Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 11 (1.6.1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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ttr. 1t ÄernetndeÜlatt der Israelitischen Heligionßgemeinde Dresden Seite Dresdner Jüdische Künstlerhife Ein Abend des Humors fand unter dem Protektorat der Jüdischen Künstlerhilfe, Dresden, als verspätete Lag Boaumer-Veranstaltung im Großen Saale der Kaufmannschaft statt. Drei seit Jahrzehnten in Deutschland auf ihrem Gebiete hochangesehene Künstlernamen hatten ihre starke Anziehung nicht verfehlt: Willy Prager - Willy Dosen. OaS produktivste Element von ihnen entwickelte der Komponist Willy Dosen, der viele seiner zündenden und durchweg geschmackvollen Schlager charmant und künstlerisch stilvoll vortrug, und sich dabei als ebenso ausgezeichneter Pianist, wie Sänger und Rezitator der eigenen Texte und Musik erweisend. Neben ihm bewahrte Willy Prager, der bekannte Kabarettist und Librettist zahlreicher Operetten, seine besondere Individualität, die heute einen verständlichen Teil Wehmut in all seine humorvollen Gaben einfließen läßt. Kapellmeister Fritz Prager (uns Dresdnem von seiner langjährigen Tätigkeit am hiesigen Eentral-Theater bekannt und Komponist besonders beliebter und gekonnter Gebrauchsmusik für das Dariete) begleitete sowohl seinen Bruder, wie auch die beiden mitwirkenden Damen mit einer selbstverständlichen Überlegenheit. Else Posen müßte ihre Ehansons noch farbiger und natürlicher pointtert gestalten; in Hanni Dosen lernte man eine Type im Stile Heinrich Zille's kennen, bei der sich jene Berlin-Moabiter Mischung von früher Verdorbenheit, grauslicher Sentimentalität und prtmitiver Keßheit in Gestalt und Stimme echt vorfand. Als heiterer Ansager wußte Heinz Ganther die Pausen amüsant auszufüllen. Wenn viele Besucher, eine in der heutigen Zeit selbstverständliche Scheu vor diesem leichtgewogenen Kunst-Genre überwinden mußten, so half dazu wesentlich der Gedanke, den auftretenden namhaften Künstlern dieses Gebietes auch in unserer Mitte jetzt zu einem Wirkungskreis zu verhelfen und damit praktische Künstlerf fe zu treiben; andererseits wurde man durch die wirklich durchirbeiteten, von jedem Dilettantismus weit entfemten Leistungen r prominenten Mitwirkenden voll befriedigt. 8. 25. Plastik von Dose Simon war im Hause Prof. Breit, Prellerstraße aufgestellt. Es sind starke Talentproben, die da in Holzrelies, Bronze und Gteinguß, in Wachsmodellen und Deproduktioarn zu sehen sind. Oie in Lindenhol; geschnittene figürlich < phantastische Komposition „Der Mond* - eine stille Frauengestalt vor der' Mondscheibe, umgeben von stilisierten Wolken, WaffeNvoA«» mtt Schiffen, Bergen und Städten - verrät den Einfluß, ihres berühmten Berliner Lehrmeisters Prof, perathoner, in dessen Sinne auch die Holzschnitzerei der Szenen des Propheten Jonas: seine Berufung, Jona mit dem Walfisch, Jona predigt Ninive, Jona unter dem Kürbis volkstümlich derb angelegt sind. Unter den sehr gelungenen Kinderköpfen sei die Bronze der Gisela F. als besonders reizvoll und charakteristisch hervorgehobm. E. B. *; S > * vte Jüdische Buchvereinigung -Die Jüdische vuch - Vereinigung in verlin ist in dem einen Jahr ihres Bestehen; ein wichtiger Faktor im jüdischen Kulturleben geworden. Trotz der Ungunst der Verhältnisse hat sie in diesem Jahr etwa 6000 Mitglieder gewonnen; ein Zeichen dafür, daß sie auf dem rechten Wege ist. ver Grundgedanke, der zur Gründung der Jvv geführt hat, war von außerordentlicher Durchschlagskraft; jüdischen Schriftstellern eine neue Gelegenheit zu schaffen, ihre Werke herauszubringen, und eine Gemeinschaft zusammenzuschließen, die diese Werke zu einem äußerst niedrigen Preis erwerben kann. Die Frage ist nun: 2n wieweit hat die Jvv bereits diese; pro- , gramm verwirklicht und wa; wird sie im Jahre 1935 ihren Mitglieden» bieten können? Die Jvv veröffentlicht in jedem Jahr nur 4 Bücher, daneben eine Zeitschrift, die in zwangsloser Folge erscheint. Umso mehr hat sie die Verpflichtung sorgfältigster Auswahl, gewissenhaftester Siebung, vom Vesten das Veste muß ihre Devise sein. ' Dabei aber muß sie die vedürfniffe ihrer Mitglieder, die durch Zeit und- Umstände gegeben sind, berücksichtigen. Unter diesem Gesichtspunkt kann man über Georg Hermann; Roman: Lin« Zeit stirbt, der als erstes vuch heraus kam, verschiedener Meinung, sein. So fteudig di« zahlreich«- Hermanngemeinde jeder neue Such des Verfassers von Jettchen Gebert begrüßt, ob er seinem Stoffe nach gerade für dies« Zeit geeignet war, mag dahingestellt bleiben. Umso dankenswerter war es, daß die Jvv sich ihrer Ehrenpflicht bewußt war, den nachgelassenen Roman von Jacob Wassermann, der sonst in Deutschland nicht mehr erschienen wäre,-herauszubringen. Auch die Darbietung der Tora in der neuen Übersetzung von Harry Torczyner verdient höchste Anerkennung wir haben den Eindruck, al» hätte die Veröffentlichung der Kindheitserinnerungen der großen Sionistenführer; Shmarya Lew in: Kindheit im Exil, ein Buch, das wie kein andre», Einblicke in das ostjüdische Leben gewährt, durch seine lebenswahre Darstellung am meisten von allen Büchern de» Jahre» 1934 den veifall der Mitglieder gesunden. 2m Jahre 1935 erschien bereits da» vuch von Professor Elbogen, von dem «in Kritiker schrieb: „Die Herausgabe oer Geschichte der Juden in Deutschland sei ein ganz besonder«, Ruhmesblatt für die Jvv. Sie ist im besten Sinn« gleichzeitig populär und streng wissenschaftlich-. Die große Anerkennung, die Shmarya Leoin» erste» vuch gefunden hat, veranlaßt« di« Jvv ein zweite» vuch derselben Verfassers: Jugend und Aufruhr, anzukündigen, da» schon 15. Juni erscheint. ver lang erwartete palästina-vilderband ist nun auch gesichert; wir wiffen, daß hier etwa» ganz vesonderer geplant ist und Zweifellor wird da» vuch höchste Erwartungen erfüllen, da vr. Georg Landauer als Herausgeber dieser Bande» gewonnen ist. 2n der Mannigfaltigkeit de» Programm» darf auch «in Roman picht fehlen, wie wie erfahren, hat dt« Jvv eiuen Roman von Karl Jacob Hirsch, der bereit» durch fein „Kaiserwetter' (Verlag S. Fischer) rühmlichst bekannt geworden ist, als vierte Veröffentlichung vorgesehen. Auch der Titel steht schon fest: „Hochzeilsmarsch in Moll'. Die Leistungsfähigkeit der Jvv hängt naturgemäß von dem Interesse ab, Da» da; deutsche Judentum ihr entgegenbringt. Je nzehr Menschen sich ihr anschließen, desto höher kann sie chre Leistungen steigern. Schon, jetzt bietet sie für RM 3.25 Vierteljahres beitrag vier umfangreiche auf bestem Papier gedruckte, in Ganzleinen gebundene Werke. Grund genug für jeden, der noch nicht Mitglied'ist, Mitglied zu werden und dadurch an der großen Aufgabe mitzuhelfen, dg; jüdische Kulturgut zu wahren und mehren und sein Dasein und Wachstum zu sichern und zu fördern. Buchbesprechungen Vas Palästina-Bilderbuch. 96 Photographien von Hans Easparius. Vorwort und Text zu den Bildern von Arthur Jkindk. E. p. Tal und Eo. Verlag. Leipzig-Wien 1934. Unter den mit vielem Verständnis aus zahlreichen' Deisephotos ausgewählten Bildern befinden sich sehr eindrucksvolle Aufnahmen, die Arbeit und Freizeit, Spiel und Sport, Farm und Wüste und vieles andere vortrefflich illustrieren. Wer mehr zu sehen wünscht, als unsere landläufigen Vorstellungen es uns ahnen lassen, greife zu diesem Buche, das in dem aufmerksamen Beschauer ein abgerundetes Gesamtbild des zu neuem Leben erwachten Gelobten Landes erstehen läßt. Oie 96 Bilder, durch Tiefdruck hervorragend reproduziert,' geben - besser als Deiseberichte es zu tun vermögen — ein lebendiges Bild von der palästinensischen Wirklichkeit. Or.I. . DRESDEN PHYSIKALISCH¬ DIÄTETISCHE HEILANSTALT Moderaitc Kurelnrlch(u«fen. Ipr«iblr«l» pT'MUlf* Pr»U«. Oelfplao. Proap»k<».