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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-03-01 · 5 (1.3.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
5 (1.3.1935)
Date
1935-03-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5 Seite S dtemeiabellatt der Israelitische« Weligtonlgcwetiibe Steifet« Mitteilungen i über Dresdner jüdische Kulturveranstaltungen Jüdische Künstlerhilfe Dresden Kulturveranstaltungen 1934/1935 Donnerstag, den 7. März 1935 abds.ö^Uhr, Gr.Saal der Dresdner Kaufmannschaft Konzertabend Das Wittenberg-Trio Prof. Alfred Wittenberg, Violine — Paul Blumenfeld, Violoncell — Walter Goldmann, Klavier. Beethoven, Gelster-Trio. — Dvorak, Cello-Konzert. — Brahms, H-Dur-Trio. Eintrittskarten zu RM 2.50, 1.75 u. 1.25 Im Gemeindeamt, Theaterkasse Reka und Buchhandlung Strauß. Jugendkarten durch die Jugendbünde, an der Abendkasse nur gegen Vorzeigung der Mitgliedsausweise der Bünde. Gustav Mahler-Abend 3m Rahmen des von der Jüdischen Künstlerhilfe Dresden ver> anstalieten ZykluS sprach über „Gustav Mahlers Lied* die Berliner Musikhistorikerin Or. Anneliese Landau, die sich damit alS eine ungewöhnlich fympaihische Rednerin vorstellie und bedeutende Kenntnisse mit gewandter Vorstellungskraft vereinigt. Ihre Ausführungen über Leben und Werk des großen Sinfonikers Gustav Mahler zeugten von Begeisterung und Tiefblick und wurden durch Beispiele am Klavier unterstützt, die ein Reffe des Komponisten, Wolfgang Rosö, mit vollem Einfühlen darbot. Dann 'sang der Bariton Fritz Lechner (Berlin) mit echtem Gefühl für MahlerS Raturklönge und schmerzlich süße Erotik die „Lieber eines fahrenden Gesellen.* Ein sehr wertvoller Abend für jeden mustkllebenben Hörer, der - fern oberflächlicher Unterhaltung - in die wahren Tiefen künstlerischen Schaffens ringeführt zu werden wünscht. 25. Konzert Grete Anschel-Hofstein und Walter Goldmann Ein Konzert auf zwei Klavieren veranstalteten die bekannten Dresdner Künstler, die Pianistin Grete Anschel-Hofstein und Kapestrneister Walter Goldmann, im großen Saale der Harmonie unter dem Protektorat der Jüdischen Künstlerhilfe, und sie fesselten ihr großes Publikum mit einem erlesenen, guten Programm. Als Mitwirkung hatten fle/die Berliner Altistin Paula Lindberg gewonnen, die sich mit liebenswürdig und stilvoll vorgetragenen Liebem auS dem -18. Jahrhundert sowie prächtigen Gesängen von Franz Schubert noch neue Freunde ihrer edelen SangeSkunst hier gewann. Om Höhepunkt der DortragSfolge bildeten die großartigen „Danastonm und Fuge über ein Thema von Mozart* von Max Reger, wobei Grete Anschel-Hofstein und Soldmann ihre ausgezeichnet aufeinander eingespielte Technik entfalten konntm, und sowohl durch straffe Rhythmik, modulationsfähigen Anschlag und künstlerische Auffassung und Steigerung das grandiose Werk voll zur Geltung brachten. Eingangs hatten sie eine Mozart-Sonate leichtbeschwingt dargeboten und als Schlußnummer: Tänze von Eyrill Scott (dem „englischen Oebussy*), voll impressionistischer Stimmung, und den „Frühlingsstimmen-Walzer* von Johann Strauß mit seinem ewig jungen Melodienschwung. Mit Recht wurde den Künstlern mit starkem Beifall gedankt. B. Religion und Kultur in Palästina Vortrag von vr. Ernst Simon, Haifa-Frankfurt. Km Sonntag, den IZ. Januar sprach in der dichtgefüllten Synagoge der bekannte Pädagoge und Neligionswiffenschaftler vr. Ernst Simon über obige», allseitig sehr interessierende» Thema. Seinen Klar auf. gebauten Ausführungen schickte er seine vefinition-der beiden Gebiet«: .Kultur und Religion" vorauf und zwar sei Kultur vom Menschen geschaffene» Werk, während Religion gerade da» sei. wa» der Mensch nicht selbst machen könne: umgekehrt, Religion habe un» geschaffen. Zn der Geschichte aller Völker und Glaubenrgemeinschasten spiel« ja di« Beziehung de» Menschen zum Schöpfer und der von ihm erzeugten Welt eine außerordentliche Rolle, wir Menschen könnten die v«. Ziehungen zum schöpferischen Prinzip aber nur aurdrücken durch Mittel, di« dem Bereiche der Kultur angehören. So macht« der Redner den versuch, erst beide Gebiete gesondert zu behandeln, um zum Schluß noch die Beziehungen beider zu einander aufzuzeigen. Um di« Situation der jüdischen Religionen Palästina wirklich tiefschürfend darzulegen, ließ vr. Simon ein« Einführung in di« Geschichte der Wanderungen nach .Lrez" vorangehen, au» der fich di« verschiedenen Färbungen der Religiosität im Land« ergab: di« Arthodoxen, die Kabbalisten, die Ehassidim, die Mi»rachi. Daneben befindet fich «in« rein national« und sozial« Gesinnung statt der religiösen, vi« religiös« Haltung der Lhaluzim wird durch da» Schlägwort: .Religion der Arbeit" beleuchtet. Ven 2. TeiLde» Abend» widmet« Vr. Simon der Kultur Palästina»: der hebräischen Sprache, der Schule, der Ltteratur, den Zeitungen und Büchern, dem hebräischen Theater, vie häbräisch« Schul« hält vr. Simon einer europäischen guten Schul« für durchaus ebenbürtig. vi« hebräische Sprache ist seiner Meinuitg noch in Gefahr: man spreche im Lande oberflächlich und vernachläsfig« die religösen alten (Duellen, ohne di« die hebräisch« Au»drulk»w«is« sich nicht al» tragfähig erweisen könne. — vie jüdischen Zeitungen seien zwar noch sehr gut geschrieben, aber eben von Persönlichkeiten, di« da» gelernt haben, war man heute in Palästina nicht mehr lernt. Interessant waren die Mitteilungen über vucherscheinungen. — Ein eigenständige» hebräischer vrama existier« noch nicht. So wirke di« .Habimah", da» hebräische Theater, mehr wie ein russischer Theater Stanislawsky, und e» hat fich gegenüber diesen extremen Marken «in eigene» Arbeiterschauspieler-Ensembl« gebildet. Schließlich erwähnt« er noch die Aufführungen einer politischen Tabaretr: Matate« (ver Besen), der kritisch Mißftänd« aurkehren will. Sehr eigenartig war vr. Simon» Erkenntni», daß wir Juden nicht unsere historisch« Zeit leben, sondern daß Glieder unsere» volkrkörper» oft den Epochen weit voraus seien, andererseits di« große Masse weltanschaulich der westlichen Kultur Europa» nachhinke. So erklärt er auch den religiösen Anschauungskrei» der jetzigen Kultur- und Rellgionrauffaffung in Palästina al» «in verspätete» Vurchleben de» rationellen Aufklärungszeitalter», da» in West-Europa bereit» durch neue tiefere geistige Bindungen abgelöst worden ist. vielleicht wird der mit echter europäischer Kultur erfüllt« Einwanderer «ine gewiff« Mission gerade bei den Lhaluzim zu erfüllen haben, (die jetzt auf dem Boden der naturwissenschaftlichen Anschauung etwa von Häckel» welträtseln stehen geblieben find). Vie Substanz de» Judentum» kann gegenüber dem Ansturm der Venkgehalt« Europa» nicht unverwandelt bleiben, aber au» dem lebendigen Zwiegespräch mit den besten Leistern Europa» und au» der Begegnung zwischen dem Träger der alten jüdischen Substanz (dem Talmid Lhacham) mit dem jungen Träger der jüdischen Funktion (dem Typu, Lhaluz) könne in Erez hebräisch« Kultur und jüdisch« Religion noch einen neuen Morgen erleben. > E. v. ••NllllimiHtHN» Das fiiUcencUJxiM^Ka&aceit DccscUm! Täglich nachmittags und abends das große Programm Nachmittags Eintritt frei / Kein Qedecku. WeinzwangI WalsenhauastraBe / Telefon 22944!»■■—eeee————mmmm aa—a—e—aeape—eee—e ■—— eeee—s eee—— aeooeaaooaooa— assd—eeoee «aaaa—eesasepa—pi liissaMaM >wt——t—st»>ss»ee»e«s»»eseeeiesesssssessss oa—aw—eaeoao Meeeeeeeeeeee»* «■Saeeeeefteeei«»

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