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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1934-07-01 · 7 (7.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
10 (1934)
Issue
7 (7.1934)
Date
1934-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Gemeindeblatt -er Israelitischen Religior»sgemein-e Dresden j , Amtliches Organ -es Gemeindevorstarides > » Mitteilungsblatt des Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes » Verantwortliche Schriftleitung: Leo Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische Sieligionsgemeinde Dresden / Druck: A. Gruhnert, Dresben-A. i Alleinige Annahmestelle für Inserate: Zar. Sternllcht, Gtübel-Allee ZS / Auf Z418S / Oie 4mal gespaltene 4s.mm.Zeile tostet 22 pfg., laufend Rabatt X. Iahrg. Dresden, Juli 4934 II Nummer 7 „An Alte!" Im Talmud (Gittin 7 b) sieht geschrieben: »Auch der Arme/ Ed der von der Wohltätigkeit ernährt wird, muß Wohltat üben." Was will dieser Satz besagen? Klarer als jede andere Stelle unseres Schrifttums spricht er von dem Wesen jüdischer Wohlfahrt. Wohltätigkeit isi wohl eine Sache des Empfindens und des guten Herzens. Aber sie ist mehr! Zunächst ist sie vom subjektiven Standpuntte aus Pflicht! Oer Iude kann geradezu von einem sittlichen Zwange zur Wohltätigkeit reden, und damit wird sie der Sphäre der bloßen Gefühle entrückt und wird zu einer sozialen Forderung! Vom jüdischen Standpuntte aus muß man die Pflicht zur Wohltätigkeit als ebenso selbstverständlich betrachten wie die Notwendigkeit, Steuern zu bezahlen, sie gehört zum Leben wie Essen und Trinken und Schlafen. Oas bedingt aber auch, daß sie allgemein gegebenes Gebot ist, dem man sich ebenso wenig entziehen darf wie den sittlichen Vorschriften 'des Staates und der Religion! Ebenso wenig wie keiner sich dem Gebote der Ehrlichkeit widersehen darf, kann er sich von der" Wohltätigkeit ausschließen. Gutes muß jeder tun! Und das will die zitierte Talmudstelle mit schlichten, aber Naren Worten sagen. Sine Zeit der Not, wie sie heute das deutsche Judentum durchlebt, zwingt, dazu, den Forderungen der jüdischen Religion größeren Nachdruck ZU verleihen, und sie in ihrer alten Unbedingtheit zu betonen. Denm gerade gegen diesen Sinn unserer Lehre) daß Wohltun die Sache eines jeden einzelnen ist, ob er reich oder arm , ist, ob jung oder alt, isi sehr schwer verstoßen worden. Wie geht eS bei den Wohlfahrtsarbeiten in jüdischen Gemeinden und Orga, nisattonen zu? Es gibt überall eine kleine Anzahl von bekannten Wohltätern, deren gutes Her; und deren offene Hand bekannt sind. An sie wendet man sich in jedem Falle, und jeder nimmt sie in Anspruch. Um das uns naheliegende Beispiel Dresden heranzuziehen, gibt es einen Kreis von drei bis vier Dutzend Männern und Frauen - vielleicht sind es noch nicht einmal so viele -, die für alle Sammler in Wohlfahrtsfragen im hellsten Lichte der Oeffentlichkeit stehen. Oie große Masse der Gemeindemitglieder wird aber kaum ausgesucht und in Anspruch genommen. Gewiß ist diese Art sehr bequem und einfach. Wenn «in Wohlfahrtsinstitut von einem Manne hundert Mark erhält, macht das nicht so viel Arbeit, wie das Herangehen ati zweihundert Personen, von d^nen jeder nur eine halbe Mark gibt. Und so läßt sich in unserer Zeit, die rasch und nervös alles möglichst mit einem Schlage lösen möchte und die für liebevolle und mühselige Kleinarbeit nicht den Sinn hat solche Tattik verstehen. Aber zu billigen und zu rechfferttgen ist sie nicht. Denn jüdische Wohltätigkeit will auf der breiten Basis der Gesamtheit sich aufbauen, und wir haben überdies gar kein Recht, aus Bequemlichkeit oder aus Mangel an einer geeigneten Organisation aus die Beträge, die von der breiten Masse unserer Brüder und Schwestern stammen, zu ver zichten. , Wenn» heute aus diesen Uebelstand hingewiesen und auf Abhilfe gesonnen wird, so handelt es sich freilich keineswegs um einen Ausgleich der Lasten. Den bisherigen Trägern des Wohlfahrtswesens kann und wird nichts von ihren Ausgaben abgenommen werden. Aber in der Zeit der Not sind die Anforderungen gewaltig gestiegen, die allgemeinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten wirken sich in der jüdischen Minderheit ganz besonders schwer aus) Wo für alle neuen Aufgaben die Mittel hernehmen? Es geht nur, wenn wotzl alle bisheri'gen Freunde der Sache ihr Wohlwollen bewahren/ihr Förderung gewähren und in idealer Treue die alten bleiben, wenn aber auch der Kreis ganz bedeutend erweitert wird. Alle alten Rücksichten müssen fallen! llud für das Werk der Wohlfahrt müssen bis zum letzten Manne und zur letzten Frau alle Glieder der Gemeinde herangezogen werden. Gewiß hängt die Durchführung dieser jüdisch«, Forderung in heutiger Zeit zumal in der Großstadt sehr von, der Organisation ab. Es ist ein glücklicher Gedanke der Zentralwohlsahrtsstelle gewesen, die Beitragskarte für Hilfe und Ausbau einzuführen. Durch kleine monatliche Beiträge, die durch eine aus freiwilligen Kräften gebildete Helferschar eingezogen werden, wird jedermann zum Mitarbeiter am großen Werke gemacht, jeder wird dadurch auch enger an die Gemeinde gebunden, in jedem wird neuer Gemeinsinn und kräftiger Gemeinschaftswille lebendig. Und das ist das Größte und Letzte! Gemeinschaftswille! Wie erweckt man ihn? Nicht durch tönendes Wort, sondern durch opferwillige Tat, durch soziale Tat! Im seelischen Einttang mit der Gesinnung der Religion ruft die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden dazu auf, und in den im Anschluß an diese Worte gedruckten Aufrufen, weist sie den praktischen Weg. Ihn wollen wir gehen! Gemeinschaftswille kommt rein und erfolgverheißend nur in der Gemeinschaststat zum Ausdruck? "Selbst der Arme, der von der Wohltätigkeit ernährt wird, muß Wohltat üben!* ' Rabbiner Or. Felix Goldmann. Erwerbt die Beitragskarte für Hilfe und Aufbau! Oer Zentralausschuß der deutschen Iuden für Hilfe und Aufbau und in seinem Aufträge die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Iuden führen in diesen Tagen die Beitragskarte für Hilfe und Aufbau in den jüdischen Gemeinden ein. ~ Ziel der Beiftagskarte ist, daß jedes Mitglied der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland mithelfend und mittragend an der Arbeit der jüdischen Wohlfahrtspflege und an 'den andern Werken

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