Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 10a (Mitte Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Gemeindeblatt -er Israelitischen lReligionsgemein-e Dresden Amtliches Organ -es Gemeindevorstandes * Mitteilungsblatt des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes * Verantwortliche Hchriftleitung; Leo Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische Religionsgemeinde Dresden / Druck: A. Gruhnert, Dresden»A. 1 Alleinige Annahmestelle für Inserate: Jac. Gternllcht, Gtübel-Allee 35 / Ruf 34185 / Die 4 mal gespaltene 4S.mm»Zeile kostet 22 pfg., laufend Rabatt X. Iahrg. Dresden, Mitte Oktober 1934 Nummer ioa Therese trister s. A. Oer Rame dieser edlen Frau, die am 7. Oktober (28. Tischri) im 82. Lebensjahre nach kurzem Krankenlager verschieden ist, wird nicht nur denen, die ihr in persönlicher Freundschaft nahestanden, sondern allen, die mit ihr durch die gemeinsame Arbeit in den Wohlfahrtseinrichtungen unserer Gemeinde verbunden waren und all den vielen Armen und Set drängten, die ihre Hilfe erfuhren, unvergeßlich bleiben. Zwei Institutionen unserer Gemeinde galt ihre besondere Liebe und ihre ganze Kraft, demFrauenverein und dem Kinderhort. Sie gehörte zu den Begründerinnen unseres Kinderhorts, und auch dem Frauenverein stand sie als Vorstandsmitglied jahrzehntelang beratend und helfend zur Seite. Was Therese prisier in unserem Kinderhort geleistet, wie sie diese Institution in den schweren Kriegsjahren nicht nur aufrecht erhalten, sondern zum Segen so Vieler, die ihrer in Dankbarkeit und Verehrung immer gedenken werden, ausgebaut hat, das beweist die große Anerkennung, die ihr von allen Seiten auch von höchster Stelle durch die Verleihung der Carola-Medaille zuteil wurde. Treffend ist ihr edles Tun in dem Februar-Iahresben'cht ISIS des Kinderhorts gekennzeichnet: Oie gütige Mutter unseres Hortes, Frau Therese prfsser hat die ganze, nicht nur finanzielle, sondern auch wirtschaftliche Leitung opferwillig übemommen. Wie sie es fertig bringt, mit verhältnismäßig sehr geringen Mitteln so viel Hungrige gut nnd reichlich zu speisen, ist ihr Geheimnis. In mustergültiger, aufopsemder Weise hat sie viele Iahre die Regie in unserer Ferienkolonie zum Heil der kleinen Kolonisten geführt. Ieder, der unter ihrer gütigen Obhut in den Ferien Erholung und Freude fand, wird der schönen Zeit mit Dankbarkeit gedenken. Seit mehr als drei' Iahrzehnten war sie uns bei unserer Liebesarbeit Führerin und Leiterin. Sie war dazu prädestiniert durch die hohe Intelligenz gepaart mit Herzensgüte, durch die Vornehmheit ihres Wesens und ihrer Gesinnung, durch ihr sympathisches . Äußere und durch' ihr bescheidenes und dennoch würdevolles Auf- ( treten. Wer Gelegenheit hatte, in das segensreiche, ganz in der ' Stille geübte Wirken Therese pristers Einblick zu gewinnen, der mußte zu dieser seltenen Frau mit Bewunderung und liebender Verehrung aufblicken! Rächstepliebe im weitesten Sinne, die die Aufgabe hat zu lindern und zu mildern, zu unterstühen und beizustehen, zu trösten und zu helfen - wozu im Iudentum auch der letzte Liebesdienst an Verstorbenen gehört - hat sie in vorbildlicher Weise geübt. Oje Kraft dazu gewann sie aus ihrer tiefen Frömmigkeit, die schon in ihrem Elternhause eine besondere Pflegesiätte fand und der sie im Gotteshause ihrer Heimatgemeinde und auch in unserem Gotteshause durch Schenkung wertvollen Silberschmuckes für die Thorarollen und andere Kultgegensiände sichtbaren Ausdruck verlieh? Religiösen Sinn zu üben und im religiösen Sinne zu wirken, gab ihrem Leben, dem auch schweres Leib nicht versagt blieb, Inhalt und Wärme, war ihr Lebenszweck. Man möchte fast sagen, sie war erfüllt von fortwährendem Durst zum Helfen. Ihr war Wohltun Güte nicht bloß Herzensbedürfnis, sie glaubte an die Güte als Weltprinzip. Oie Ideale Hochhalten, für die Therese prisier gelebt hat, den Faden aufnehmen, der ihren müden Händen entfallen ist, arbeiten, wofür sie gearbeitet hat, das ist unsere jüdische psticht und unser Dank für sie über das Grab hinaus! Therese prisier kann uns nicht entrissen sein. In dankbar innigem Gedächtnis wird sie mit uns verbunden bleiben! E. St. Rabbiner Or. Felix Goldman«, Leipzig, s.A. Unsere Rachbargemeinde Leipzig hat durch bas Hinscheiden ihres hochverdienten Gemeinderabbiners, Herrn Or. Felix Goldmann, der am 7. Oktober im Alter von 52 Jahren in die Ewigkeit abberufen worden ist, einen unersetzlichen Verlust erlitten. Vorstand und Gemeinderat der Gemeinde Leipzig widmen dem Heimgegangenen folgenden Rachruf. »Mit dieser Kunde ist Trauer eingezogen in jedes Haus in unserer Gemeinde. Oer Ensschlafene war der Bannerträger des Judentums kn unserer Stadt. Um ihn scharten sich die Männer und Frauen aus allen Lagern, er war uns geistiges Oberhaupt, Freund und Berater. Er war der Vater der Armen, der unermüdliche Sachwalter aller Bedrückten, ein Trostspender der Bekümmerten. Er verkündete mit flammenden Worten die ewigen Wahrheiten unseres Glaubens. Als Lehrer und Mensch gestaltete er Geschichte und Lehre des Judentums der Jugend zum unvergeßlichen Erlebnis und wies ihr den Weg zur tätigen Menschenliebe