Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Volume
- XIII (1937)
- Issue
- 24 (1.12.1937)
- Date
- 1937-12-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 GEMFINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN Nr. 24 / 13.12.37 Palästina-Kundgebung. Midiael Traub spricht. Die vom Ortskomitee der Jewish Agency anläßlich des 20 Jahrestages der Balfourdeklaration veranstaltete Kundgebung, die zugleich die Keren Hajessod- Aktion eröffnete, fand derartigen Zuspruch, daß sie vom Gemeindesaal in die Synagoge verlegt werden mußte Nach Orgelspiel und |einem von Hertha Fuhrmann-Falk gesungenen Palästinensischen Lied begrüßte Vorsteher Max Lesser die Versammlung namens der Gemeinde. Für die Jewish Agency sprach der ZOG.-Vorsitzende A. Fischl. Dr. Michael Traub (Berlin) behandelte in einem großangelegten Referat das Thema »Von der Balfourdeklaration zum Judenstaat". In ungemein fesseln den Ausführungen, die infolge des nach Versammlungsschluß angesetzten Kulturbund-Tees leider nur 50;Minuten dauerten, wußte der Redner insbesondere die geschichtlichen, soziologischen und weltpolitischen Zusammenhänge des Palästinaproblems aufzuzeigen. Ueber Allem, was ungeklärt oder im Werden sei, stehe die Tar( das achtungsgebietende ^Werk jüdischer Menschen. [Jeder Jude müsse sich der Bedeutung des geschichtlichen Augenblicks, der darüber entscheide, ob wir irgendwo in der Welt Lebensrecht und Lebensraum erhalten, bewußt sein. Die Jewish Agency werde dabei ein gewichtiges Wort mitzusprechen haben. Nachdem Dr. Traub die Größe der opfervollen, meist unter schwierigsten Verhältnissen vollbrachten Aufbauarbeit mit überzeugendem Zahlenmaterial belegt hatte, schloß er mit der Mahnung, jetzt, wo der Traum von 2000 Jahren in Erfüllung gehen soll, nicht zu spät zu kommen, sondern durch Entschlossenheit und Einigkeit uns des jüdischen Schicksals, dem wir verpflichtet sind, würdig zu zeigen. Der eindrucksvolle Abend endete mit dem Absingen der Hatikwah. g.j. Konzert der Jüd. Instrumental-Vereinigung mit Solisten, Ein ungewöhnlich stilvolles Konzert mit vorwiegend alter Musik zeigte das fleißige, zielbewußte Musizieren unserer Dresdner Orchestervereinigung unter Walter Goldmanns Leitung auf beachtlicher Höhe. Gleich das Eröffnungswerk des Abends, eine Suite von Georg Philipp Telemann, der zu seiner Zeit berühmter war als sein Zeitgenosse Joh. Seb. Bach, erfreute durch ihre abwechslungsreichen formschönen Sätze, von denen das Finale, eine Harlequinade, mit virtuoser Geläufigkeit gespielt verblüffte. Als eine weitere wertvolle Entdeckung erwies sich das Cello- Konzert eines vor 200 Jahren lebenden Wiener Musikers, Georg Monn, das kein geringerer wie Arnold Schönberg 1914 neu bearbeitet hatte und das, noch dazu so meisterhaft vorgetragen wie durch den Berliner Gast Paul Blumenfeld, -einen klassisch edlen Eindruck erzielte. Dem Streichorchester gesellte sich in den Werken noch ein Cembalopart zu, dem Siegfried Sonnenschein an einem Tafelklavier klanglich nahezukommen suchte. Es ergaben sich oft wirklich entzückende Tonbilder in dem gemeinsamen Zusammenspiel. Die Sängerin des Abends war die stimmschöne und stilsichere Breslauer Mezzosopranistin Ruth Hennig. die zuerst altitalienische Arien vortrug und zum Schluß ein modernes italienisches Werk: „Der Sonnenuntergang" des bekannten Orchesterkomponisten Ottorino Respighi. Es ist eine von lyrischem Schmelz durchdrungene Szene von sterbender Liebe, die durch eine schöne, sehr anspruchsvolle Streichquartett-Begleitung (stimmungsvoll gespielt von Dr. Walter Grün. Harry Meyer. Dr. Manfred Saalheimer und Paul Blumenfeld) einen tiefen eigenartigen Eindruck nicht verfehlte. Eva. Büttner. Autoren-Abend Manfred Sturmann Am ersten der angesetzten Autoren-Abende sprach einer unserer ernstesten jungen jüdischen Lyriker, Manfred Sturmann (München), eigene Dichtungen, die von einem starken seelischen Durchbruch jüdischen Volkslebens Zeugnis ablegten. So wirkten besonders hinreißend die klar formulierten Gedichte, die der Gegenwartsarbeit am Erbe der Ahnen gewidmet sind, wie „Die Siedler" oder „Hachscharah". Von großer edler Schönheit waren Hymnen wie „Tränen des Volkes" und „Jerusalem" und fesselten überdies durch die stolze, bewußte jüdische Gesinnung, zu der sich der lyrische Dichter —» wie er in seinem .Bekenntnis" überschfiebenem Gedicht uns mit erleben läßt — erwacht ist. In dem vorgetragenen Schlußkapitel seines .Palästinensische Tagebuches* (erschienen im Brandus'schen Verlag) zeigt er eine wunderbare Verschmelzung tiefer Naturverbundenheit mit dieser schicksalshaften geistigen Liebe zu dem Lande der Väter, Jerusalem, „dem Herzen der Welt". In einer Novelle, „Der Weg des Heils", steigt Sturmann zu den Quellen alter Midraschim hinab und fabuliert von der verführerischen Dämonin Lilith, die von dem edelliebenden Rabbi Amram in einer Ehe erlöst wird. — Den Abend hatte Manfred Sturmann mit Gedenkworten für die (anfangs dieses Jahres heimgegangene) Dresdner Dichterin Anna Joachimsthal-Schwabe einliidisd.es Lehrhaus Nädiste Termine: Cand ehem. Levl (Einführung in die Chemie) 21. Dezimi er (Di) Rabbinar Or. Wolf (lUdische Geschichte; 23. Dezember (l>oi Frau Prof. Buttnet (jüdische Uehete) 11. Jinuar (Di) Im Januar beginnen folgende Vorlesungen: Die Psalmen (Lehrer Steinhart) 3 Abende Einführung In die Weltliteratur (Dr. Alice Apt) 6 Abende Ein T'nach Thema (Rabb. Dr. Ochs, Leipzig) 4 Abende Die Einschreibung für diese Vorlesungsreihen muß schon jetzt erfolgen, da die Vorlesungen nur pei genügender Tellnehraerzabl abgehalten werden. Samtliche Vorlesungen des Jüdischen Lehrhauses beginnen piizise 20,15 Uhr und linden im HalnricaKArziaioK-S—l statt. — Horcruarlen Im (iemeindesmt Dämonin Lilith, die von dem edelliebenden Rabbi Amram geleitet, der er menschlich und künstlerisch nahestand. Er pries ihre tiefen menschlichen Qualitäten, ihre Güte, ihre Aufopferungskraft; er gedachte ihrer als der großen Jüdin, die mit dem Schicksal nie haderte und ihrer edelen Bescheidenheit Die Dichterin ließ er zu uns sprechen durch zwei ihrer wertvollen religiösen Gedichte: „Tröstung" (mit dem Untertitel „Allen Einsamen unserer Zeit gewidmet") und das tiefsinnige „Opferung", mit dem sie alle Vorwärtsschreitenden in ihr Wesen einschmilzt. — Der schöne Abend war von echter Weihe getragen und gab tiefe Eindrücke. Eva Büttner. Betr. Deutscher Gruß bei Kundenwerbung Der Jüdische Central-Verein" teilt uns eine Verlautbarung des Werberates mit, wonach die Verwendung der Unterschrift »Mit Deutschem Gruß" durch jüdische Werbungstreibende für unzulässig erklärt worden ist, weil sie geeignet ist, über die jüdische Eigenschaft hinwegzutäuschen. - Gemeinde-Bibliothek. Bibliothek: Ausleihe: Sonntag von 11 —12V» Uhr, Mittwoch und S nnabend von 20—22 Uhr (kostenlos). Lesezimmer: Geöffnet: Mittwoch Und Sonnabend von 20— 22 Uhr (kostenlos). Neuerscheinungen. Die Besprechung einzelner Bücher bleibt vorbehalten. 1. Mommsen, Theodor. Judaea und die Juden. Schocken-Verlag, Berlin. 2. Burta, Jehuda. In den Sternen geschrieben. Eine Erzählung. Schocken-Verlag, Berlin. 3. Die Gesetzeslehrer von Schimon dem Wahrhaftigen bis zum Auftreten Hillel. Zusammengestellt von Kaiman Schlesinger. Schocken-Verlag, Berlin. 4. Das jüdische Sportbuch. Weg, Kampf und Ziel der jüdischen Sportverbände. Verlag Atid, Berlin. * 5. Hechel, Abraham. Von Jizchak Abravanel. Erich-Reiß-Verlag, Berlin. 6. Sturmann, Manfred. Palästinensisches Tagebuch. Brandus'sche Verlagshandlung. Jüdischer Buchverlag, Berlin.- Jl Die Gemeindemitglieder in Hautzen, Freibergu Pirna werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Nachgenannten: Herr Arno Jakobsohn, Bautzen, Reichenstr., Frau Gitta Braun, Freiberg, Burgstraße 24, Herr W. Jurmann, Pirna, Markt 14, Bücher der Gemeindebibliothek jederzeit zur unentgeltlichen Entnahme bereit halten. Personalien Barmizvvoh in der Synagoge, Zeqghausstraße 1 b Am 27. November 1937 fand die Barmizwoh von Hans-Wolfgang Orbach, Sohn des Herrn Martin Orbach, Reitbqhnstr. 29 statt. 25. Dezember 1937: Rolf Barasch, Sohn des Herty Dr. Johannes Barasch, Würzburger Straße 1(1 % Traurig 19. Dezember 1937: Fräulein Elisabeth Rosen th(il, Reichsstr.7, mit Herrn Rudi Hahn, Altenbeuer Straße 34 ' Sterbyfälle / 3. Dezember 1937: Frau Anna Tuchler, Reichs,traße 7, 72 Jahre 7. Dezember 1937: Frau Vilma Feuerstein, Tischerstr. 3,44 Jahre 11. Dezember 1937: George Ljppmann, Dresden W. H., Lahmannring 16. 80 Jahre. 12. Dezember 1937: Frau Bertha Meyer, Lenm.straße 2, 98 Jahre. Geburtstage - 20. Dezember 1937: Herr Hirsen Mai ranowski, Großenhain, Klostergasse 13, 75 Jahre. Wir gratulieren herzlichst! 28. Dezember 1937: Frau Bertha Katz, Moser,straße 35, 80 Jahre. Wir gratulieren herzlichst! i