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Jüdisches Gemeindeblatt Dresden · 1938-01-29 · 3 (29.1.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
Volume
XIV (1938)
Issue
3 (29.1.1938)
Date
1938-01-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT ORGAN DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN S MITTEILUNGSBLATT DES „SACHS. ISRAEL. GEMEINDEVERBANDES" Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksauf klärung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebietes XIV. Jahrgang Dresden, den 29. Januar 1938 Nr. 3 JUGENDLEHRHAUS Mit der Schaffung des Jugendiehrhauses geht ein alter Wunsch der Dresdner Jugend in Erfüllung, die schon lange nach der Möglichkeit, alle Kreise zu erfassen, sucht. — Die Lösung, die hier geschaffen werden soll, kann eine ideale sein, wenn der Wille zur Mitarbeit Aller nicht ein Strohfeuer ist, das morgen bereits erlöscht, sondern beständig bleibt. Der* Sinn des Lehrhauses ist, Wissen zu vermitteln, sei es jüdisches, sei es Allgemeinwissen, besonders dieses wird vielfach vernachlässigt, nicht aber die Abende mit uferlosen Diskussionen auszufüllen. Jeder Einzelne muß am Schluß eines Abend mit dem Gefühl nach Hause gehen, etwas 'gelernt zu haben. Diese Aufgabe, die damit dem Jugendlehrhaus zufällt, ist sicherlich nicht leicht, besonders wenn man bedenkt, daß dabei Referent und Hörer die Jugend stellt. Aus diesem Grund muß auch jede Kraft eingespannt werden und von vornherein darüber Klarheit bestehen, daß das Jugendlehrhaus nur dann von Bestand sein kann, wenn es von der Gesamtheit getragen wird- Wenn das von der Jugend erkannt wird und sie daraus ihre Konsequenzen zieht, dann eröffnen sich Möglichkeiten, die mehr als wünschenswert sind. Bei der gemeinsamen Arbeit für eine Sache kann sich die Jugend finden und dabei vieles Uberbrücken, was sie schon jahrelang hindert und was doch von allen Seiten erstrebt wird. Da alle verfügbaren Kräfte herangezogen werden, ist auch die Gefahr einer Einseitigkeit gebannt, und der Weg zu ungehemmtem, fruchtbaren Gedankenaustausch liegt frei. Durch diesen Austausch der Gedanken werden wiederum wichtige Anregungen zur Selbstarbeit gegeben, und auch das sollte man sich als Ziel setzen. Aufgaben, die früher den Schulen und Fortbildungstätten oblagen, fallen heute in das Gebiet jüdischer Institutionen, denn zu einer Zeit, in der die Jugendlichen früher noch die Schule besucht haben, sind sie heute bereits im Beruf tätig. Auch das Jugendlehrhaus kann und wird dabei mithelfen und in seinem Lehrplan darauf Rücksicht nehmen. Neben aktuellen Themen werden die Wissensgebiete wie Geschichte, Philosophie usw. stärkste Berücksichtigung finden. Es ist ein großes Arbeitsgebiet, das sich das Lehrhaus mit dieser Zielsetzung genommen hat, aber es wird sicherlich nicht an Menschen fehlen, die bereit sind, ihre Kraft voll einzusetzen. Am 29 Januar wird das Jugendlehrhaus seine Tätigkeit in einem fest um risse nen Lehrplan beginnen.*) An uns, der jüdischen Jugend, wird es nun liegen, ob aus diesem Versuch einer Lösung eine Stätte wird, an der die Jugend zusammenkommt, um etwas zu lernen und ein einheitliches Gepräge zu erhalten, oder ob es eine einmalige Erscheinung bleibt. R. •i Zu der Feier, die heute Sonnabend, den 29. Januar, abends 8.15 Uhr, Im Heinrich-Arnhold-Saal ttailllndei, ergebt hiermit nochmals an die gesamte judische Jugend Dresdens im Alter von Uber 14 Jahren berzlicbe Einladung. Das Jugeaddeiernat der Oemelad* II ERKLÄRUNG DER REKHSVERTRETUN« Präsidialausschuß und Rat der Reichsvertretung der Juden in Deutschland haben folgende Erklärung beschlossen: Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland hat in Zusammenarbeit mit den jüdischen Landesverbänden, Gemeinden und einzelnen Organisationen sich bemüht, den Raum, der den Juden in Deutschland geblieben ist, mit Sinn und Inhalt zu erfüllen. In ihren Maßnahmen durfte sie sich auf die Zustimmung und Mitwirkung des weitaus größten Teils der Judenheit in Deutschland stützen. So hat sie den geschichtlichen, oft so schwierigen Umwandlungsprozeß auf fast allen Gebieten des jüdischen Lebens maßgebend beeinflußt. Seit Jahren steht die Auswanderung, die Schaffung von Einrichtungen, die ihr und ihrer Vorbereitung mittelbar oder unmittelbar dienen, im Vordergrund des Sorgens und Handelns der Reichsvertretung. An die Stelle der unruhigen und ziellosen Auswanderung wurde mehr und mehr das Prinzip der Ordnung und Planung gesetzt. Die Reichsvertretung sieht es als ihre Pflicht an, auch dem Verlangen nach Beschleunigung der Auswanderung Rechnung zu tragen. Sie sieht sich aber genötigt, vor übertriebenen Erwartungen zu warnen. Die Möglichkeiten der Auswanderung hängen nicht nur von ihrem Willen und der Arbeit der Wanderungsorganisationen ab, sondern vor allem von der Bereitwilligkeit der anderen Länder, ihre Tore für die Juden aus Deutschland, ebenso wie auch für die aus Osteuropa, offenzuhalten. Darauf hat aber die Reichsvertretung keinen bestimmenden Einfluß. Sie kann nicht Wunder tun und sie vermag nicht, die Bedingungen, die ihrer Absicht in der Welt entgegenstehen, zu ändern. Bei einer planlos sich vollziehenden Auswanderung kann sie eine Verantwortung für ihren geordneten Vollzug nicht übernehmen. Die Reichsvertretung richtet in dieser Stunde einen Appell an die Palästinaregierung, den Juden in Deutschland, vor allem den ausgebildeten jungen Juden, die sich für den Aufbau Palästinas einsetzen wollen, den Weg dorthin nicht zu verlegen. Sie richtet ihren Appell an die überseeischen Länder, insbesondere an die mit dünn besiedelten Gebieten, durch Gestaltung und Handhabung der Einwanderungsbestimmungen eine größere Zahl nützlicher Einwanderer aufzunehmen. Ein erheblicher Teil der in ihrer Zusammensetzung stark Uberalterten Judenheit in Deutschland ist auswanderungsunfähig und wird seine Tage in Deutschland beschließen müssen. Soll er nicht der öffentlichen Wohlfahrt anheimfallen, so dürfen ihm die Erwerbswege nicht völlig verschlossen werden. Auch die Fortsetzung geordneter Auswanderung — und nur diese hält die Einwanderungstore auf die Dauer offen — ist nur möglich, wenn die wirtschaftliche Existenzfähigkeit der Juden in Deutschland nicht noch weiter geschmälert wird. Nachdem die Juden aus dem staatlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben und aus allen führenden wirtschaftlichen Stellungen ausgeschaltet sind, bitten wir deshalb die Reichsregierung, daß der Verringerung der Erwerbsmöglichkeit für die Judenheit in Deutschland Einhalt getan werde. Wir hoffen ferner, daß die Möglichkeit des persönlichen Verkehrs zwischen

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