apt (Einführung in die Weltliteratur) 5 Min (Sbd) Kurt Aronade JUd Entwicklungsgeschichte ' II. Abend dea Zyklus 12. Mars (Sbd) Samtliehe Vorlesungen beginnen prlaise SO,15 Uhr und linden im Helnrlch- Arnhold-Saal statt