Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Volume
- XIV (1938)
- Issue
- 2 (15.1.1938)
- Date
- 1938-01-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT ORGAN DER ISRAELITISCHEN DRESDEN MITTEILUNGSBLATT DES „SACHS. RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN -Ar ISRAEL. GEMEINDEVERBANDES" Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda =betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen R e i ch s g e b i e ».=. XIV. Jahrgang Dresden, den 15. Januar 1938 . Nr. 2 Zum 80. Geburtstage von C VVriin heute in Her Welt rirmifieti ehemalige Mitglieder nn*vri-r ..Kehillü kedo>cha l>re-»den", unserer Dresdner Jüdischen Gemeinde, da* r rinnrrun^shild unsere* Gottesdienstes in ihrer Seele lehendiff werden LiMQp ud aiuh wenn wir hier uns den musikalischen (ie>amtcinururk der letzter. Jahr/ehnie /usamniepzufasscii suchen, — dann steht im Mittelpunkt flieset* tonenden Bilde« unser greiser Oberkantor Raphael Hofstein: ,./ad- ■lik katonior jjifrodi . . . Aud j'nusoura bessewo". Wirk In Ii ..grünt er noch im Greisenalter voller Kruft" nach de* l'-nluiisten von ihm so oft gesungener Prophezeiung für den Gerechten, und wenn der Achtzigjährige sidi audi seit einigen Jahren des Ruhestunde* erfreut, so ist seine regelmäßige freiwillige Teilnahme aiii Gottesdienst nenn er in Dresden weilt — ein Zeichen, daß er stet«, nicht nur \ou lierufswegen, sondern aus innerstem Drang gebetet hat. Diese innere fromme Finslellung gaben Raphael llof-iein jene uurdige Haltung al* StVIiadi zibbur, uU ..Abgesandter der (•emeinde", die eine Vorbedingung zu der Andatiii des gemeinsamen Betens im Gottrsh.iu*t* ist. Dazu kam über bei diesem ihm crgedlidien Chasan im »dt der Dopprl Vorzug des |trsiizes einer herrlidien warmen Stimme und eines ungewöhnlich reitheu jüdisch-musikalischen Schatzes an eigenen Gebelsmusik-komposittonen. Hofsteins zu Herzen gehende Stimme ist uns allen ja dunhaus keine ferne Krinnerung: es ttird sich Hohl kaum jemand jenes anno IS*M Statt" gefundenen Vorganges personlich entsinnen können, als der damalige Synagogenvorsteher Moritz Zobel im Namen der zahlreich anwesenden Gemeinde nach dem Probesinren zu ■ Hofstein sagte; ..Sic haben uns alle* zu Tränen gerührt!" — Aber Vielen von uns wird es in den 45 Jahren bis in die jüngste Zeit ähnlich ergangen sein. . . '. Daß sidi dieser edele Bariton bis ins hohe Aller so kultiviert erhalten hat. ist fraglos der trefflichen Ausbildung bei Kammersänger Paul Jensen tum Dresdner Konservatorium) zu danken; aber wenn auch Hofstein künstlerisch hochstehend Lieder und Ballladen — insbesondere von Schubert und Carl Löwe — vortrug, so prädestinierte ihn doch seine gesamte Veranlagung für die Synagoge und nicht für das Konzertpodium. Denn in ihm lebte — von seinem Vater her — zugleich das große und seltene Talent des echten jüdischen Rhapsoden, dem die Kunstform des freien Improvisieren«, des" musikalischen Krtindcns beim Gebetsgesang ein natürliches Erbe ist. Diese von Kachkennern hoch eingeschätzte seltene Veranlagung (Arno Nadel erwähnt in Nr. T3 der Schocken-Bücherei 19V den Namen unseres Oberkantor Hofstein in dieser Beziehung besonders) sei in diesen Zeilen noch einmal in den Vordergrund gerückt., weil dieser Pnrlando-Vortrag und das bewegte Rezitativ — nicht die eigentliche Kunstge*angskompositu>n — ganz an die individuelle Persönlichkeit des betreffenden Chasan gebunden sind. Ks i*t nicht möglich, daß ein anderer sich diese frei im Takt, im Vortrag und in den Motiven sich ergießenden Weisen ganz zu eigen machen kann. Und doch hat unser Jubilar in dieser Richtung eine eigenartige Vorarbeit geleistet, auf die eine spatere Generation gewiß noch zurückgreifen •berkantor Raphael Hoffstein wird. Kr hat numluh diese seine freien Rezitative in Noten niedergeschrieben, sowohl das monotone Zelebrieren wie auch die lebhafteren motivisch bew eglen Rezitative ui>d au «Ii ma neheu schon fest umrissenen Nußa<f ii ml Steiger. Diese zahlreichen wert v ollen Aufzeichnungen befinden sich innerhalb seines großen Sammelwerkes „Schire te/illoh" gr. Seiten mit 240 Nummern), in welchem Hofstein in unermüdlicher Arbeit die Früchte mihi-- Wirkens an der Dresdner Synagoge zusammengetragen hat. Da er mit Erfolg Musiktheorie bei Prof. Risihbieter und Geheimrat Draeseke Studien hatte, lockte es ihn natürlich, sich die gesuinte Liturgie für den Verlauf von Jahren aus eigenen Kompositionen für Solo. Chor Orgel, sogar mit zahltekfien Vuriu/ilen, aufzubauen. Bekanntlich gibt es auf diesem Gebiete eine \ ii zahl gleich geriih tele r großer kompo-,itii>iis ■stimme twerke, wie die von "Mil/er. Nuiimfiourg, Deutsch. Buer, Weiutrauh, Birnbaum, Lewanduwski. Iilelsolin, Kirschnor. Kor nitzer u. a-, und man versteht deshalb, wenn auch mit großem Bedauern, daß die Verleger diese sehr kostspielige Herausgabe bei Iteschranktcm Absatz ablehnen. Immerhin enthalf «las Hofsteinsche Werk — Hie durgelegt - Perlen seltener Art, die ein so wertvolles Krbgut sind, daß sie iiicnt verloren gehen dürfteu, und deshalb sollte ein* .fachmännisch getroffene Auswahl aus <(em Werk unbedingt publiziert werden und Holsteins Namen in der breiten jüdischen Oeffentliihkeit erhalten als einen bewunderungswerten Trager alter echter Nigunim herüber in unsere dem judischen religiösen Gefühl sich künftig ** ieder mehr zuwendende Zeit. ' Aber uueh für die Kunstgesangs-Kompositionen llofsteins hat die Dresdner (.ernennte — ohne daß sie sich im einzelnen immer dessen bewußt ist -runserem Jubilar dauernd Dank zu sagen: für sein ..L'chu n 'runano". du-» beschwingt jeden Sabbath eröffnet, für sein -l.'chu ifcnnh* mit den herzlichen Solilind X-hur-Zwischensirophen, für sein feinerliches ,,W'schomru" (von seinen vielen ..W*schoinru"-Komposiiinnen sind auch zwei in Karlsbad und in Wiesbaden aufgenommen) und für den Höhepunkt: das großartige .,Waj'chulu" für Chor in C-Moll not den leeren Quint- und Quartschritten am Anfang. Kinen schönen Kiddusch Holsteinshaben wir oft- Gelegenheit von seinem Nachfolger Kantor Paglin würdig vortragen zu hören, l'nd so könnte ich hier in dankbarer Anerkennung noch zahlreiche von Hofstein komponierte herrliche Stücke der Gebets-Liturgie — besonders auch für die Keiertage — anführen, die zu dem ..Minhug Dresden" gehören. Da die musikalisch hochbeguhte Tochter unseres Jubilars, Krau Grete Hnf-teiii- Anschel, die Leiterin unseres Synagngenchores ist. andererseits er selbst der Synagogenkommis«inn angehört und sich allgemeiner höchster Schätzung erfreut, so scheint e« verbürgt, daß unsere Dresdner Gemeinde sich weiter und in alle Zukunft an dem reichen Born dieser religiösen Musik wird ercjuicken dürfen. Das wünschen , wir ihm und uns zugleich. B'rocho' w'scholaum ad meo! /( rrnu Prof F\a Riirtntr Jüdisches Lehrhans Nächste Termine: Rabbiner Dr. Wolf (lUdische Geschichte) _•<> JanuarjOo) Frau Prof. BUttner 'Jüdische (iehete) 18. Januar (Di SchluBabend des Kurse« I. Februar mit Vortrag von Niitunim durch Herrn Ohrrkanior 1. R. Holstein Die Vorlesungsreihe Was he deuten uns die Psalmen (Lehrer Steinhardt) 3 Abde. findet Donnerstags statt, und zwar am 27. 1., 3. u. 17. 2. Hörgeld: 1—. Jugend und Minderbemittelte Ermäßigung Für diese Vorlesungsreihe, ebenso wie für die Einführung In die Weltliteratur (Dr. AliceApt) 6 Abende (beginnend Anlang Mira) werden noch Anmeldungen angenommen. Sämtliche Vorlesungen des Jüdischen Lehrbauses heginnen präzise 20,15 Uhr und linden im Hclnrlch-Arnholo-Saal statt. — Hörerkarten im Gemeindeamt. Jugend-Lehrhaus Den gemeinsamen Bemühungen der Gemeinde und des Orts- Ausbchusses der jüdischen Jugend-Verbände Dresdens ist es gelungen, dem Lehrhaus ein Ju>.endlehrhaus aller jüdischen Jugendlichen anzugliedern. Am Sonnabend, den 29. Januai, abends 8,15 Uhr, erwarten wir die jüdische Jugend geschlossen zu einer Feier im Heinrich- Arnhold-Saal, mit der die künftige Arbeit des Jugend-Lehrhauses, die alle Wissensgebiete umfassen soll, ihren Anfang nimmt. Jeder junge Jude muß die Gelegenheit, sein W issen zu ergänzen und zu vertiefen, wahrnehmen. Wir verweisen auf einen Artikel im nächsten Gemeindeblatt. Jüdischer Kulturbund Dresden Mitglied d. Reichsverbandes der Jüd. Kulturbünde i. Deutschland Hüro: Zeughausstr 1, II. ('werktäglich 10-i Uhr; jeweils 6 Tage vor einer Veranstaltung auch nachmittag-. 6-7 UhrV Ruf IK 4 IM Kulturbund-Ausweis für den Rest des Bundesjahres (bis 31. 8.1938) nur 1.- RM Für die Premiere ..Delikt" hat die Leitung des Kulturbundes eine originelle Reklame versandt. Das Foto hierzu auf der Titelseite des Werbeblattes ist von unserem 7. Abonnement-Veranstaltung 20,15 Uhr. 'Aufderneuen Bühne: Henrlette-Schle-S.al Gastspiel des Hamburger Kulturbund-Theaters DELILA Komödie in 3 Akten von FranzMolnar Regie: Hans Buxbaum — Mitwirkend u. a: Ruth Mannheimer fkritner), Julius Kohler, Fritz .Melchior Vor kurzem a. Wiener Burgtheater mit sensationellem Erfolg uraufgeführt. InWien allabendlich ausverkauft. Eintrittspreise A: RM 3.S0, :t . 2 2S und I.IS0 (Stehplatt).