Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 11 (11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 11 e neindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dre-den Seite 11 Zahlen beweisen! Von Walter Meyer, Vorstandsmitglied des Dresdner Sporiverci, s Bar Kochba i Zum l»jährigen Bestehen des Bar Kochba Wenn wir, wie schon vi> le Generationen vor uns, eine neue Welle des Antisemitismus n itcrleben und uns von dem täglichen Wachsen dieser Bewegung überzeugen müssen, so genügt cs nicht, ivenn wir uns darüber mir selbskbetäubendcn Phrasen hinwegzusetzen suchen, sondern wir! müssen uns fragen, welche Ursachen der Bewegung immer neue Nahrung geben. Unstreitbar ist als .Hauptgrund der instinktive uralte Rassenhaß gegen das jüdische Volk anzusehen, welches trotz jjahrhundcrtelanger inniger Berührung mit anderen Völkern seine Eigenart behalten hat und diese in allen Lebcnsäußerungen aufs stärkste betont. Es ist eine alte Tatsache, daß der Mensch gegen alles, was „anders" ist, als er cs gewohnt ist, ein Mißtrauen hat, das sich bis zur offenen Feindschaft steigern kann. Hierin wurzelt wohl auch der Antisemitismus, der uns selbst bei Menschen freiester Anschauung überrascht, lieber diese Art des Antisemitismus zu disputieren ist zwecklos, er wird doch nicht eher aufhören, als bis der Jude von dem Wirlsvolk weder innerlich »och äußerlich zu unterscheiden ist, d. h. also niemals. Was wird uns Juden weiter vorgeworsen? Es ist das alte Lied; wir seien kritisch zersetzend, nicht aufbauend, materiell und nicht ideell, und vor.allen» körperlich minderwertig! Wen» wir auch mit gutem Gewissen sagen können, das; die Werte, die jüdische Volksgenossen der Menschheit bis in die letzte» Tage hinein geschaffen habe», den Beweis für die Aufbauarbeit jüdischer Tatkraft gegeben haben, so bleibt doch ein klein wenig zurück, was uns zum Nachdenken zwingt. Wir hoben mit-der Tatsache zu rechnen, daß eS der jüdischen Eigenart entspricht, aus den Gebieten etwas sichtbares zu leisten, bei i enen cs darauf ankommt, scharf und logisch zu denken, kurz auf! en »lsbjcten, die rein geistige Schulung voraussetzen. Jahrhundert! langes Gettolcben hat der jüdischen Entwicklung eine bestimmte Richtung aufgezwängl. Weil die Möglichkeit einer körperlichen D urchbildung ausgeschlossen war, ist die geistige Beweglichkeit überzüchtet worden. Harter Kampf um das nackte Dasein taten das übr ge, um den Typ des Juden zu schaffen, der uns heute geläufig ist: Intelligent, mit beiden Füßen fest im Boden der Wirklichkeit wr rzclnd, doch schwer begeisterungsfähig für Dinge, die nicht greifba cn Erfolg versprechen. Vor allem aber mit wenig Verständnis dafür begabt, daß auch der Körper ebenso wie der Geist geschult werden muß. auch wenn dies mit Anstrengungen und Unbequem ichkeiten verknüpft ist. Wir leben aber heute in einem Zeitalter, das die Anschauungen von gestern über den Haufen geworfen hat, i:m sich neue Maßstäbe zu schassen. In einer Zeit, in der ein Poar sportlich geschulte Boxcrfäuste ein lauteres Echo in dcx zivilisierten Welt wecken können als die weltcrfchütterndcn Erkenntnisse :ines Einstein, sind die Wege, auf denen wir uns Achtung erwerben können, andere als bisher. Gewiß, wir wollen das geistige Erbe pflegen und weiterbilden, aber wir wollen und müssen da einjetzen, wo wir noch viel zu tun haben, um uns in der breiten Nasse Geltung zu verschaffen: in der körperlichen Ertüchtigung mseres Volkes, unserer Jugend; hier müssen wir arbeiten, hier müssen wir Begeisterung wecken, hier »rüffen wir neue Ideale shaffen! Zahlen beweisen! Leistungen, die mit einer Zehntelsekun)e meßbar sind, sind nicht diskutierbar und auch nicht durch noch se scharfe Dialektik zu verkleinern, sichtbares Können ganz allein nur kann auch das Gerede von der körperlichen Minderwertig! :it des. Juden aus der Welt schaffen. Wenn wir wollen, daß das jüdische Volk tausendjährige Tradition weiter fortführen soll, so müsien wir unseren Volksgenossen die zwingeitde Notwendigkeit körperlicher Ertüchtigung durch den Sport vor Augen führen. Hier i t der Boden, den zu bebauen sich lohnt und der gute Frucht trägt. Auf dem Sportplatz wird nicht nur der Körper geschult, sondern w rpen auch die Gesinnungen umgeformt. Wer sich beim Sport dem besseren Können einer jüdischen Mannschuft hat beugen müsien, wird mit antisemitischer Betätigung vorsichtiger sein müsien und auch fein. Von viele» Seiten hören wir immer wieder: es ist falsch, jüdische Sportvereine zu schaffen, geht in die anderen und zeigt dort eure sportlichen und »lenichlichcn Qualitäten!- Es ist nicht leicht, das Falsche dieser Anschauung zu beweise». Aber wer die Tinge vois^ innen heraus kennt, denkt anders.. Gewiß nimmt jeder Sportverein, mit wenigen Ausnahmen, jüdische Sportler mit. Freuden aus, aber ist damit der j ü d i s ch e t? Sache gedient? Wer von der großen Masse des Publikum» weiß, es, ob nicht vielleicht in dem einen oder dem anderen Falle ein Erfolg durch jüdisches .Können entschieden wurdet Kaum wird ein Verein cs über sich-bringen, seine tüchtigen jüdischen Mitglieder besonders hcrauszustreichen. Wir wollen aber die Fabel von der jüdischen Minderwertigkeit aus der Welt schaffen. Wer in der letzten «Zeit an den großen sportlichen Veranstaltungen als Zuschauer teilgenommen hat, mußte mehr als einmal sich die höhnischen Bemerkungen des Publikums beim Antreten unserer Bar-.Kochba-Mannschäften mit anhörcn. Aber er konnte dann auch initunter sehen, wie Spott und Hohn verstummten und achtungsvollem Erstaunen Play machten, wen» unsere Jungen den anderen die schatte,iseite ihres Körpers zeigten. Ist dies nicht etwas ganz anderes? schafft dies nicht wirklich« Werte für unser jüdisches.Volkstum? Gerade weil wir verleumdet und verlästert werden, weil man uns teilweise nicht als voll anjicht, möchte ich jedem Juden eiithämmern: Sei stolz! Nur so kannst du dir Achtung verschaffen. 'Laufe nicht den anderen »ach, die dich bestenfalls nur dulde». Schaffe selbst Leistungen, vor denen die Well Achtung hat, dann werden die anderen dich suchen. Wen» irgendeiner glaubt, den leisen oder lauten Antisemitismus durch ein allzusehr betontes Anlehnungsbedürfnis bekämpfen zu können, der irrt, sich gewaltig. Zahlen beweisen, besonders auf dem bisher euch fremden Gebiete des Sportes; zeigt hier, was ihr könnt, dann tötet ihr den Antisemitismus durch Lächerlichkeit. Das ist das Ziel. Der Weg ist lang und schwer. Im Anfänge meiner Ausführungen sagte ich. daß es nicht leicht ist, den Juden für Dinge zu begeistern, die nicht sofort greifbaren Erfolg versprechen. Unser Verein hat viele Mitglieder, aber wenig Mitarbeiter. Selbst bei unseren Aktiven ist cs nicht viel besser. Ja, wenn es billige Lorbeeren zu. holen gilt, sind alle da, wenn der greifbare Erfolg aber unsicher ist, bleibt nur das kleine Häuslein' Unentwegter. Wir haben einen teuren Sportplatz, wir haben die Ilgen-Bahn zur Verfügung, wir haben einen teuren Trainer: Wie viele benutze» aber'diese Trainingsmüglichkeite»? Sind irgendwo Wettbewerbe ausgeschrieben, so wissen die Obleute der verschiedenen Abteilungen ein Liedchen davon zu sickgen, wie schwer es ist, die nötigen Mannschaften zusammenznückommen. Ohne die intensive Mitarbeit jedes einzelnen ,ind keine Erfolge zu erzielen, und wenn wir kämpfen wollen, muß jeder an seinem Platze sein, auch dann, wenn es einmal ungelegen kommt. Nehmen wir uns ein Beispiel an den anderen. Der älteren jüdischen Generation rufe ich zu: „Wir kämpfen auch für euch, für das jüdische Ansehen in der Welt, helft uns. kommt zu uns, schickt uns eure Kinder und -- gebt uns Geld! Ohne Geld sind wir machtlos, ohpe Geld zermürben wir uns in kleinlichen Rivalitäten, ohne Geld können wir keine Veranstaltungen ausbauen! Wir selbst sind zu schwach, um aus eigenem heraus uns helfen zu können. Zeigt uns euer Interesse recht, recht intensiv — Zahlen beweisen! Gute Arbeit Ist die drundlaBe unserer Etfolfie Preise sind anerlcanrtf-maBis. 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