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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1929-10-01 · 10 (10.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
5 (1929)
Issue
10 (10.1929)
Date
1929-10-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 «meindeblatt der Israelitischen Religio nSge in ein de Dresden damals, ans der Höhe s< ines äußeren lllanzes. kaufte er «ich dieses schöne .Hans, sc tsamerweise im Judenviertel. Als Laskia gestorben nnd dis vermögen in Perfall gerate» ist. wohnt Reinbrandt noch immer dort, und als er schließlich durch Erekution vertrie >cu ivird, als ih», alles zusammen, blicht, ivohnt er ivciter i, Tachstuben und Gasthöfeu am Rande der Judenstadt und mal! Malt in dcniselbcn Maße, wie sich die (Gesellschaft mit ihn» Porträt- und sonstige» Aufträgen von ihm zurückzieht, i» mer ansschließlillier Juden! Tic Juden, die nach orthod »rein Glauben gar kein Porträt von sich selbst oder von den Ihrigen anshängen,dürre». Aber er malt sie, ioeil er ihre Eesichtcr braucht, weil er in ihnen den Ausdruck findet, der imi rcr neudurchgearbeitet, immer reiner verdichtet in seine groß«» biblischen (Kompositionen übergeht, diese letzten höchsten Offenbarungen der Rembrandtschen Kunst. Saul und Tavi i auf dem berühmten Bilde im Haag: ein müder vom Leben uitgcnommcner alter Mann und ein kleiner, feiner, listig sä lauer Judenkuabe aus dem Amsterdamer Getto, Und dcr Christus auf dem erschütternden Emmaus-Bild im Louv e ist sichtbar Schritt für Schritt hervorgegangen aus zahlr ichen Studien, die als „.(topf eines jungen Jltden", „Bildn s eines Rabbiners" bekannt lind. In allen großen Galerien der Welt hängen (neben einigen ivenigen, auch mit Na» eu zu belegenden jüdisckien Porträts) diese Studien, die jüdische Männer, Knaben, Greise darstellcn. Tiefer deutsckfeste Male, dem außer dem Volksgenossen doch noch das mannigfache Mmsckfenmaterial einer großen Handelsstadt zu Gebote stand, braucht - das jüdische Gesicht. Rembrandt hat auch etlick)e der berühmten Lehrer von der Schule „Baum des Lebe is" gemalt und sickierlich hat sein Stift auch so niancheu von d :n Schülern, die alltäglich a>> seinem Hause vorbei in djc scherze Synagoge gingen, scstgehalteu. Einer war unter ihnen den Rembrandt ganz gewiß gesehen und sehr ivahrsckicinlich mch gezeichnet hat. (Wenn die Identifikation des Porträts unter den Bildern all dieser jungen Juden auch nie gelingen wird.) Einer, der A> Jahre nach Rembrandt geboren, doch noch 37 Jahre mit ihm zugleich leben und sicherlich mit ihm der berühmteste Amsterdamer des Zeitalters werden sollte! — Tie Familie d'Espinoza war im Anfang des Jahrhunderts aus Portugal herübcrgckommen. Am 21. November l(J3i2 wurde dem Michael d'Espinoza ein Sohn Baruch geboren, j Als Benedikt Spinoza ist er einer der mächtigsteif Beivegcr des Mensck)engcschlcchts geworden. Aber seltsam, in dcinselben Maße und fast in derselben Zeit, in der der große l eutsche Maler sich immer tiefer in das Leben der Amsterdamer Judenschaft vergräbt, trennt der junge jüdische Philosoph sich von der Synagoge, mit der er zerfällt, von der Familie, deren Erbteil er ausschlägt, von der Amsterdamer Judensckiaft, die ihn verstößt. Sein privater Umgang bleiben ein paar schlich e niederländisckie Handwerkslcnte, bei denen er wohnt: sein geistiger ei» paar Gelehrte von Rang »nd internationaler Hirknnst, mit'denen er iili Briefwechsel steht. Und so, währe»! er sich pom Schleifen optischer Gläser ernährt, schafft dieser Jude sein Memcklheitswerk. Man hat bekanntlich gesagt „Tcntschsein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen :»»". Ich habe das immer für einen sehr schlechten ckfanvinis ischen Satz gehalten. Aber M e n s ch - sein — in irgendeinem höher?» und wesenhaften Sinne des Wortes Mensch sein ieißt allerdings, unter Verzicht auf alle Eitelkeit in einer Sach:, für eine Sache leben können. Und bei einem Künstler gil t es kein so großartiges, so bis zum Grausigen vollkommen:s Beispiel für die reine Besessenheit von einer Sache als R mbrandt. Er ist noch nicht IN Jahre, aber schon einigermaß n berühmt, als ein gelehrter Kunstfreund ihn aufsucht, wi! er mit seinein Freunde Ton in einem Raum der väterlichen!l!ühle sitzt und malt, und dieser,Zeuge berichtet: „Während sie sich ihre Zeit recht zunutze machen, ist das allein ihr Ziel, Sogar dile unschuldigen Vergnügungen der jungen Leute habe t so wenig Reiz für sie. als wären sie zwei vom Leben gesättigte Greise". Auf der Höhe seines Erfolges schreibt Rembrandt. der nicht einmal in der Malcrgilde eine Stellung eingenommen und erstrebt hat, in ein Stammbuch: „Ein fromm Blut kracht Ehr statt Gut". Und ob es nun Gesicht und Gestalt der geliebten Frau ist, ob Julvelen, kostbare Teppiche, Waffen und wertvolle Bilder — er sucht und hält alles nur, weil man es malen kann oder allenfalls davon dar Ma e» lernt. Wen» er bei dem Zniainmcnstnrz seines äuferen Vermögens alles verliert, so hat das mir die Folge, daß feire .(tunst sich ohne allep Zierat uunuiehr aus Mensäfengesichtur beschränken muß und so immer mehr nach innen dringt. Von dem Rembrandt aus der Höbe berichtet ein Schüler: „Der mächtigste Fürst von der Welt konnte. Eintritt begel renJer hätte ihn nicht bekomuien. ehe Rembrandt sertig war' beinahe jede Sfnude mit Malerei ausgefiillt ivar, von allen verlassen, tirbt. und/in Arnieugrab erhält, da verzeichnet die terbeurk mde sals leine» Besitz „seine Kleider. 8 Taschentiidwr, l«> pinoka, dör wiederholt ehrenvolle und vorteilhafte Berufungen ^abgelchnt hat. um unter de» allerbescheidensten BegaNz und gar seinef Sackte leben zu kisuueu. dingunge schreibt: Traldcru feit, und und daS daß alles ind Seufzen, sondern in Ruhe, Freude und Heitergibt ijiir die größte Genugtuung und (Gemütsruhe, »irch Ich Neige Seite Und als Rembrandt mit <>-3 Jahren, von denen Mützen. eine Bibel und das Malgerät." genieße und verbringe mein Leben nicht in so stufenweise ompor. Ich erkenne dabei die Mackst des höchst vollkommenen Lebens nnd nach seine!» unabänderliche» Entschlüssen geschieht." Was der Philosoph »»»>>- fnti genannt hat, das hat niemand vollkommenei geleit als Rembrandt: die grenzenlose, die völlig hemmungslose Hingabe, au den. einen Berus. Aber in Hem andersartigen Stile seines Geistes hat Spinoza die glciäv Vollkomn cnhei eines wahrhaft berufenen Menschen mit seinem Leben tzargetan: nnd zu jeder Zeit ist cs wobl diese hohe Würde st ines persönlicklnt Tgseins geivefen, die mindestens in gleiä>cr Stärke wie seine begrjsslich geformte Philosophie bist die Menschen, gewirkt.hat. Von steickler Zeit hervorgebracklt, vom Leben derielben Stadt ge lährt, envachsen hier ans verschiedenem geislesgefchichtli hem Hintergrund zwei Menschen: der eine, Rcmbraudt. halländ sch-protestantiswer, - der andre, Spionza. aus seiner ipestfisch jüdischen Unigctnuig heraus zu gleickter Würde und Reirheit!es Lebeüs und des Werks. In dein Streben nach Vollendung ihres Wesens gibt es keinen Unterschied der Art oder des lianges.' Es scheint nicht, daß vollkoinnienes Menschentnm Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse als Voranssezung hat. Aber umgekehrt sckleint es, daß die Erfüllunsj eines lAenschbeitsberuses zwar von einer bestimmten Herkunft aufgc geben wird: gewiß nicht zufällig wurde das sehende tige ilcst'rkzeng des Teutsckien und das denkende Hirn das Mastrial d:s Juden. Toch.daii» führt der Weg zur Vollendung beide Malea » s der B e g r e n z u n g der eigenen' Art fort. Ter jüdische Tenker mußte die eine» verlasse», niußte innigste Berührung mit dem geistigen Leben Europas suckle», »m sein - deshalb immer noch nick» nnjüdifchls'— Werk zu vollenden. Ter deutsche Maler aber brauchve, um s'ine Vision zu vollenden, das jüdische (Besicht imd bat es mit nie emiudender Leidenscklcift imnicr wieder durchforscht — dies körperlickle Gefäß, in dem Sehnsucht und Leiden sc viele ' Jahrhunderte niedergelegt war. Wi? Rembrandt und Spinoza aneinauder vorbeigingen, jeder zur Erfülsuttg seines innersten Wesens, auf das Volk des andern z i. das sckleint nicht Fremdheit und Ausschließlichkeit darzutun sondSritz eine geheimiüsvoll verwandte Anziehungskraft. ein tief iunerlickvs Bedürfnis »ach gegenseitiger Ergänzung. ' > j! SkucH ein Meines Inserat verfehlt seine WirKuyg nicht Vergessen Sie deshalb bitte nidit, vor Vergebung Ihrer ReKlarpeauftr&ge Konkurrenzangebote einzufordem von fac. SterniicM Dresden-A, Zeughausstr. 3 Ruf 1 4031-17887-39945 I

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