Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Volume
- XIII (1937)
- Issue
- 21 (15.10.1937)
- Date
- 1937-10-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 /11. t 37 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN Seite 5 *c^ckH*c^fc**p*cxxx?*c^^ Jüd. Winterhilfe Dresden 1937/38 — Seelische Winterhilfe — Sonntag, den 7. November 1037, 20,15 Uhr Henriette-Schie-Saal «1000 Worte Jiddisch» Ost jüdischer Humor Dr. Rabinowitz (Leipzig) (Mit zahlreichen humorist. jidd. Volkserzählungen) Hintrittkarte i für Betreute der „Jüdischen Winterhilfe" unentgeltlich in der Wohlfahrtsstelle, sonst RM 1.—, (Jugendl. —.25) im Kulturbündbüro (10-1 Uhr). Ruf 18418 (»««teWWcV" Jüdischer Kulturbund Dresden Xov< mber 14 Teeabend im Arnhold-Saal u. den unteren Räumen 8I!,Uhr. Mit Unterhaltungsmusik der Kapelle Sonnen-thtin. Eintritt einschl. Tee und GebäckRM 1.10. Tischbestellungen erbeten! Karten nur im Vorverkauf im Kulturbundbüro. Jüdischer Kulturbund Dresden Mitgl. d.' Reichsverband, der Jüd. Kulturbünde i. Deutschland Außer Abonnement 20,15 Uhr. Heinrich-Arnhold-Saal 1. AUTOREN-ABEND Der Dichter Manfred S u mann, München, liest aus eigenen Werken, u. a. aus „Herkunft und Gesinnung" (Erich Reiß-Verlag) und aus dem „Palästinensischen Tagebuch" Vorher: Gedenk worle des Dichters für Anna Jna<. himsthal-Schwabe s. A. Kiii ,- t'relie: RM 1 SS u 0.75, Jugend D: gr Ine Kirren 0.21S Büro: Drttden, ifeughiusstiaBt: I, II (10—1 Uhr. Rul 18 4 18 1 November Mm Ten I 20,15 Uhr. Henriette - Schje - Saal KONZERT Ruth Hennig. (Breslau) Mezzo-Sopran Paul Blumenfeld (Berlin) Violoncell mit der Jüdisch ln«lrumenlalvereinii;unK Dresden (Leitung: Walter Goldmann) Werke v. Respighi, Monn-Schoenberg (C> llokonzert) Telemann, Alt-italienisch. Arien mit Streichorchester E nirlltiprelie B: RM 2.50, 1 7S-, I 2*; Juiiend u. grüne Kuten 0.5O. Büro: Zeughausstraße I, II , (10—1 Unr . Rul 184 18 Oemelndemitglieder mit geringem Monatseinkommen (unter RM 80.— brutto) können auf Antrag einen ermäßigten (grünen) Mitgliedsausweis des Kulturbundes erhalten, der zur Entnahme verbilligter Eintrittskarten berechtigt. Die Bewilligung des Ermässigungs-Ausweises hat die Prüfung des Antrages durch das Steuerbüro der Gemeinde zur Voraussetzung, die Ermächtigung hierzu ist dem Kulturbund bei Stellung des Antrages schriftlich zu erteilen. Beginn der Kulturbund-Spielzeit: ..Je«!" Komödie von Ladislaus Bus-Fekete Als Gesellschaftskomödie gewertet, erinnert Bus-Feketes „Jean" an Stücke von Wied, Esman, Frank, Shaw, Wilde, Sternheim, ohne indes literarisch ihnen nahezukommen. Da-zu fehlt es Jean, dem als Muster geltenden Kammerdiener, an einem einigermaßen wirklichkeitsgetreuen Milieu. Oder erscheint es glaubhaft, daß die mit dem politischen Leben eng verbundene Magnatenfamilie von der Wahlkandidatur ihres Dieners erst dann erfährt, als seine Wahl zum Abgeordneten durch den Funk gemeldet wird? Aus einer Häufung solcher Unwahrscheinlichkeitcn bestellt, kritisch betrachtet, der eigentliche Handlungsverlauf. Das Vorrecht des Schriftstellers, sich von den Fesseln des Alltagslebens freizumachen, die Grenzen des Lebensmöglichen zu durchbrechen, soll Bus-Fekete indes nicht bestritten werden. So gesehen, entscheidet über sein Stück nicht die Lückenhaftigkeit des Geschehens, die keineswegs dem Komödienstil zugute gehalten werden braucht, sondern die gesellschaftssatirische, menschliche Gestaltung der handelnden Persorien. Jean ist als Hauptfigur nicht Zubehör eines Herrschaftshauses. Er ist Träger einer sozialen Idee. Für ihn kann dfe Lebenssphäre seine/ Brotgeber nur Verpflichtung sein, durch Schmälerung automatischer Vorfechte seinen Standesgenossen zu helfen. Voraussetzung dafür ist, daß er Pflichtgefühl,,Gewissenhaftigkeit, Verantwortlichkeitsbewußtsein, die für ihn als „Vollblutkamnierdiener* unerläßlichen Tugenden, auf das poHtische/Leben übertragen kann. Da dies, unmöglich ist, bleibt nur der Weg des Kompromisses Bus-Fekete läßt Jean der vergötterten Frau zuliebe, die keine andere als die gräfliche Tochter seines Herrn ist, auf die kaum begonnene politische Laufbahn verzichten. Im Wirrwarr der Begebenheiten können die gräflichen Herrschaften tatsächlich nur bestehen, wenn sie menschlich persönlich gewertet werden. In diesen Gesichtskreis gezwängt, wirkt ggf altgräfliche Politiker, erfahren in allen Künsten starrdesherrlicher Freuden, überaus s'vmpa hisch. Gattin und Tochter stehen ihm, allen Hemmnissen /.um Trotz, an vornehmer sozial abständiger Gesinnung nicht nach. Außenseiter ist nur der Schwiegersohn.' Bu>-Feketes Stück wird über alle Bedenken hinweg von vornherein erfolgreich sein, wenn es so vorzüglich gespielt wird, wie es bei der Dresdner Aufführung der Fall war. Für die Titelrolle stand in Hans Heinz Friedeberg ein Charakterhonvivant zur Verfugung, der kraftvoll schlicht, nicht im mindesten unnatürlich wirkte. Die junge Gräfin, Jeans spätere Frau, gab Ruth Mannheimer, die in Sprache und Erscheinung mit wundervoll beseeltem Ausdruck spielte. Szenenbestimmend war der darstellerisch hervorragende Julius Koblerals alterüraf. Um seine Frau glaubhaft zu machen, erschien Erna Cohn (Lorenz) zu jung, trotzdem bewieß" sie in feinsinnig erfaßten Einzelphasen auBerordent iches Können. Kurt Schindler bot als skrupelloser Schwiegersohn eine durchaus persönliche, schauspielerisch gediegene Leistung. M a x Wächte r zeigte Wandlungsfähigkeit und echte Komik. Elisabeth Springer spielt« eine Zofe ungemein fesselnd. Hans Buxbaums Regie hat das'Verdienst, aus Bus-Feketes Komödie durch ein erstaunlich kultiviertes Ensemblespiel alle Wirkungsmöglichkeiten hörausgeholt zu haben. Er erreichte dies szenisch, indem er für die Bühnenbilder von Egon' Markus den denkbar günstigsten Rahmen schuf. Restlos befried gte das ausgezeichnete 3. Bild, während die sonst gezeigte Dekoration allerlei überflüssige Zutaten aufwies. Der Gesamteindruck, '!en die Eröffnungsvorstellung unserer dieswinterlichen Kulturbund-Spielzeit hinterließ, war indes allseitig^befriedigend. Das ging aus dem stimmungsvollen Verlauf des Abends und dem reichen Beifall, der den Hamburger Bühnenkünstlern zuteil wurde, einwandfrei hervor. Gta/% joa<him«ha; ERNST LANDSBERGER Hypotheken — Grundstücke — Kredite WAISENHAUSSTR. 22 - Ruf 14 063