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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1934-05-01 · 5 (5.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
10 (1934)
Issue
5 (5.1934)
Date
1934-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Gmeilldeblall -er Israelitischen J^eligionsgemeinde Dresden i Amtliches Organ des Gemeindevorstandes * Mitteilungsblatt des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes * Verantwortliche Schriftleitung: Leo Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische Sleligionsgemeinde Dresden / Druck: A. Gruhnert, Oresden-A. 1 Alleinige Annahmestelle für Inserate: Iac. Sternlicht,Etübel-Allee 35 / Ruf 34185 /.Die 4mal gespaltene 46-mm.Zeile kostet 22 pfg., laufend Rabatt X. Iahrg. k Dresden/ Mai 1934 Kummer 5 Oie Juden im Sport (lnbestrittülermaßen stellt die Körperkultur eine notwendige Ergänzung der Geisteskultur dar, dergestalt, daß Geisteskultur allein gar nicht Anspruch auf die Bezeichnung Kultur erheben darf. Erft Seele, Leib und Geist machen den Menschen aus. Welchen Teil wir auch vernachlässigen, tie Harmonie wird dadurch zerstört, das Ganze geschädigt. In der Lebenskraft des Istaaytums gibt es viel Wunderbares. Unter den denkbar ungesundesten Lebensverhältniffen jahrhundertelang lebend, völlig abgesperrt von Freiheit und Ratur, haben die Juden in wenigen Jahrzehnten auch in den Leibesübungen bewiesen, daß sie nicht zurücksiehen. Wenn wir sie mit l je Tausend der Weltbevölkerung einschätzen, können wir ruhig behaupten, daß sie weit über diese Verhältniszahl hinaus hervorragende Sportsleute hervorbrachten. Wirklich werten würde man erst nach einigen Generationen können, denn der Vorsprung der andern war.zu bedeutend. Oer folgende Artikel soll, so unvollständig er sein muß, dem Fernstehenden ein Bild von der jüdischen Leistungsfähigkeit auch auf diesem Gebiete geben. Oie Bibel berichtet von jüdischen Kraftkerlen, Esau, Rimrod, Simson, David, Jonathan und anderen. Oie Akrobatenleistungen des Resch Lakisch (t>cr übrigens später einer der berühmtesten talmudischen Gelehrten wurde) fanden nicht den Beifall aller Volksgenossen. Ein Teil des Rabbinats war gegen die Leibesübungen, der andere (beispielsweise Gamaliel II.) war dafür. Vielleicht war die Gegnerschaft vorwiegend nationaler Art. Eie fürchtete das Vordringen des Hellenismus für Volk- und Glaubenssirenge. Als 174 v. Ehr. das erste Gymnasium in Jerusalem errichtet wurde, begann der Streit. Oie Eportpartei zog den kürzeren. Erst unter Herodes erfolgte der Bau von Sportstätten von neuem in großem Stil. Er unterstützte auch die Olympischen Spiele. Aus dem Talmud ersieht man, wie verbreitet insbesondere das Schwimmen im Judentum war. Äem jüdischen Vater wurde nahegelegt, feinem Eyhn Schwimmen zu lehren. Flavius Iosephus berichtet von seinem Schiffbrrzch im Adriatischen Meere. Oie ganze Rächt hindurch mußten sich die 600 Mann Schiffs" besatzung schwimmend erhalten, bis am nächsten Morgen Hilfe kam. Oer Großteil seiner Mannschaft bestand aus Juden. Im Mittelalter setzte sich Maimonides sehr für. Leibesübungen ein. Aus Weißenfels (1386) und Augsburg (1470) ist. uns jüdische Teilnehmerschaft an deutschen Wettkämpfen (370 Schritte Wettlaus, 45-pfund-E teinstoßen, Hoch- und Wejtsprung) überliefert, ebenso aus Italien. Oer getaufte Jude Ott tat sich als Ringer hervor. 1500 erschien sein Ringkampfbuch. Uns interessiert weit mehr als die beachtenswerte jüdische Vergangenheit auf dem Gebiete der Leibesübungen die Gegenwart. Bevor wir uns mit ihr befassen, wollen wir eine Erklärung dafür suchen, weshalb die Juden gerade im Boxen Hervorragendes leisten. * Oie Überfemerung der Raffe, bewirtt durch die jahrhundertelange Absperrung, hatte zur Folge, daß eine Umwelt, die immer viel dem äußeren Schein folgt, die Juden schwächlich und feige empfand. Ihre intellektuelle Leistung wurde zwar unangenehm empfunden, jedoch wcnigsteps erkannt, wenn schon nicht stets anerkannt. Oie angeblich fehlende Körperkraft, das »degeneriertes unansehliche Aussehen, bot einem gewissen Antisemitismus eine beliebte Angriffsstäche. Oer junge Jude empfand vielleicht-insiinktiv, er habe seinen Mann nicht nur im Beruf, in Wissenschaft und Kunst, im geistigen Leben, sondern auch im körperlichen Wettkampf zu stehen. Das mußte am deutlichsten wirken,, besonders bei den vielen, die keinen Juden persönlich näher kennen, die falsche Voi -_ (Teilungen von' ihm erhalten haben. Jüdische Sportleistung müßt e dem Gegner eine der schmerzendsten Waffen aus der Hand schlagen. Diese Einstellung kann unbewußt hewirkt haben, daß nach jah < hundertelanger Pause Juden zuerst wieder auf einem Sportgebie e hervortraten, das ihnen artungsmäßig am fernsten liegen müßt , nämlich im Faustkampf. Schon 1784 ging Daniel Mendoza in England in den Rimi. Er wurde später Meister von England und der» erste jüdische Schwergewichts-Weltmeister. Seit kurzem besieht die Möglichkei, wieder einen jüdischen Weltmeister dieser Gewichtskategorie zu erhalten, denn Max Baer muß als erster Anwärter aus. diesen Tibi betrachtet werden. Zu Mendozas Zeiten war der Faustkampf derbl r als heute. Man kämpfte ohne Boxhandschuhe mit bloßen Fäusten. Mendoza schuf einen ganz neuen Kampfstil. In der Vorgeschichte bleibt er »Daniel Mendoza one of the mosi elegant and seienttfic boxers recorded in the annals of pugilism". Mit 43 Jahren gelang ihm ein siegreiches come 'bad und noch 57 Jahre alt verbuchte sich, der alte Vampfhahn wieder im Ring. 16 Jahre danach starb er; eine Frau ünd elf Kinder hinterlaffend. An Ruhm erreichte ihn beinahe Samuel Elias, genannt »Outch Eäm*. Von 1801 von 1814 boxte er. Selbst nie schwerer als 70 Kilogramm, schlug er alle Schwergewichtler. Man rühmt seine Tapferkeit, sein Können,-'seine Kraft und Ehrlichkeit. Er wies Riesensummen zurück, mit denen man ihn bestechen wollte. Oie Belaskos und andere Ehampions von einst waren gleichfalls Juden. In den leichteren Kategorien gab es in neuerer und neuester Zeit viele jüdische Landes- und Weltmeister. Jack Bloomfield war ^h)ver> gewichtsmeister von England. Joe Ehoynski, der Lehrer hes berühmten Regerwettmeister Jack Johnsons und der einzige, der einen korrekten Knockout gegen ihn erzielte, galt seinerzeit als kommender Weltmeister, wurde es aber nie. Auch Jack Oempsey hat jüdisches Älut in seinen Adern. Oer jetzige Weltmeister im Halbschwergewicht Max Rosenbloom ist Jude, Benny Leonard hielt jahrelang den Titel im Leichtgewicht, er galt und gilt, als der beste Äoxer der letzten Jahrzehnte. Könnte ein anderer auf diesen Ruhm Anspruch machen, so wäre es der frühere Weltmeister A b e Attell, ebenfalls Jude. Ted Kid Lewis trat auch in Berlin auf. Er war Weltmeister im Weltergewicht. Man kann die vielen

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