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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1936-03-15 · 6 (15.3.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
12 (1936)
Issue
6 (15.3.1936)
Date
1936-03-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Genie ndeblall der Israelitischen Religior»sgemeinde Dresden Amtliches Organ des Gemeindevorstandes * Mitteilungsblatt des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes * Verantwortliche Echristleitung; Leo Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische Sleligionsgemeindr Dresden»A. l, Zeuahausstraße 3 / Auf 14031 und 17887 / / Verantwortlich für den Inseratenteil: 3«. Eternlicht, Oresben-A. 19, Etübsl-Allee 33 / / Aus 34183 / / Annahmestelle ür Inserate ebenda / Oie 4 mal gespaltene 48-mm.Zell« tostet 22 Pfennig, laufend Rabatt / Druck: A. Gruhnert, Dresden-A. l, Ammonstr. dl XII Zahrg. Oresden, den IS. März 1SL6 Nummer 6 Wirtschastsauffchwung und verschlossene Tore Oie wanderungspolitische Lage der Gegenwart Oer Hilfsverein der Juden in Deutschland übermittelt uns folgende Darstellung: Oie wanderungSpolitische Lage steht zur Zeit im Zeichen mehrfacher Gegensätze. In wirtschaftlicher Hinsicht besteht vor allem der große Kontrast zwischen der fortschreitenden Erholung der wichtigsten überseeischen Einwanderungsländer, wie Südafrika, Brasilien, aber auch Argentinien, Australien, Kanada und nicht zuletzt den Vereinigten Staaten, und der fast unverändert schweren Wirtschaftskrise in vielen europäischen Ländern, die, noch -1933 bas Ziel tausender von deutschen Juden waren. Insbesondere sind es die Länder des »Soldblocks", also vor allem Frankreich, Holland, die Schweiz und Belgien (trotz der Abwertung in diesem Lande), die noch immer auf das schwerste unter der Krise leiden und schon deshalb für eine jüdische Zuwanderung nicht in Frage kommen, zumal die Wirtschaftskrise hier, wie fast überall, die Gesetzgebung und Verwaltung im fremdenfeindlichen Sinne beeinflußt hat. Das Höchstmaß an Hoffnungen, daß man bezüglich dieser Länder hegen darf, wird dahingehen, daß sich die Lage der dort schon ansässigen jüdischen Flüchtlinge nicht weiter verschlechtert, eine weitere jüdische Zuwanderung kann höchstens in den seltensten Ausnahmefällen verantwortet werden. Außerordentlich schwer lastet die Wirtschaftskn'se zur Zeit auch noch auf der Tschechoslowakei, in der vor zwei Fahren noch tausende deutscher Iuden Zuflucht suchten und zunächst eine gastliche Aufnahme fanden. Verbietet in diesen Ländern schon die wirtschaftliche Lage jede neue Einwanderung, so haben die glücklicheren europäischen Länder, wie insbesondere England und die dem pfundblock angeschloffenen skandinavischen Staaten, (vor allem Schweden), durch scharfe gesetzliche Maßnahmen dafür gesorgt, daß trotz ihrer schnell fortschreitenden wirtschaftlichen Erholung eine Zuwanderung von Ausländem in irgend einem nennenswerten Umfang nicht erfolgen kann. Go stehen wir insgesamt vor der Tatsache, daß die europäischen Länder für die Einwanderung deutscher Iuden überhaupt kaum noch in Frage kommen. Oie einzige wesentliche Ausnahme bildet zur Zeit Italien, für das seit einiger Zeit besondere Möglichkeiten des Kapitaltransfers bestehen, die auch in nicht unerheblichem Ausmaße das Interesse jüdischer Kretse finden, zumal seitens der italienischen Regierung der Alederlaffung jüdischer Kaufleute und Industrieller im allgemeinen keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Das allerdings die Auswanderung nach Italien bei den ungeklärten politischen Verhältnissen des Landes mit einem gewissen Risiko verbunden ist, ivkrd niemand verkennen. Im Gegensatz zu den Wirtschaftsnöten und geringen Einwandemngsmöglichkeiten fast aller europäischen Länder, bieten wichtige überseeische Staaten das Bild schneller Erholung, ja teilweise völliger Überwindung per Wirtschaftskrise. Vor allem steht Südafrika augenblicklich in inner Periode der Hochkonjunktur, wie sie bas Land kaum jemals erlebt hat. Diese Tatsache hängt mit der Aufgabe deS Goldstandards durch den pfundblock zusammen, wodurch die südafrikanische Goldproduktion (infolge des gestiegenen Goldpreises) zu außerordentlicher Aktivität angesiachelt wurde. Insbesondere der Baumarkt ist zur Zeit ungemein lebhaft, so daß gelernte Handwerker in diesen Branchen leicht und zu Verhältnismäßig hohen Löhnen Arbeit finden, aber auch in der übrigen Industrie wirkt sich der Aufschwung des Landes stark aus. Diese Tatsache ist für die jüdische Einwanderung aus Deutschland von umso größerer Bedeutung, als ja Südafrika für die in den Grenzen des heutigen Reiches geborenen Iuden verhältnismäßig leicht zugänglich ist, d. h. es wird im allgemeinen nur ein Volzeigegeld von mindestens L 100.- bei der Landung verlangt. Tatsächlich ist auch in den letzten Monaten die Einwanderung nach Südafrika (die schon bis Ende 1933 mindestens 2000 deussche Iuden ins Land gebracht hatte), sehr stark gewesen, doch bietet die Imigration der letzten Zeit sehr große Schwierigkeiten der Unterbringung, weil trotz aller Warnungen eine große Anzahl von Kaufleuten, für die im Lande Betätigungsmöglichkeiten kaum vorhanden sind, neu eingewandert ist. Infolgedessen sind die Löhne für kaufmännische Angestellte stark gefallen und die Aussichten, bald Arbeit zu finden, sind schlecht. Dagegen ist für Handwerker, qualifizierte Arbeiter und Ingenieure Südafrika nach wie vor ein ungemein aussichtsreiches Gebiet. In den großen Staaten Südamerikas, besonders in Brasilien und Ehile, besteht zur Zeit ein starker Kontrast zwischen dem schnellen Wirtschaftsausschwung auf der einen Seite und den noch fast unverändert fortbestehenden rigorosen Einwanderungsbeschränkungen auf der anderen. Fast alle südamerikanischen Länder sind zur Zeit vom Tiefpunkt der Krise schon weit entfernt, von Brasilien - dem aus natürlichen Gründen < weitaus zukunftsreichsten Lande des südamertkanischen Kontinents - wird man ohne Übertreibung sagen können, daß die Krise vollkommen überwunden ist. Leiber ist aber eine Ausnutzung der durch den Wirtschaftsausschwung dieser Länder gegebenen Arbeitsmöglichkeiten für deutsche Iuden zur Zeit nur in beschränktem Umfange möglich, weil die strengen Einwanderungs- Vorschriften nur einer kleinen Zahl von jüdischen Einwanderern die Landung gestatten, - prakttsch gesprochen fast nur denen, die entweder drüben nahe Verwandte (in Brasilien können auch Freunde die notwendigen Anforderungsschreiben ausstellen) oder erhebliche Geldmittel besitzen. Es steht aber zu hoffen, daß die fortschreitende

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