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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1934-12-01 · 12a (Mitte Dezember 1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
10 (1934)
Issue
12a (Mitte Dezember 1934)
Date
1934-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Gemeilldeblall -er Israelitischen lKeligionsgemeinde Dresden Amtliches Organ -es Gemeindevorstandes .# Mitteilungsblatt des Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes * Verantwortliche Schristleitunq: Leo Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische Religionsgemeinde Oresden-A. l, Zeughausstraße 3 / Ruf 14051 und 17887 / Verantwortlich für den Inseratenteil: Jac. Sternlicht, Dresden-A. iS, Stübel-Allee 33 / Ruf 34)83 / Alleinige Annahmestelle ür Inserate ebenda / Die 4mal gespaltene 4S-mm-ZeIle tostet 22 Pfennig, laufend Rabatt / Druck: A. Sruhnert, Oresden-A. 1, Ammonstr. blj X. Fahrg. Dresden, Mitte Dezember -1934 Nummer 72» Weg und Aufgabe der jüdischen Jugendbewegung * Von Or. Kurt Freudenthal, Würzburg (Fortsetzung und Schluß) Wieder stand die Jugend sehnsüchtig in ungeheuerer Bereitschaft auf den großen Ginn, dem sie nachleben, den großen Gehalt, der sie ausfüllen könnte. Und dieser fand sich nun, bot sich ihr in der Form beS neuen nationalen Gedankens der stark, heldisch und zugleich mystisch Erlösung versprechend, mit ungeheurer Intensität von ihr Besitz ergriff. Und es ist bas für uns so bedeutsame und im Gegensatz zur bisherigen Entwicklung wie wir sahen, neuartige, daß unsere Fugend, mochte sie auch in der gleichen seelichen Verfassung sein wie die nichtjüdische - und sie war es, denn sie lebte ja im gleichen Schicksal - daß unsere Fugend an dieser Entwicklung nicht teilnehmen konnte. Denn der nationale Gedanke und die nationale Bewegung, sie enthielten als Konsequenz ihres Gehalts gerade eine Richtung, eine Front gegen das Nicht-Rationale, worunter vomehmlich bas jüdische verstanden wurde. Und so ergibt sich für die Gegenwart die eigenartige Lage, daß die jüdische Fugmd ausgeschlossen ist von einer Entwicklung, die, ,wie festgesiellt werden muß, den Großteil der nichtjübischen Fugend aus dem Stadium der bloßen Negation des Bestehenden und der Hoffnung auf das kommende Erlösende zu dem Gefühl tassächlich Erfüllung gefunden zu haben, gebracht hat. Und dieser Umstand konnte allerdings eine Überlegung nahelegen, die eine junge jüdische Fugendgemeinschast, die sich »der deutsche Vortrupp* nennt ansiellt: Kann nicht vielleicht der Gehalt der zeitgenössischen deutschen Fugendbewegung einfach analog mit irgendwie veränderten Vorzeichen übertragen werden auf unsere jüdische Fugendbewegung? Könnte man nicht einfach eine Lösung dadurch schaffen, daß man die jüdische Fugend der deuschen nachbildet, gleichsam als eine getrennte Formation? Diese Möglichkeit wird vom DD. bejaht, und er fordert daher für die jüdische Fugend die Einführung von Arbeitsdienstjahren, die Erziehung in Wehr- und Geländesportlagern, nicht etwa um sich assimilatorisch wiederum der Außenwelt anzupaffen, sondern mit den Mitteln einer straffen Disziplin die Möglichkeit zu haben, die Kräfte der jüdischen Fugend für jüdische und auch deussch-kulturelle Dinge konzentrieren zu können zu einer Erneuerung des deutschen Fubentums, zu der der Führer dieser Bewegung, Hans Foachim Schoeps, in seiner Schrift »Wir deutschen Fuden* glaubt Wege aufzelgen zu können. Es ist dieser, sich selbst grundsätzliche Bedeutung beilegenden Schrift, von allen Seiten attestiert worden, daß es ihr in keiner Weise etwa gelungen ist, tatsächliche Lösungen aufzuzeigen. Was sie trotzdem Beachtung verdienen läßt, ist eben das grundsätzliche Bemühen um die Gewinnung eines produktiven Nebeneinanders unseres Besitzes an jüdisch- und an deutsch-kulturellen Gütern, das Ringen um die Formel, durch die der jüdische und der deutsche Pol unseres -Gemsen Beziehung gebracht werden können, eint Formel, die Schoeps gewiß nicht gültig gefunden hat. Wenn diese Lösung aber von Sch. von dem eine Notiz einmal behauptet, daß ihm die preußisch-konservativen Staatsidee tiefste Erfahrung seines Lebens geworden ist, nur auf einem Weg gesehen wird, der dem von der deutschen Fugendbewegung mit Erfolg beschritten entspricht, so scheint mir hierbei eben das Wesentliche außer Betrachts gelassen zu sein, das einer Analogie im entscheidenden punft entgegensieht: Der gewaltige Rahmen der heutigen deutschen Fugendbewegun j erfährt seinen Sinn und seine Erfüllung doch eben erst dadurch, daß er sich als Instrument einem allgemein und bedingunslos anerkannten Führer zur Verfügung stellt. Er aber fehlt, wir haben dies ja bereits festgestellt, unserer jüdischen Fugend, ünd wenn Benz, eben als er von den Erziehungsformen spricht, die sich dir heutige deussche Fugend geschaffen hat, in ihr den geistigen Nachfolger der alten deusschen Fugendbewegung sieht, so nur mit der entscheidenden Abwandlung der nunmehr gefundenen Erlösung durch das geborgene Gefühl des vorhandenen echten Führertum«. Er schreibt dort: Hat es diese Zielstrebigkeit ohne Ziel, diese prachtvolle Bereitschaft qls Selbstzweck nicht schon einmal bei unS gegeben? Diese geheimnisvolle Macht von Zeichen und Abzeicher, von Haltung und Meldung über deren Inhalt, Wert und Sin, sich eigentlich niemand deutlich Rechenschaft gibt / diese Sehnsuckt nach echtem Führertum, diesen Willen zum Geführtwerden, dieser vollkommenen Verzicht auf eigenes Denken und Urteilen, der>da i vom angebeteten Führer Gesetzte und Gesprochene fanatisch hirnimmt? Diesen naturhast organischen Trieb, der leidenschaftlich nach Formen begehrt und in lebendigem Sich-Regen und Bewege > nach Gestaltung drängt? - Es ist in wesentlichen Eigenschaftei und Merkmalen die deussche Fugendbewegung, die hier weiterlek t und in ihrer Wandlung zu militanten und politischen nur ihre i Durchgang durch den Krieg bezeugt. Man muß es mit Deu - lichkeit erkennen. Einer entsprechend modifizierten Übernahme deS Vorbildes der heutigen deutschen Fugendbewegung sieht etwa; Letztes entgegen, was ihr Erfüllung bedeutet, müßte uns äußere Form bleiben. Oie Frage steht also offen: Was nun mit unserer jüdische. Fugend? üm es vorweg zu nehmen: Oie gegenwärssge Situativ > der jüdischen Fugendbewegung ist zu neuartig, als daß es ihr scho, gelungen sein könnte, Lösungen zu finden. Das äußere Bild zeigt das: Eine geradezu ungeheure Zersplitterung der jüdischen Fugeni, - t

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