Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 2 (6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
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- Plauen 2× ep/1045447
- Zittau 2× ep/1046085
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gegangen ist. und recbtfertigt dies mit den besonderen örtlichen Verhältnissen. Die Gemeinde erbebe aber auch nicht den Anspruch auf volle Rückerstattung ihrer Ausgaben, sondern begnüge sich mit einer Teilrückvergütung, behalte sich aber ein .gewisses Mitbcskimmungsrccht hinsichtlich des dadurch frci- ' werdenden Betrages vor. Hiernach wird die- Abrechnung einstimmig genehmigt. Es verbleibt ein Bestand von etwa 5000 M„ über dessen Perivcndung später beraten wird- Die Rechnungsprüfung wurde den vcrrcn Ehanange, Annaberg. und Hehmann. Plauen. ilbcrtr<rgcn. Diese nahmen im Lause der weiteren Tagung die Prüsiing der Bücher vor und bestätigten deren vollständige Richtigkeit. (Geldbeschaffung für das laufende Geschäftsjahr. Als Beitrag zur Landcskasse für das abgelaufene (Geschäftsjahr, welches Nur!» Monate umfasst hat. sind 2,3 vom Tausend des Rcichseinkommcnsteucrsolls notwendig gewesen. Obwohl das laufende OZescbäftsjahr 12 Monate umfasst, hofft man doch wieder mit der gleichen Beitragshöhe auszukommcn. wenn ein Teil der bisherigen Ortskassen wegfällt. Auflösung der kleinen Kaffen. Herr Kahn, Chemnitz, bitte! um Acusscrung, welche der kleinen Ortskassen freiwillig zurückzulrcten geneigt sind. Dr. Krcutzberger erklärt die kleinen Kassen als Wurzel allen Nebels. Er erlväbnt, dass cs ausser Sachsen kein Land gibt, in dem jede (stcmcindc zugleich Ortskassc ist. und hält diesen Zustand für unhaltbar. Nach Borschlag von Hcvmann, Plauen, soll ausser Leipzig noch Dresden bestehen bleiben. Tic Pcrtrcter von Chemnitz erklären, dass ihre Ortskasse unter allen Umständen bestehen bleiben müsse. , Man erklärt sich einverstanden, vorläufig auf ein Fahr die drei Kaffen Leipzig. Dresden und Cbcmnitz bestehen zu lassen. -Auf einen Einwnrf dcS Herrn Bellak, Zittau, wird scstgestellt. dass es. zur Auslösung von bisherigen Kassen einer Satzungsänderung nicht bedarf. Herr Rccbrsamvalt Salingcr, Dresden, der während der Erörterung dieser Frage erschienen ist, unterstützt den Antrag, die kleinen Kassen versuchsweise auf ein Jahr aufzulösen. Zuständig ‘ für die endgültige Klärung der Angelegenheit sei . die heutige Versammlung nicht, da sie nur ein Unterausschuss des Verbandes ist. und diesem die Entschliessung obliege. Es sei aber durchaus nicht daran zu zweifeln» dass der Perbandsausschuss der Auflösung zustimmcn würde. Beförderung und Verrechnung mit Prag. Zu der Frage liegt xin Antrag von Prag vor, der verlesen Ivird. Dicse^Stcllc fordert, dass nur Durchwandercr tschechoslowakischer Staatsbürgerschaft durchgängig nach Prag befördert werden, während andere Staatsangehörige nicht in diese Beförderung^ cingeschlosscn werden sollen. ES wird beschlossen, die Klärung dieser ,rr^U einer unmittelbaren Auseinandersetzung ztviscbrn der IüdissM Fürsorgczcntrale Prag und der Hauptstcllc für jüdische Wanderfürsorge in Berlin zu überlassen. Zeitfchrift. Tie Leipziger (steschäktsleitung fragt an, ob die Zeitschrift „jüdische Arbeits- und Wandcriürsorgc" den an der Wanderfürsorge beteiligten Personen regelmässig zugebt. und bittet, Wünsche auf Ilebermittlnng weiterer Stücke unmittelbar schriftlich vor.zubringen. Bei dieser (Gelegenheit wird der Zeitschrift von allen -Leiten Lob gezollt. Landwirtschaftliche Arbcitcrkolonic. Herr Dr. Krcutzberger, Berlin. berichtet über den gegenwärtigen Stand der Arbeiten zur Errichtung einer landtvirtschaitlichen Arbeiterkolonie. Er teilt mit. dass zur Durchführung des Planes 300 000 M. erforderlich sind. Tie staatlichen Behörden b>-lbcn sich bereit erklärt, einen Kredit von 60 000 M. zu gclvähren. Er führt aus, Ivie ein Teil der weiter benötigten Gelder beschafft werden soll, und schlägt vor. zu diesem Zweck den Bestand der Landcskasse von 5000 M. der Hauptstclle für jüdische Wandcrfürsorgc zuzuwcisen. ' Es habe keinen Sinn. die Wandcrfürsorgc wie bisher gleichsam als Abtvebrtätigkeit zu betreiben. Sic müsse unbedingt produktiv gestaltet werden. Herr Rechtsanwalt Salingcr stellt fest, dass die Versammlung für die geforderte Geldbewilligung nicht zuständig ist. Wenn er selbst auch dafür eintrcte. die Wanderfürsorge produktiv zu gestalten, rnöchtc er doch die Frage aufwerien. ob durch die geplante Arbcitcrkolonie die Krankheit des Manderns zu beheben ist. und ob cs den Verbänden zugemutet werden kann, für etwa 50 Leute ein so kostspieliges Berkins Leben zu rufen. Es sei notwendig. dass zunächst einmal das gesamte Material über die wirtschaftlichen Voraussetzungen und Auswirkungen des geplanten Unternehmens, dem Sächsischen Gemeindeverband und der Landcskasse vorgelcgt wird. Zm Anschluss hieran meint Herr Direktor Katzenstein, dass man zirnäcbst daran denken könne., den vorhandenen Gcldbestand wenigstens zum Teil kür Einrichtungen der produktiven Wanderfürsorge im engeren Bezirk der Landeskasse zu verwenden. Die Besprechung wird durch ein von der Dresdner Gemeinde gebotenes frühstück unterbrochen. Herr Kahn. Chemnitz, dankt hierfür der Dresdner Gemeinde und gibt, da er abreisen muss, den Vorsitz an Herrn Direktor Kadenstein ab. Dieser führt seine vor der Unterbrechung der Sitzung gemachte kurze Bemerkung des Näheren aus. Die heutige Tagung könne mangels Zuständigkeit zur Frage der Geldbewilligung nur wenig sagen. Sie vnne sich nur über die Zweckmässigkeit der Arbeitcrkolonie äussern. Ein solches Werk könne gar nicht hoch genug geschätzt werden. Der Segen einer solchen Zufluchtsstätte für die Durchtvändcrer Iviirde unermeßlich sein. Dies sehe man am besten an den Bodelschwinghschcn Anstalten, -deren Tätigkeit wunderbar und ergreifend sei, die aber auch hinsichtlich der Geldaufbringung vielleicht beispielgebend seien. Sie wenden sich unausgesetzt und unermüdlich immer wieder an diepriv>itcn .Kreise, die.sic durch ihre Druckschriften für ihr Liebeswcrk erwärmen und dadurch private Gelder aus allen Bcvölkerungsschichten gavinnen. Die Hauptstclle für jüdische' Wandcrfürsorgc möge prüfen, inwiclveit sie ähnlich« Wege bcschreitcn könne. Hierzu ständen die in allen grösseren Gemeinden bestehenden Gcmeindeblättcr und die sonstigen jüdischen Zeitschriften zur Verfügung. Man solle darin volkstümliche Aussätze über das geplante Werk veröffentlichen, welche die Notwendigkeit und den Segen desselben in handgreiflicher Weise zeigen- Vielleicht empfehle cS. sich, Druckschriften in Massenauflagen hcrzllstcllen und den Zeitschriften bcizulegen und auf diese Weise den (öedankcn der Arbciterkolonic in die weiteste jüdische Ocffcntlichkcit zu bringen. Es sei bedenklich bei der ,Tüllc der jetzt schon den Verbänden oblicgcndxn Aufgaben diesen wieder neue Lasten aufzucrlcgen. Von berufener Seite, Herrn Rabbiner Dr. (Koldmann, Leipzig, sei in Nr. (Z der Zeitschrift des Hilfsvcrcins israelitischer Gewerbetreibender darauf hingcivicsen worden, welche Gefahr darin liege, alle soziale Fürsorge auf die Gemeinden und Verbände abzuivälzcn, während die private Wohltätigkeit unserer Glaubensgenossen zu erlahmen drohe. Der bei der Landcskasse vorhandene Gcldbestand gebe die Möglichkeit, produktive Einrichtungen, wie sic andere Bezirke bereits haben, nämlich ein llntcrkunstshcim oder eine Holzspaltcrei oder eine Klcidcrkammcr oder dergleichen für unseren engeren Bezirk zu schzffcn. Für solche Zwecke solle man wenigstens einen Teil des verfügbaren Geldes bestimmen. - Herr Dr. Kreutzlicrgcr schildert nochmals in eindringlicher Weise die Nöte und Drangsale, welche die wirtschaftlich Schwachen auf die Wanderschaft treiben. Es gelte insbesondere, die Entgleisten untcrzubringcn. die in der geregelten Wirtschaft riicht unterkonnnen. Dies seien insbesondere Strafentlassene und heimatlose Flüchtlinge, Erwcrbsbesckiränkte und sonstige Hilflose aller Art. Das Werk müsse geschaffen werden, die llnterlassuvg könne von der Juhenhcit nicht verantivortct werden. Leider habe die Erfahrung gezeigt, dass die privaten Spenden des jüdischen Mittelstandes nur unzulänglich seien. Dies habe sich z. B. bei der Sammlung des Jüdischen Frauenbundes zur Errichtung einer Lungenheilstätte und bei anderen Anlässen erlviesen. Er werde aber bi.c Anregung des Herrn Direktor Katzcnstcin der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge unterbreiten. Die finanzielle Mitwirkung der Gemeinden und öffentlichen Verbände sei unerlässlich. Es ist gedacht, dass sie i 100 000 M. aufbringen. Wie hoch das Werk geschäht werde, sei aus der Zusage von 60 000 M. aus staatlichen Mitteln ersichtlich Die fehlenden 140 000 M. hoffe man von Einzelpersonen zu erhalten. Der Redner .stellt den Antrag, dje heutige Versammlung möge eine Entschliessung fassen, die zur Förderung der Sache dem Sächsischen israelitischen Gemcindevcrbandc vorzulcgen ist. Herr Bellak, Zittau, begrüßt den Plan und sagt für seine Person Unterstützung im Verbandsausschuss, zu. Fräulein Waitzfclder, Dresden, bezweifelt. dass von privater Seite die (sscldcr aufgebracht werden können, und ist überzeugt, daß die Dresdner Gemeinde ihre Hilfe Zusagen wird. Herr Direktor Kahenstcin niacht den Vorschlag, dem Verbandsausschuss zu empfehlen, dass von den zur Verfügung stehenden 5000 M. die Hälfte sü» die Arbcitcrkolonic. die andere Hälfte für im Lande Sachsen zu schaffende Einrichtungen für die Wanderfürsorge verlvcndet wird. Nachdem noch die Herren Hcymann, Plauen. .Benjamin, Chemnitz, Bellak.« Zittau, und Dr. Gärtner, Zwickau, sich sämtlich warm für die Schaffung der Arbciterkolonic eingesetzt haben, wird folgender Antrag des Herrn Hcvmann, Plauen, in Verbindung mit einem Antrag des Herrn Bellak, Zittau, ein- "' stimmig angcnonzmcn:" - j »Die heutige Tagung der Landcskasse hält die Schaffung einer Arbeitcrkolonie seitens der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge für unbedingt erforderlich und bittet den Sächsischen israelitischen (öcmeindevcrbänd um Bereitstellung der auf ihn entfallenden Mittel. Die heutige Tagung gibt anheim, von dem vorhandenen Ueberschuss der Landcskasse 2500 M. für den genannten Zweck zu verwenden, die restlichen 2500 M. für Einrichtungen der Landeskasse Sachsen zstgunsten der Wanderfürsorge zurückzustcllen." Diese Entschliessung ist dem Ausschuss des Sächsischen israelitischen Gcmeindcvcrbandes vorzulegen. Die Sitzung wird kurz nach 2 Uhr geschlossen. ,