Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 8 (8.1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Seite 6 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Zu 3. Herr Vorsteher Tr. Levy berichtet an Hand der umfangreichen Akten» aus die verwiesen wird, über Porverhandlungen, die Vorstand und Finanzausschuß über die Aufnahme einer Anleihe geführt haben. Geplant ist eine Umschuldung, das heißt die Umwandlung kurzfristiger Verpflichtungen der Gemeinde in langfristige ünd die Deckung schwebender Verbindlichkeiten. Rach deni ausfübrlicben klaren Berichte des Herrn Tr. Levy findet nur noch eine kurze Aussprache statt. Ter Gcnieinderat beschließt einstimmig, zum Zwecke der Ilmsckuldung kurzfristiger Kredite eine Anleihe in Höhe von 150 000 M. auf juiichmcii. Zu 4. Durch den Gemeindeetat ist für die Kalenderjahre 1930 und 1931 für die Landeskasse Lachsen für jüdische Wanderfürsorge ein Beitrag nicht bewilligt worden. Herr Vorsteher W e i g e r berichtet, daß in der Sitzung des Verivaltuiigsausschusses der Landeskasse, die am 28. Junik 1931 in Leipzig staltgefunden, und an der er teilgenommen hat, der Beitrug der Gemeinden zur Landeskasse für das Kalenderjahr 193 0 auf 3 Prozent des Reichseinkommensteuersolls 19 29 und der Beitrag für das Kalenderjahr 1931 auf 2,5 Prozent des Reichse inkommen » iieueriolls 1929 festgesetzt worden ist. Auf Antrag des Vorstandes und des Finanzausschusses bewilligt Kollegium einstimmig den zur Bezahlung dieses Beitrages erforderlichen Nachkredit von 3000 M. Zu 5. Herr Gemeindeverordncter Egon Feuerstein hat die Rechnung des SenriettenstiftS für das Jahr 1930 geprüft und nichts zu erinnern gesunden. Kollegium spricht di? Rechnung richtig und erteilt der Verwaltung Entlastung. Punkt 6 und 7 werden für die nächste Gemcinderatssitzung znrückgestellt. 8. Geheime Sitzung. Ter Vorstand stellt den Antrag, die Anstellung eines Gcmeindebeamten davon' abhängig zu machen, daß der Anzustellcnde ein Gesundheitsattest deS Vertrauensarztes der Gemeinde beibringt. Dieser Antrag wird gegen eine Stimme angenommen. Kollegium beschließt einstimmig, die Bestimmungen der zweiten Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen vom 5. Juni 1931 über die Gehaltskürzungen mit Wirkung vom 1. Juli 1931 an für die Rabbiuer, Kantoren und Lehrer sowie alle ^anderen Beamten und Angestellten der Gemeinde ui demselben Umfange wie für die sächsischen Staats- und Kommunalbeamten durchzuführen. Schluß der Sitzung 11 Uhr. Aus der Gemeinderatsfitzung vom 14. Juli 1931 fAmtliches Protokoll) Auf Einladung des Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt Paul Ta l i nge r, Hanen sicb zu der heutigen Litzung des Gcmernderats die hierunicr genannten Herren'eingefundcn: Vorsteher: Tr. John L e v y. Tirektor Erich Tchapira, Samuel Weiger, Sanitätsrat Tr. Z i m m e r m a n n. Grmrindeverordnete: Rudolf A p t, Baumeister Fritz Brauer, Tirektor Artur Gl aujct, Dioscs HauS m a n n, Mar L esse r, Hiriw N e u in a i e r , Lalomon Vogel, Simon Zigclnik, Tirekror M. Zucker. Herr Rabbiner Professor Tr-, Winter nimmt an der Sitzung teil. Mil Entschuldigung fehlen die Herren <Kemeindeverordneten Joseph E o y n, Egon F c u e r st e i n, A. L o e w e n t h a l, Jakob R c i n h o l d, Hermann Schocken. Tagesordnung: 1. Eingänge und Mitteilungen. 2. Aenderung des § 15 der Satzung der Israelitischen Religionsircmeinde zu Dresden vom 1. November 1922, zweite Lesung. 3. Bericht über den Stand der Angelegenheit, betreffend die Gründung einer jüdischen Polköbank auf genossenschaftlicher Grundlage oder einer Tarlehnskasse; Beschlußfassung darüber.!. Anrrag des Vorstandes und des Finanzausschusses, betreffend die Umschuldung der kurzfristigen Verpflichtungen der Gemeinde. .V Beriet» über den Stand der Angelegenheit, die Vergrößerung des Friedhofs an der Trinitatisstraße betreffend. >!. Bericht über den Stand der Lchächtangelegenheit. Ter Vorsitzende eröffnet die Litzung gegen 9 Uhr. Das Protokoll der vorigen Sitzung wi<d — mit Ausnahme des die geheime Litzung betreffenden Teils — verlesen und genehmigt. Zu Von der Richtigspreckmng der Rechnung über die Jeanette- Gerson-Lliftung für'1929 und 1930 durch den Rat zu Trcsden, Verfassungsamt, nimmt Kollegium Kenntnis. - Von Herrn Schneidermeister N e u m a n n ist heute ein Schreiben eingcgangen, in dem er erklärt, daß er nach dem Ableben des Herrn Gemeindeverordneten Saul W e i n r e ich laut 8 15 der Gemeindesatzung Mitglied des Gemeindcräts sei. Kollegium nimmt von diesem Schreiben Kenntnis. Von dem Dankschreiben der Familie Weinreich für die Teilnahme der IKemeinde beim Hinscheiden des Herrn Gemeindcvetordneken Saul W e i n r e i ch nimmt Kollegium Kenntnis. Zu 2. Tie von der liberalen Fraktion und der Fraktion der Jüdischen Volkspartei des Gemeinderats der Israelitischen Religionsgemeinde zu Dresden beantragte neue Fassung des 8 15 der Satzung wird nach, dem Wortlaut der ersten Lesung in zweiter. Lesung gegen eine Stimme genehmigt. Zu 3. berichtet Herr Vorsteher Tr. L e v y und verliest eine Resolution, die nach einem Vortrage des Herrn Direktors Georg Kareski in Berlin über genossenschaftliche Arbeit unter den Juden >:m 28. Juni gefaßt worden ist. Tie Resolution hat folgenden Wortlaut: „Die am 28. Juni 1931 im Palmengarten versammelten Gemeindemitglieder beauftragen den Vorstand und Gemeinderat der Israelitischen Religionsgemeinde in Dresden, gemeinsam mit dem bestehenden Komitee schnellstens die Vorarbeiten zttr Gründung einer jüdischen Volksbank auf genossenschaftlicher Grundlage durchzuführen; insbesondere ist festzustcllcn, ob und welches genossenschaftliche Kapital aus den Kreisen der Gemeindemitglieder aufgebracht würde. Sollte sich Herausstellen, daß durch zu geringes Interesse bei der Zeichnung des (Kenosscnschaftskapitals die Gründung einer Genossenschaftsbank inopportun ist, so soll der Versuch der sofortigen Gründung einer von der Gemeindeverwaltung unabhängigen Tarlehnskasse gemacht iverden." Angesichts der in den letzten Tagen eiggetretenen Verschärfung der Wirtschaftskrise wird auf eine Aussprache verzichtet, ebenso wird die Beschlußfassung ausgesetzt, jedoch wird der Vorstand sich weiter ernstlich mit dem Problem beschäftigen. Zu 4. Ter Beschluß des Gemeindcräts vom 6. Juli 1931 über den Antrag des Vorstandes und des Finanzausschusses, betreffend die Umschuldung der kurzfristigen Verpflichtungen der Gemeinde, wird aus formalen Gründen bestätigt und wiederholt. Zu 5. Ter Vorsitzende, Rechtsanwalt S a l i n g e r , berichtet über den Fortgang der Verhandlungen mit dem Rat zu Dresden, Bestattungsamt und Grundstücksamt, über den Landerwerb zur Vergrößerung.des Friedhofs an der Trinitatisstraße. Am 11. Juli 1931 hat eine Konferenz mit dem Dezernenten des Grundstücksamtes, Herrn Stadtrat Tr. H ü b e r t, stattgefunden, an der außer ihm — Herrn Rechtsanwalt 2 alinger — Herr Vorsteher Tirektor S ch a p i r a, Herr Baumeister Brauer und Herr Bürodirektor Ploe macher teilgcnommen haben. In dieser Konferenz ist mit besonderem Nachdruck die Bitte vorgetragcn worden, der Gemeinde ein möglichst großes Stück von dem nach der Fürstenstraße zu gelegenen Birkenwäldchen, tunlichst das ganze Flurstück zu überlassen. Herr Stadtrat Tr. H ü b e r t hat bereitwilligst zugesagt, die Wünsche der Israelitischen Rcligionsgemeinde mit den beteiligten Geschäftsstellen zu erörtern und dann weiteren Bescheid geben zu wollen. Zu 6. Herr Vorsteher Weiger berichtet über den Fortgang der Verhandlungen, die Aufsicht in den Fleischereien betreffend. Eine Einigung konnte bisher nicht erzielt werden. Im Laufe der Aussprache erklärt Herr Rabbiner Professor Tr. Winter, daß cs Aufgabe der Gemeindeverwaltung sei, für Kaschrus zu sorgen. Ter Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt 2 a l i n g e r, erwidert hierauf, daß der Vorstand glaube, in dieser Hinsicht seine Pflicht in jeder Beziehung erfüllt zu haben, daß der Vorstand es'aber ablehnen muß. Ausgaben zu machen, die durch den Etat nicht gedeckt sind. Er habe bisher vergebens von seiten der Orthodoxen diesbezügliche Vorschläge gehört. Seine Freunde würden aber die Anstellung eines 2. Maschgiachs, ohne daß die Teckungsfrage geklärt sei, ablehnen. Nach eingehender Aussprache erklärt Herr Gemeindeverordnetcr L e s s e r, daß er konkrete Vorschläge machen wolle, auf Grund deren die Frage der Aufsicht in den Fleischereien im. Rahmen des Etats gelöst werden könne. Er stellt den Antrag, der Vorsitzende des Tchachtausschusses möge baldigst das Rabbinat zu einer Besprechung einladen, in der er — Herr Lesser — seine Vorschläge unterbreiten werde. Dieser Antrag wird angenommen. Es folgt eine geheime Sitzung. Schluß der Sitzung 11 Uhr.