Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 2 (2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Seite 5 .Ar- 2 Gemeindeblatt der Israelitischen RelissionSgemeind^xDreSden " Mitteilungen über Dresdner jüdische Kulturveranstaltung ert^ Gemeindevoriräge . I. Gemeindevorirag Martin Luder über: »Sind wir nvch das Volk der Bibel?" Vrofeffor Martin Luder sprach als einet der bedeutendsten religiösen Lehrer bet heutigen Generation mit weihevoller Eindnnglichkeit zu einer andächttg folgenden Gemeinde, die den ehrwürdigen Dresdner Synagogenbau Gottfried Sempers bis auf den letzten Platz füllte. Viele Gebaitkengänge Luders sind fedem innerlich ringenden Juden bereits persönliches Erlebnis geworden, so die Tendenz, feiher »Drei Leben über das Judentum" uitd »Oer heilige Weg" - ein HZort an die Juden and an die Völler. 'Luder,, der seit zehn Jahren bekanntlich an der Frankfurter Universität und seht zum weiter des Jüdischen Lehrhausqs in Frankfurt a. M. berufen ist, wbßte in seiner schlichten und'doch monumentalen Art die frommsorgende Frage »Sind wir noch bas Volk der Bibel?" uns sehr nahe zu bringen. Äald in geistesgeschichtltcher Äetrachtung, bald in scharfer Mahnung und schmerzlicher Anklage, - doch immer in vertrauensvoller Hoffnung auf das'iüdiscbe Eigenleben und seine Misston, ließ' uns Lüber die klare Erkenntnis nachfühlen, daß Israel nur stark, erhaben und glücklich in Verbundenheit mit Gott sein kann und daß es - anders wie die aufs politische gerichteten Völler der Welt - nur Gott als seinen -einzigen Gesetzgeber und König auf Weltzeit anerkennen darf. Hier fügte- Luder ettie tiefsinnige Midrasch>Srzählmzg von Iaakobs Traüm rin: auf der Himmelsleiter sieht'Stammvater Iaakob die Enael als Verkörperungen der einzelnen Völler hinaufsteigen zur politischen Macht und auch wieder Hinabstetgen, aber als er selbst gerufen wirb auch hinaufzusteigen, weigert er sich, weil er'den Abstieg. fürchtet, llpd so Hai Israel kein §en anderen Nationen vergleichbares politisches Schicksal gehabt. Israel hat jederzeit auch in ärgster Le- 'drückung, bst nur äußeres Zeichen seines inneren Abfalles von seinem König-Gotsilst, die Möglichkeit wieder zur Umkehr, zar Lücktzchr und damit zum Wiederaufstieg. Kein,Schicksal hält uns in' Bann, wie etwadie Astrologie seit Alters her Einzel- und Vollsschicksale als unentrinnbar hinsiellen will. Oie von Martin Luder einqestochtene Midrasch-Erzählung von Abrahams Vision. äls Gott ihn in die Lackt binausführte und den Sternhimmel ansehen heißt, zeigt diese, volle Abwendung von dem chaldäischen Stemqlauben. Abrahams Lachkommen stehen unter keiner Planetenmacht, sondern. frei unter Gottes Leqiment. Diesem Königtum Gottes und dem unbedingten Glauben daran, muß eine Erneuerung der menschlichen Gemeinschaft folgen. Lur in der Verwirklichung des Göttlichen in der echten Gemeinschaft, dem brüderlichen Hellen und Zusammenleben der Menschm, wird bas messianische Ideal erfüllt. Diese tiefste Idee des Judentums: die Vereinigung des Leligiösen und Ethischen, von Glauben und sozialer Sittlichkeit, die Legründung des Leiches Gottes ln der Erdenwelt, muß auch heute für uns Berufung. Weg und Ziel sein. Wir wollen dem Manne in dem Midrasch-Abschnitt gleichen, der mit einem verlöschten Licht in der Lacht svandernd und von jedem ihm Begegnenden, an hem er sein Licht entzündest will, enttäuscht wird, bis er zu dem inneren Entschluß kommt, nur auf das Licht des wirklichen Morgens zu warten. Gott ist dem Voll der Bibel die Sonne der Seelen, die »Schechinah", göttliche Gegenwart, die Gegenwart, die Unmittelbarkeit des Daseins und wenn wir heuttgen Juden den Willen zum Lunde mit Gott haben und lebendige Tendenz zur wahren Gemeinschaft verwirklichen, sind wir noch heute das Vosk der Libel. So brachte der Abend für alle, die an eine Wiederersiarkung religiösen Wollens und Fühlens gerade in unserer erlebenstiefen aufwühlenden Zeit glauben, eine volle Erfüllung. Eva Büttner. II. Gemeindevvrtrag Julius Lab-Berliq über »Lembrantzt und Spinoza, ein Doppelbildnls im deutsch-jüdischen Laum". ' Es war ein guter Gedanke des vielgewandken Julius Lab, den man besonders als klug'en Ausbeuter von Bühnengestalten und Äühnengestaltem schätzt, die noch nicht ausgeschöpften/parallelen zwischen den beiden großen Zeitgenossen Lembrands und Spinoza ausführlich zu behandeln. Antrieb dazu waren ifjntC wie er auch in dem Vorfrage einleitend, bemerkte, die Zeitverhältnisse, die uns Schicksälverbundene dazu zwingen, die uns angehenden Dinge wesentlich unter dem Gesichtspunkte des Jüdischen, genauer gesagt: der seelisch.kulturellen Verwurzelung des jüdischen Menschen im deutschen Heimatboden zu sehen und zu empfinden. Darum auch gab er seinem im philoveriag erschienenen Werke über den gleichen Gegenstand den Untertitel »ein Doppelbildnis im deutschjüdlschen Laum"; das. Vielen überräschönde, oft mißbrauchte Verbindungswörtchen »und" zwischen den Lamen der beiden Großen erhielt nun durch den fesselnden Vortrag, der ein abgerundeter Ausschnitt aus dem in dem Labschen Buche niedergelegten Erkenntnissen war, seine ganz prägnante Erklärung und Deutung. Lekastntlich liegt ein gewisser Leiz für die Lachlebenden darin, die Schicksale bedeutender Männer von der Höhe zeitlicher Entfemung herab in ihrer Gesamtheit zu betrachten und den Linien ihrer Auswirkungen vergleichend nachzuspüren. So wle einst Goethe und Säubert ttoh der geistigen Berührung in ihrem Schaffen persönlich an einander vorbellebten, haben sich auch Lembrandt und Spinoza, pbwohl Jahrzehnte lang in nächster Lähe lebende Zeitgenossen, vermutlich niemals kennengelernt. So gingen äußerlich ihre Wege zwar neben einander her, doch so verschiedenarttg auch die Entwicklung, der beiden Männer verlief, so hat gerade das Jüdische - päsitiv beim einen, negativ beim anderen *- eine entscheidende Lotte'in ihrer GeiLesbaltung, Ihrer Wesens- und Lerufsrichtung gespielt. Und hierin ist der Kern des zeitftemden und doch so zeitgemäßen Vergleichsbildes enthalten, die Vermählung verschiedener Geisteswelten als Gaatkärn und Mutterkwden genialer Leistungen. Lemßrgndt, der, holländische Deutsche von Geblüt, fühlt sich vom Jüdische Künstlerhiffe Dresden 6» Kunstabend Im Saale MoritzstraBa 1b % Sonnabend, den 10. Februar 1934 Sonntag, den 11. Februar 1934 Jeweils 20 Ohr .? Lieder- und Arien-Abend FrHz| ÜOkl, Koloratursopran Lieder von Schubert,Schumann, Mahler u. Richard StrauB Arien von Handel und Mozart Frflhllngstlmmenwa'zer von “Johann StrauB Am Flügel: Paul Aron 7. Kunstabend Im Saale MorltzstraBe 1b Sonnabend, den 10. MBrz 1934 Sonntag, den 11. MSrz 1934* jeweils 20 Uhr Kammermusikabend Neues Streichquartett (Berlin) Werks von Verdi und Smetana Ksr>sn zu RM 2 Sv. 1.60 und 1.— en der Theaterkasse Im Reka, Budhhandlung StreuS und Im Gemeindeamt. — Abonnements sind gQltlg.