Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1929-05-01 · 5 (5.1929) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
5 (1929)
Issue
5 (5.1929)
Date
1929-05-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4892693-5739394-5769863--1194-4893809
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 5 Teile 12 Mitteilungsblatt deS Sächsischen israelitischen Gemeindeve rbandeS Weltverband ji idifcher Handwerker Ter Zentralx'erband jüdischer^ .Handwerker Teutschlmds «Vorsitzender Wilhelm Markus) propagiert die Idee der Sck«ffung eines Weltverbandes jüdischer -Handwerker. Tie Ziele dieses Verbandes werden aus folgendem, höchst i iterenanten und deachtensnvrten Ausruf enichtlich: „Tie loirtfcfjaftlicfxj Lage der Inden ist im lebten <ahr-;ehnt in allen Ländern einer starken Wandlung der b ruflicken Struktur untenvorfen. Tie. Juden werden durcl die wirtsck>titliche Entwicklung, dnrct die Entstehung von EKnossensckaften und Konsunwereincn. durch das Anivackiei der wirtschaftlichen Bedeutung der ,öffentlichen .Hand" in fast allen'Ländern in iininer stärkere»! Umfange aus den- SL*irtichaftspositioucn. die sie früher iiulBankwesen. im .Handel und Verkehr hatten, verdrängt. Breite Schichten des jüdischen Mittelstandes kämpfen schwer ulst ihre Existenz und sind in Gefahr, in immer stärkerem IlmfcHige der Proletarincrui g zu verfallen. j— So bedauerlich auch diese 'Erscheinungen sind, so ist doch nicht ,zll verkennen, daß sie in sich >icime wirtschaftlicher (')eiundung tragen. Im Bewußtsein der ans der Wirtschaft verdrängten und deklassierten Juden nxichst immer stärker di Erkenntnis, daß eine Rettung vom wirtschaftlichen Unterfang nur aus dem Wege zu produktiver Arbeit möglich ist. Tic la.ndwirtschastlicben Koloniiationsversnche in Rußland die groß angelegte Arbeit der (Gesellschalt „Ort" in Polen u;iö in Rumänien und wichtige Symptome dieser Erkeni tnis. stärker und bedeutsamer als der Uebergang der Indei zur Ländwirticlxtst in namentlich in Mittel- und Westruropl die Tatiacitc. daß die jüdiscite Jugend in immer größerem Umfange handwerklichen Berufen zustrebt. Es ist keine liebertreibung, wenn beute bereits festgestellt wird, daß das .Handwerkunter den Inden in den kommenden Jahren eine be)eiitiame Entwicklung zeitigen wird. Tie jüdisäten Handwerker, die seit jeher den Gedanke i der produktiven jüdischen Arbeit hochgehalten haben, stehen ül erall in den ernen Reihen derer, die an der Förderung der Produktwierung der jüdischen Bevölkerung tatkräftig mitarb iten. Tie Lage der jüdischen -Handwerker selbst ist heute noch nicht genügend gefestigt. Sie und in dem Kampf nni ihre Eristenz iebr häufig in einer viel schlechteren Position als ihre nichtjüdischen Fachgenossen, und zlvar deshalb, weil fi< ungemein stark unter den Verdrängungserscheinungen, denen die Inden in der Wirtschaft' icherall ausgesetzt sind, zu lüden haben. Nichtjüdiiche Unternehmer erteilen ihnen, selten Aufträge. bei den Lieferungen für Staat und Kommune TT; >d sie sehr ost im 'Nachteil. Tie jüdischen .Handiverker haben angst erkannt, daß auch ne nur auf dem Wege der Organisation. des Zusammenschlusses aller Kräfte für die Sicherung ihrer Existenz und den wohlverdienten wirtsckMtlichen Aufstieg ' kämpfen können. Die Idee der Organisation des jüdischen Handwerks hat in den letzten Jahren zahlreiche Freunde gefunden. In fast allen Ländern der jüdischen Siedlung Lst- und Mitteleuropas sind kräftige jüdische Handwerkerorganisationen entstanden. Ans der Idee der Selbsthilfe und des Eintretens für einander erwächst eine kraftvolle jüdische Handiverkerbewegung. Tie gemeinsame Not und die gemeinsamen Sorgen der jüdischen Handwerker in den iwrfnebcnen Ländern lassen den Zusammenschlttß der verschiedenen jüdischen Handwerkerorganisationen zu einein Weltverband des jüdischen Handwerks notwendig erscheinen. « Als Aufgaben eines solchen kämen in Betracht: 1. Zusammenfassung aller jüdischen .Handwerkerorganisationen zu einem Weltverband der jüdischen .Handwerker. 2. Gesamtvcrtrctung der jüdischen -Handu'erker bei allen jüdischen Organisation«:!! und allgemeinen Berufsvereinigungen. insbesondere bei jenen, die für die Produktivierung der Juden tätig sind. 3. Schaffung tind Ausbau von Krediteinrichtungen und Genossenschaften für die jüdischen -Handwerker a) in den Ländern durch Errichtung von Kreditgenossenschaften, >>) durch Zusammenschluß der verschiedenen genossenschaft-! lichen Krediteinrichtungen des jüdischen .Handwerks zu einer großen Zentralbank, mit der Aufgabe der zentralen Regelung der K-reditversorgnng der einzelnen Genossenschaftsbanken, r) gemeinsamer und dadurch verbilligter Einkauf von Maschinen und Material, eventuell Uebernahme des Exports bestimmter, im Handwerk verfertigter Waren. 1. Schaffung von Berufsarbeitsgemeinschaften zwecks Austausch der beruflichen Erfahrungen und Verbesserung der Produktion und Arbeitsmethoden. 5. Schaffung einer Beratungsstelle für Wirtschaft und Technik im Handwerk. 6. Förderung der L hrlingsausbildung. Studium der Wirtfck>aftslage der verschi 'denen Berufe zwecks Zuführung der jüdischen Jugend zu jen n Berufen, die handwerklich heute noch als aussichtsreich ai gesehen werden. 7. Veranstaltung von Tagungen der jüdischen Handwerker zwecks Austausch von D einungen ilnd Erfahrungen, sowie zwecks Ausbau der Organisationen und Anbahnung freundschaftlicher Beziehungen ^zwischen .Handwerkern der verschiedenen Länder." Alls dem preshische» Laadesvekbcmb jüdischer Seme« bell Am Montag, dem 3. April, tagte zu Berlin unte; Vorsitz des Herrn Rechtsanwalt Tr. Alfred Klee der v e n t i o n s - A u s f ch u ß des Preußischen Landesver jüdisttier Gemeinden. Wie fretSj war auch dieses Ma^ umfangreiche Tagesordnung zu erledigen, da sich eine Anzahl von Gemeinden und Einzelpersonen mit der Bit Unterstützung an den Landesverband geivandt hatte. Es mit Genugtuung -feslgestellt werden, daß es möglich g ist, in einer ganzen Reihe von Fällen den Anträgen geben. — Einer Lehrerwitwe wurde eine laufende gelvährt, einer andern die Weiterbewilligung der lau Unterstützung zugebilligt. Zwei Witwenpensionen lyurö höht. Einer besonders leistungsschlvachen Gemeinde eine laufende Unterstützung bewilligt. Einem Lehrer eine Summe zur Deckung von Verpflichtungen zur Vers gestellt. Tie Weiterbewilligung mehrerer Stipendien wu Aussicht genommen. Ferner bewilligte der Ausschuß Lehrer die notwendigen Mittel zur Ausbildung, um den Stand zu setzen, im Provinzialverein israelitischer loser in Gelsenkirchen Gottesdienste abzuhalten, andern Lehrer wurde eine Erholungsbeihilfe gervährt Bewilligung eines Zuschusses für die. Durchführung Fortbildungskurfus, den eine Arbeitsgemeinschaft Lehrer eingerichtet hat, wurde beschlossen.;u )t dein u b - btlndcs eine proße e um kann ctvesen st rttzu- B ihilfe spnden n ervurde vurde; igung :de in -inem in Gehöri cinem Tie -eines ischer :n verschiedene Gesuche um B a u - (ssemeinde erhält zur Instandsetzung Hilfe sowie ein zinsloses Darlehen, z^r Errichtung eines Betsaales, in t die Bewilligung der Wiederherchen FriedhofeS. Auch zur Fertigbegriffenen Ritualbades wurde eine längere Aussprache über die Er-' e h ä l t e r an Kultusbeamte a. .D. und Hinterbliebene statt. Obwohl sich alle Mitglieder des Ausschusses darüber einig waren, daß die zur Zeit festgesetzten Beträge an und für sich unzulänglich sind, mutzte man mit Rücksicht auf die geringen noch zur Verfügung stehenden Mittel von einer Erhöhung im laufenden Rechnungsjahr absehen. Auch dieses. Mal lag b e i h i l f e n vor. Eine ihrer Synagoge eine Be eine andre Gemeinde einem dritten Falle dich stellung eines alten jüdi stellung eines im Bau Summe ausgesetzt. Es ^fand sodann ein« höhullg d § r Ruhet Arbetterkolollie-Aktioll (Bayeru-Lachseu) Tie finanzielle Aktion zur Errichtung der Arbeiterkolonie macht erfreuliche Fortschritte. Der Rat des Verbandes Bayrischer Israelitischer Gemeinden hat beschlossen, die Arbeiterkolonie mit 10000 Mark zu subventionieren. Desgleichen hat der Sächsische Israelitische Gemeindeverband eine Subvention von 5000 Mark bewilligt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.