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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1937-07-24 · 15 (24.7.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
13 (1937)
Issue
15 (24.7.1937)
Date
1937-07-24
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Organ der flrOCHon Mitteilungsblatt des „Sächsisch. Israelitischen Religionsgemeinde UlwdllCll 'Israelit. Gemeindeverbandes" Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet. XIII. Jahrgang Dresden, den 15. August 1937 Nr. 16 Jüdische Profile eines Jahrhunderts*) Von Ma'fr Gertner l ' „ III. Rabbi Israel Baal-Schem-tow. (Forts, aus Nr. 15) I Sehnsucht. Die Leuchte. Die Erleuchtung, die er hatte, machte ihn fähig, eine Leuchte Israels, ein Führender seiner Glaubensbrüder und ein Erhellender ihres Innern, ein Erneuernder ihres religiösen und Erfreuender ihres menschlichen Lebens zu werden. Frische . Lebensfreude in die schwermütigen Geister und neues Glaubenslicht in die düsteren Herzen hineinzutragen, war sein Hauptwerk. Nicht nur den irrlichterhaften Trugwahn falscher Volkserlösung — aus Smyrna herkommend — und dem irrigen Licht trügerischer Welterlösung — der Asketen in aller Welt — entgegenzuarbeiten war ihnt beschieden; er war auch — ohne es historisch gewußt zu haben — der Antipode zweier anderer echterer Lichtverbreiter; Spinoza und Mendelssohn. Mystische Asketen und kabbalistische Messiasse zogen aus den Lichtquellen der Phantasie und des Gefühls ihre Kräfte. Erstere rangen minder Frage Gott—Welt, letztere mit dem Problem Israel und sein Leid. In Amsterdam und in Berlin gingen zwei Juden, ein Jahrhundert voneinander getrennt, an diese beiden Fragen mit Kräften aus den'Lichtquellen des Denkens und des Verstandes heran. Spinoza löste mathematisch-denkerisch das Rätsel Welt—Gott durch die Gleichsetzung von beiden. Ein Grundpfeiler des biblischen Glaubens, das Dasein eines persönlichen Gottes, wurde zerstört; gewissermaßen vom Uberscharfen Verstandeslicht verbrannt. Mendelssohn versuchte die Frage Judenlage in der Welt aufklärerisch-pädagogisch durch Annäherung beider Welten vermittels europäischer Bildung zu lösen. Es war historisch unvermeidlich, daß das Hineintragen kalten europäischen Bildungslichtes in den glühenden jüdischen Glaublensraum „zersetzend“ wirken und zu großem Abfall., führen mußte. Eine Synthese von Europa und Judentum, fast unlösbare jüdisch-geschichtliche Aufgabe, wollte ihm noch nicht gelingen, und die Strömung, die von Mendelssohn ausging, hatte zwei Flußtäler: das Tal des Segens und das des Unheils. Seine eigenen Kinder wurden abtrünnig. Die Lehre und das Wirken von Israel Baal-Schern;-tow widersprach — ohne daß er den Amsterdamer und Berliner kannte — der Gotteslehre des denkgewaltigen Spinoza und verwarf den FOTO 'WETTBEWERB Die Zahl der Einsendungen ist — offenbar infolge der eben erst zu Ende gehenden Ferienzeit und der teilweise schlechten Witterung — noch nicht so groß, als angenommen werden konnte. Viele glaubten auch, sich wegen mangelnder technischer Kenntnisse nicht beteiligen zu sollen. Es wäre durchaus falsche, sich durch diese Erwägung von der Teilnahme am Foto-Wettbewerb abhalten zu lassen. Am Wettbewerb selbst nehmen nur Laien teil. (Berufsfotografen werden sich lediglich an der geplanten Ausstellung beteiligen). Bei der Beurteilung ist die geschmackliche Auswahl des Motivs ebenso wichtig wie die fototechnische Seite der Aufnahme. Niemand lasse sich also abhalten, dem Gemeindeblatt seine Aufnahmen einzusenden. Wertvolle Fotopreise stehen zur Verfügung. Letzter Einlieferungstermin: 25. August 1937. Bekanntgabe des Ergebnisses Mitte September. Jüdischer Kulturbund Dresden im Reichsverband d. Jud. Kulturbünde in Deutschland ZeughausstraBe 1,1. Ruf 18418. Geöffnet werktägl. 10-11 Uhr Erneuert die Mitgliedskarten!• WERDET ABONNENTEN! 10 Anrecht«Abende: Theater-Aufführungen / / Konzerte Rezitation / / Tanz / / Heiteres Kinder-Nachmfttage (frei) Wer sich die Plätze jetzt belegt, hat noch Auswahl ■■■■■■■■■■■■■111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111 Ghettoauflösungsversuch des aufgeklärten Mendelssohn. In' Polen war Europa noch nicht angelangt, und Baal-Schem-tow wußte von, seiner Existenz nichts. Er blieb beim alten jüdischen Gott und im alten jüdischen Lehrhaus. Dort wurde er zur Leuchte. Der Lehrer. In der Jugend war er Kinderlehrer. Schon damals wich er vom Gewöhnlichen ab. Er sang mit den Kindern auf der Straße und erregte Aufsehen. Er liebte sie und sie liebten ihn. Später wurde er Lehrer seines Volkes. Nicht im Talmudsondern im Glauben. Seine „Offenbarung“, sein Heraustreten aus dem Unb^kanntsein fällt ungefähr in das Jahr 1735. 1750 erläßt er das „Chassidische Manifest“. Um dieselbe Zeit fast veröffentlicht Mendelssohn in Berlin seine erste philosophische Arbeit Baal-Schem-tow heißt: Besitzer des guten Namens. Es gab'viele Gottesmänner, kabbalistische Heilige, die Kranke heilten, Gebrechen besprachen, Dämonen austrieben, die man Baal-Schem, Mann des Namens, nannte. Mann des guten Namens hieß nur dieser eine. Auch er war im Volke zuerst durch Wundertaten an Kranken körperlicher wie seelischer Art, durch Zuspruch an Trostbedürftige und allerlei Hilfe an Notleidenden bekannt geworden. Er war ein Mann des einfachen Volkes. Er kannte es und war seiner Seele nahe. Dfcr einfache arme und Ungelehrte Mann aus dem Volke war sehr einsam in jenen Zeiten. Talmudstudium erfordert Zeit und besondere Fähigkeiten. Der Glaube des schlichten Juden war durch allerlei finstere, moralisierend« Asketenbücher von Furcht vor Höllenpefn und ewiger Verdammnis umschattet; seine Vorstellungswelt war voll von Aberglauben, der die Aufrichtung durch den Glauben erschwerte. Durch die starke Betonung des Intellektuellen entstand eine Kluft zwischen Rabbiner und Volk. Die soziale Lage des einfachen Mannes war unerträglich schwer. Ein Volksmann wie Israel Baal-Schem-tow verwuchs mit diesen abgehärmten Menschen und wurde unter ihnen sehr bekannt. Aber auch Gelehrte lernten ihn kennen und schlossen sich ihm an. Nach und nach wurde er Mittelpunkt eines kleinen Kreises,-Ausgangspunkt einer großen Bewegung. Seine Jünger glaubten an ihn, verbreiteten seine Lehre, und das ganze Judentum Südrußlands wurde in seinen Bann gezogen. Es entstand die chassidische Bewegung. Seine Anhänger nannten sich C h a s s i d i m, 'Fromme. *) Vergleiche auch Nr. 12, 13, 14 und 15. Forts, folgt. DRESDEN A82A 7480330752

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