Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 12 (12.1934)
- Date
- 1934-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 12 Seit* 7 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionlgemeinde Dredden Mitt6illinC)6n über Dresdner jüdische Kulturveranstaltungen JüdiscUc ICüM&edUtfe VcescUn Kulturveranstaltungen 1934/1935 . Mittwoch, nicht wie auf den Abonnementkarten irrtümlich vermerkt Donnerstag, den 5. Dezember 1934 pünktlich 815 Uhr abends, im großen Saale der Dresdner Kaufmannschaft Rezitationsabend Jenny Schaffer Otto Bernstein Ernstes und Heiteres - Werke von r- Bialik, Zuber. Schofem Alejchem, Goethe,Hebel, Börne, Auerbach, Lessing, Altenberg, Andersen. Nach der Pause unter Mitwirkung von Siegfried Lewinsky und Paul Skotzki Szenen aus dem Jeremias-Drama von Stefan Zweig. Über Jenny Schaffers jüngstes Gastspiel im Äerliner Kulturbund schreibt Hermann Sinsheimer im Äerliner Gemeindeblatt: »Über ihren Dang erhob sich die Aufführung besonders durch eine Leistung: durch die »Josefa Jenny Schaffers. Es war ein Genuß, dieser von innen heraus echten Schauspielerin zu folgen, wie sie das Frauliche mit dem Wienerischen mischte und daraus eine menschliche Form von hintergründiger Geltung erwachsen ließ. Diese Figur war erlebt und zart erlebt: ein Meisterstück zugleich der Diskretion und Dielsalt.* Aus einem Aries Thomas Manns an Otto Bernstein: »Meine Bewunderung für alles Meisterhafte, die beherrschte Leidenschaft, das geistgetragene Können ist die ehrlichste, und eben dies war es, was Sie uns boten und was recht bald aufs neu« durch Sie zu erleben wir angelegentlichst hoffen.* IV. Abend der Dresdner Jüdischen Künstlerhilfe: Konzert Paula Lindberg (Gesang), Stefan Stüber (Sello), Georg Bertram (Klavier). Dieser herrliche Konzertabend erfüllte die höchsigerichteten Erwartungen. Paula Lindberg, von deren hervorragenden künstlerischen Leistungen bereits begeisterte preffesiimmen aus aller Herren. —, ... — Länder verkündet hasten, trat zum ersten Male vor das Dresdner > außerordentlichen Erfolg ernteten. jüdische Publikum. Auch uns bezauberte sie durch ihre eigenartige samtene Altstimme, die eine milde Mezzosopran-Lage nach oben in sich schließt und ihr damit eine ungewöhnlich« Fülle an modulationsfähigem Ausdruck verleiht. In den ausgewählten Gesängen zeigte sich eine echte Künstlernatur, die ohne Sensastonen durch edelsten musikalischen Dortrag wirkt. Don unvergleichlicher Dollendung waren die Arien von Felix Mendelssohn-Bartholdy aus dem »Elias*: ergreifende Gesänge eines frommen Herzens, deren musikalische Konturen sie in wundervollen Steigerungen und krifiallner Klarheit zum Ausdruck brachte. Eine ebensolche Meisterleistung war daS berühmte »Hallelujah* von Mozart; die jubelnden Koloraturen ließen garnicht an die große Dirtuofität denken, die diesen bewundernswerten Ton-Perlenkesten der Sängerin zu Grunde liegt. Der begeisterte Äeifall wollte selbst nach der Wiederholung dieser Iubelhymne kaum enden. Zwei Lieder von Beet- Hoven: das »Büßlied* und eines der Klärchenlieder aus Egmontr »Freudvoll und leidvoll* kann man sich vornehmer und von Herzbezwingender Inbrunst getragen nicht vorstellen. Hier besonders - wie auch in den vorher besprochenen Liedern - zeigte sich die Klavierbegleitung Professor Georg Bertrams von hoher Bedeutung, fast als Ersah der orchestralen Einkleidung. In den Osten führten die russischen und jüdischen Lieder.- Moufforgsky war mtt »Wiegenlied* und »Hopak* vertreten, zwei geradezu bramastsche Gesangs-Szenen, die eine verblüffende Ausdruckskraft der Mistin offenbarten. Die verzweffelten Muster« gefühle im Dingen mit dem Tode an der Wiege des KkndeS drückt der bedeutend« russische volkstümliche Opernkomponist Moufforgsky ebenso ergreifend aus, wie er die bittere Leidenschaftlichkeit der Kosakenbraut in charakteristischen Tonwirbeln sich entladen läßt. In den sieben jüdischen Gesängen gelang es der Lindberg natürlich besonders, die darin ruhenden eigentümlichen seelischen Werte zum Leben zu erwecken. Das hebräische Liebeslied: »Schoschanah* war burchglüht von einem echten orientalischen Ernst des Gefühls,- die jüdischen Dolkslieder szum Teil im Iargon) enthielten aste Sstmmungen von Melancholie, Sentimentalität, Humor, selbst Deckerei. Wenn viesieicht auch der aus dem Osten stammende Zuhörer manche Düance des dort üblichen stark prononzierten Ausdrucks vermißte, so fesselte uns doch gerade die hohe künstlerische Gestaltung dieser Dolksmelodien. von denen »Oie Zymbel* einen tiefen tragischen Grundton offenbarte und das Wiegenlied »Dosinkes und Mandlen* in der Lindberg'schen Auffassung die starke Dührseligkeit verfeinert wiebergab. •* Stefan Auber, den wir als vortrefflichen Diokoncestifien noch von der Zeit seines Dresdner Engagements am philharmonischen Orchester her kennen, erwies sich wieder als der von den Meistern Klengel und Easals vollkommen ausgebildete Beherrscher seines Instrumentes in einer Beethoven-Sonate und den Tschaikowsky- Dariationen. Drückte er in ersierem Werk eine ruhige Würde, schlichte Empfindung, Zuversicht und Freudigkeit in klassischen Linien aus, so in den Dokoko-Dariationen ein« virtuose DielseiN'gkeit in Ton, Ausdruck und Technik. Georg Bertram war auch ihm ein stilvoller Degleiter am Äechstein-Flügel. AlS Pianist von echtem Schwung und höchsten Graden erwies sich Professor Bertram in drei Stücken von Ehopin, von denen insbesondere die G-Moll-Ballade durch bas ernste Pathos und großen edlen Ton, der Asdur-Walzer durch perlende rauschende Technik E. B.^ j\ - das Täglich nachmittags und abends das große Programm Nachmittags Eintritt frei /. Kein Qedecku. WeinzwangJ Waisenhauss'.raBe / Telefon 22944