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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1929-12-01 · 12 (12.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
5 (1929)
Issue
12 (12.1929)
Date
1929-12-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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Nr. 12 3eite IS ieme ndeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Das Erbe im Blut Ludwig L Ter Verfasser. btt zu den bekanntesten am« rikantschen Schriftstellern öer Jetztzeit gehört, erzählt otse abar na» eigenen ^amilienüberlieferungen und itrinnerangen die t'te,Lichte einer gudensamilie durch'drei «Sener itioncn. Ter Indalt in ku,z angedcuict folgender: Ter Vater, ein gelebrrcr Melamel. lebt in Wilna das Vebe > des schon manchmal von ejweif ln angekränkelten ««letti juden um lviu. Lein sobn Evbcajim ztedt mit seiner in »gen Krau nach Insterburg in CitpreiiKcii. nimmt den Kam l,cnna»ie» Vevt an. forscht und kleidet sich deutsch, gibt seinen söhnen deutsche Bildung und nun cs erleben, das, einer von ihnen, der in »iönigsverg Kura studiert hat und den Teutsch- Kranzöiuchcn tllrieg I' 70 mirgemacht hat, iich in Berlin tauten länt und die Tochter eines ebenfalls lHetausten heiratet, irr wird ei, er öer angesehensten Rechtsanwälte Berlins. Ein zweiter Lohn Jakob r'evis wandert nach Amerika aus und kommt Sott nach kleinen Anfängen zu Erfolg und Wohlstand. Tenn Lohn Artur ist der eigentliche Seid der Erzählung. Er ist bereits völlig amerikanisiert und heiratet. Arzt «civordrn. eine Schriftstellerin. Sic Tochter eines christliche n iveistlichen. Allmählich aber macht sich in ihm das „Erb: im Blut" geltend. Er gibt seine ärztliche Praris auf. scheidet stch von feiner Krau und gebt im Aufrrage eines ludt'chen Komitees nach Rumänien, »in Sie dortigen jüdischen Verhältnisse zu studieren. Sir veröffentlichen mit Erlaubnis des Verlages Paul Viit. ».'einzig, einen fu :zen Abschnitt, und zwar die stelle, wo Artur nach viele i .zweifeln durch den Selbstmord seines Krcunücs Bikt>r zu seinem Judentum zurücksindet. Tie gute Uebersepuiig stammt von i'iustav Menrink.; Tie Redaktion. Ereignis tragischer Art» riß ihn aus seinen Eirübel'eie». ule kleine Non; in den svaltfn der Leitung „World" traf ihn eines Morgens beim Frühstück wie ein Tolchsroß: Ter glänzende junge Architekt Viktor Oioldtuanti batte in der verflossenen. Nacht Selbstmord begangen. Er hat^e sein Atelier in der Fiftnninth streei uni iieui, Ilbr abends verlassen. Ter livrierte Liftboy. hatte ibn gesehen. aber nichts Auffälliges in seinem Benehmen bemerkt. Um 9.40 Uhr war er im Hchlse seines Paters. Mr. Rathet» >>>o.dmann, erschienen. Er halte einen etwas geistesabwesenden Eii.drua gemacht und zum Erstaunen der Familie die Bemerkung i saUcnla'>cn, sein Atelier wäre nicht still genug, und er könnte dort keinen schlaf finden. Man hatte ihm geraten, -ins obere Ltoek- .■ :zt zu geben, in eins der Schlafzimmer und sich zur Ruhe zu legen. Er war dararifhin in seiä altes Zimmer gegangen, und um elf. Ubr baue man einen Revolverschuß gehört. AIS die Familie binaufgelaufen sei, war er bereits toi gewesen; die .siugcl Halle beide schlafen durchschlagen.!Er hatte keinerlei -Andeuluugeii binterlanen — ivenigilens so Dt<jl man bisher midie , weshalb er EU! ewisobn j, .. die Tat begangen, sein Pater und seine Äutler seien fassungslos vor ttram ... Artur überflog den Bericht, rief vor seinem Hause ein Eab an und fuhr zu den ttoldinanns. Er war mehr aufgeregt als be kümmert'und in größter sorge um Viktors Eltern. Viktor selbst war ihm immer inchr oder weniger gleichgültig gewesen. Er hatte das deutliche lüefühl, er müßte unbedingt hinter das Geheimnis kommen, weshalb Viktor die Tat begangen, so, als ob dieses WcheiinniS auch für ihn selbst von'größter persönliwer Bedeutung sei. .Jm Hause war qllcs totenstill und wie ausgcjiorbrn. Tas Tieiisl inädchen, das jahrelang bei den Eioldmanns angestellt war, er kannte ihn sofort und ließ ihn ein. Im Einpsangszimmer saß Joe ganz allein, zusaininengekanert und brütend, an einem Tisch; blickte nicht einmal auf. „Tu bist's, Artur." seine stimme klang völlig ansdruckslos „Tic andern sind oben; die Mutter liegt im Belt, eine Wärterin ist bei ihr. Tein Vater geht auf n»d ab um dem meinigea." „Und Viktor;" „Er liegt in seinem alten Zimmer. Nichts zu sehen, nur die Wunde. Tu kannst hinaufgehen, wenn du willst." Artur fehle sich. „Was war der Wriutb, Joe? Warum?" Joe blickte endlich auf. Ter gewohnte Ausdruck der Ironie und der Fu/cht ivar ar:s seinen goldbrauneg Augen gewichen. „Ich grüble selber drüber nach. Wclb hat er in Hülle und Fülle gehabt. Ein Weib war auch nicht im spiel. Viktor war immer so weibcr scheu, daß er sich nur mit lächerlichen Frauenzimmern der gewissen sorte cinlicß. Ich glaube, cs war Ekel vor sich selLtz:r." Ärtur riß sich zusammen. „Was bringt dich auf diesen 'Gedankeii?" .„Nun, niminst du vielleicht an, Viktor hätte nicht gewußt, das; ihn niemand lcidön mochte, und daß die Menschen geradezu davonliefen, wenn er kam! Und dock konnte er sich «licht helfen: er mußte sie niedcrschreien und vor den Ltopf stoßen. Er zankte fick herum mit den Leuten, die ihm Aufträge gaben; er raufte sich mit seinen .Nollegen; halte Auftritte sogar mit den Tienstboten und dem Portier. Es war etwas in ihm, was er niedcrschreien wollte — niederschrcien mußte. Was das wohl war?" Artur legte seine Hand auf Joes Arm. „Was glaubst du, das; cs war?" Joe zuckte die Achseln. „Er kam vor ungefähr zehn Tagen zu mir in mein Zimmer und sagte, er wolle für den Frühling und sommer. nach Europa gehen, »sehr gut', sagte ich. .Warum eigentlich?' Er schnarrte mich an wie gewöhnlich: .Ich lveiß nicht. 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