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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1932-10-01 · 10 (10.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
8 (1932)
Issue
10 (10.1932)
Date
1932-10-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Gemein-e-Iatt der IsraelitistHen Religionsgemeinde Dresden , Amtliches Organ des Gemeindevorftandes Mitteilungsblatt des Sülbsiilben iimelitticken SemeinbeverbanbeS Verantwortlich« 6d>riftlritnng: Leo Anschrl, Dresden - Verlag: Israelitische Religionsgnneinde Dresden - Druck: Kaden LEomp., Drcsüen-A- Alleinige Annahmestelle für Inserate: Iar. Sternlicht, Zeugbausstraße 3.1. Telephon 14051 - Die 29-aun-Ronparcillexile tostet 30 Pf., laufend Rabatt Vlll.Iahrg. ÜM Dresden, Oktober 1932 t Nummer 10 JnhaltSverz und Gelobtes L eichniS: Rabbiner l)r. Paul Rieger: Siegende Lebensbejahung Manfred S,urmann: Saul / EliaS and / S. T. Wegener: Der Hügel des LichtS / Gebrtzeilen / Amtliches / Personalien / BereinSmiNeilunge» Auerbach: -Wiste / Kalendarium Siege«-« Lebensbejahung Zam NenjahrsfeK 5S-) Von Stadtrabbiner Di'. Paul Kiefer, Sfiittflart Es ist eigentlich eine wunderliche Tatsache, daß die Menschen das wehmütige Lied vom Sterben lieber hören als den Sang vom lachenden Leben. Ter fröhliche Mensch gilt im Alltagsnrteil für oberflächlich, der sonnige für ein törichtes Kind. Wer mit der Miene des WcltschmcrzlerS kopfhängerisch. grüblerisch durch die Straße zieht, wird als tiefsinniger Tenker bewundert. Tic mahnende Predigt zur Weltflucht wird auch von den Weltkindern andächtig angchört. Laß ein wenig Wehmut durch deine Rede klingen, sprich mit verhaltenen Tränen, zeige ein besinnliches Gesicht, und du giltst als ein Weiser. Die Welt ist schlecht, sinnlos dein Ringen, Leben heißt irren, der Schein trügt, das Sein lügt, der Tod ist ein Glück, das ist die Wechselmünze der Alltagsweisheit, und uvr sie verausgabt, ist ein Weltweiser. Aus solcher Lebensverneinung spricht die Ohnmacht, mit dem Leben und seinen Forderungen fertig zu werden. Ter Pessimismus ist der Dilettantismus in der Philosophie, das Versagen gegenüber den Problemen des Daseins, die Unfähigkeit, sich im Leben zurechtzufinden. Er ist geistige Enge und seelische Kurzsichtigkeit. Er siebt nur die schmale Spanne bis zur Wegwende, den steil steigenden Pfad, den Torubusch ani Wegrande. Er denkt nicht daran, daß sich hinter der Wegwende das sonnige Tal lveitet, daß der steinige Pfad zum Höhenblick auf die Wunder der Bergwelt leitet, daß der Torndusch am Rande nur für den Augenblick die Schau auf das blühende Land hemmt. Dem Pessimismus fehlt die Plickweite, die Fcrnschau, das Visionäre. Er klammert sich ängstlich an den Einzelfall, den ersten Fchlschritt, die erste Enttäuschung. Ter Optimismus schaut aus offenen Augen über die Einzelerfahrung und Einzelerscheinung hinaus. Er läßt sich vom Einzelfall nicht beirren, sondern blickt auf dio Totalität. Tie Einzelerfahrung mag enttäuschen, die Einzelerscheinung mag wehetun. Aber sie sind nur der Stein am Wege, der Dornbusch am Rande. Willst du zur Höbe, schau über die bange Stunde, über daS erfahrene Leid hinaus, noch immer kam der lachende Morgen nach der düstere,, Rächt, der sonnige Frühling nach de», nahen Winter. Jui? große Auserstchen im Frühjahr nach dein Wintcrsterbeu. ' Meistere dein Schicksal, indem du über die Stunde hinausdenkst. Optimismus ist Leidiibcrwindung. der Triumph über den Tod. Bange nicht vor de», Sterben! Machtvoll ist der Strom des Lebens, das enge Bett des Seins überflutend, mündend in das Meer der Ewigkeit. Glaubst du an dich und deinen Gott, dann ist der Tod überwunden. Scixme: alles ringsum ist ipcrdendes, reisendes, wachsendes Leben. Was wir Tod nennen ist llebergang, Brücke zu neue», Land^ Pforte zu neuem Sein, Wandel in neue Kraft. Willst du wahrhaft leben und den Augenblick besiegen, so lebe und wirke im Glauben, „nsterblich zu sein! Ter Pessimismus ist das Grabscheit aller Religion, hinter Weltangst und Weltflucht, birgt sich mangelnde Gottzuversicht. Wer das Glück leugnet, verleugnet die (Gottheit. „Tic Welt ist gut", das ist das Urbekcnntnis aller Frömmigkeit. Tafeinsfreude und Lebcnsbejahnng ist Gottvcrtrauen. ist Religion. Darum sagt der Talmud unter Berufung auf das Schriftivort: Als der Spielinan» spielte, kam über Elisa der Geist Gottes (2. Könige3,lst). Tic Lckvchina wohnt nicht am Orte der Sch,vermut (Sabbat 30, Bestachst» 117). Das sind die Kinder Gottes, die auch in, Leide die Liebe des Vaters verspüren, die unbeirrt dnrch die leidvolle Stünde die Daseinssrende sich wahren. Das Fest des Glaubens an das Leben, an den. Sieg des Guten, an den Triumphdes Göttlichen ist das Nensahrsfest. Tas alte Fahr war schlecht, das neue wird bester sein: das Lied des alten Fabres war voll Disharmonien — „singet dem Herrn ein neues Lied!" Das Leid war groß „größer als Gottes Groll ist sein Erbarmen". Tie Gegenwart braucht diesen Glauben mehr als vergangene Zeiten. Ter Kamps »ms Taiein ist unerbittlich hart geworden. Tie Unzulänglichkeit der Erwerbsmöglichkeitcn, np*re nbcn mitrn Hellt Not lindern durch die Rösch Hascfaonoh-Spende im Spendenbuch! Denkt an alle Wohlfahrtsinstitutionen unserer Gemeinde I Fordert bei allen Familienfeiern, wie Barmizwohs( Brith-Milos, Verlobungen, Hochzeiten, Geburtstagsfeiern und auch bei gesellschaftlichen Veranstaltungen das Spendenbuch freiwillig an! Das Gemeindeamt sendet auf telephonischen Anruf das Spendenbuch ins Haus. Oer Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Egon Fcueratein, MaxLessei, Dr. John Levy, Direktor Erich Sehapira, Samuel XVeiget.

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