Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 2 (6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
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« Seite 2& Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 2 k Tragikomisches aus der jüdischen Geschichte Von Tr. B. May Mendelssohn kam auf einer Erholungsreise in Begleitung seiner Fatnilie am K>. '.Iitflujt 1776 nach Tresdeir. In der sächsische» >?iM'l>ladk miißlen fremde Juden dazumal Zoll und Welcitc, und tiv'iui iie fick mehrere Tage aufhielten. Nahrungsgcld und die Generalakziseinnahme bezahlen. Mendelssohn lachte laut auf. als der Iudenaufwärter Löbel Lckire zu ihm kam und zwanzig Groschen verlangte, um für ihn und seine Gesellschaft einen Zoll- und Geleits,zeliel \u holen. „Ter Verfancr de-:- Phädon soll sich verzollen gleich einem Achsen, das ist lustig!" sagte Mendelssohn zu seiner Gattin; dann zu seinem Lckwiegervalcr gewendet: „Nun sehe ick erst ein. wie gut Lavatcr es mit mir meinte, wäre ick Christ geworden, so könnte ich heute zwanzig (droschen sparen. — Tixtt" ruht er ernst fort, „Jude ist-Iude, ob er mit Philosophemen oder, mit alten lei der» handelt; gehorche ich den mosaischen '>>''» ieven, so muß ich auch den sächsischen Folge leisten." Ta zahlte er die;>ean zig. Groschen. Als auf der Zoll- und (Rileilserpedition die tiiiit jiidiielxii Personen genannt werten, siutzt der Einnehmer dock etwas bei dem Namen Mendelssohn: „Wie ist mir dock! — Mendelssohn aus Berlin — von dem Juden sollt' ich waS gehört haben: bar er nickt Bucker geschrieben"' Mendelssohn besuchte am Morgen.seiner Verzollung die kursüritlicke Bibliothek. Ter Bibliothekar Taßdorf konnte sich, nickt glücklich genug schaben, den berühmten Mendelssohn zu begrüßen und erschöpfte sich in Lobeserhebungen über seine Verdienste um die Literatur. „Ihre Ltadt ist herrlich," sagte Mendelssohn, „Ihr Land noch herrlicher, Ihr »ursürst das herr-lickste, was ich, znnäch't unserem Friedrich, kenne; aber". — hier machte der Philosoph läckeliid eine Pause. „Nun, was mißfällt Ihnen bei uns 7" fragte Taßdorf. „Tas; die hiesigen Gesetze Berliner Juden und polnische Achsen im Range gleickitellen." Und nun erzählte Mendelssohn die (beschichte mit dem (RlestSzettel und den zwanzig Groschen. Taßdorf ständ wie auf »iohlen, enischiildigre den Einnehmer teils mit strenger 'Pflichterfüllung. teils mir Mangel an tienntnis der Literatur und tröstete Mendelssohn, dai; der Fehler gemisz gutgemacht werden solle. Ter Philosoph birt aber, der Tacke nickt weiter zu gedenken. Tock den Biblivrhekar Taßdorf schmerzte die Kränkung, die. dem jüdiscken Weise» widerfahren war, tief in der Leclc. Maimt batte er iick entfernt, so nahm er hastig Hut und Ltock und eilte die;Zii',,iger:reppe hinab, um die ihm so ärgerliche (beschichte gleich bei der reckten Behörde anzubringen, nämlich bei dem öefjeinu’n Fnianzrat von Ierber, in denen. Hause er früher Hofmeister geiv.sen war. Ferber. nickt blos; ein tüchtiger Ltaarsmann. sondern auch ein Freund und »enncr der Literatur, fand die (beschichte ebenfalls bockü ärgerlich. Er teilte Taszdorfs Furcht, das; die Berliner Oelehrten sich gewiß in öffentlichen Blättern darüber lustig machen würden, und eilte sozzlcich, den Kabincttsminister pon den, Vorfall in .sienntnis zu setzen. Ter Erfolg war, wie er sich denken lief;. Logleich am nächsten Morgen ward dem Geheimen Finanzkollegium mittels Allerhöchster Verfügung anbefohlen, dem „Berliner Gelehrten mosaischer Religion, Herrn Moses Mendelssohn, die ihm abverlängtcn zwanzig Groschen zurückzuerstatte» und ihm zugleich zu erkennen zu geben, daß er mit seiner Familie in Treiben nach Belieben sich aufhaltcn könne, ohne die mindesien Abgaben deshalb zu entrichten." Mendelssohn freute, sich der Auszeichnung. die ihm die Regier»,ig a »ge de che n ließ. Tie zwanzig Groschen nahm er aber nicht zurück, sondern schenkte sie, mit einer viermal so starken Beilage-, der Armenkasse. — Ter bekanntr Lchriftsteller .(l. Emil Franzos schreibt einmal: Jedes Land hat die Juden, die es verdient. Er wollte damit bekiinde«. daß die Juden gleich allen andern Ltaatsbürgern überall da, wo ihnen <R:rechtigkcit als Ausdruck des Ltaalswillens ve» gegner, in rechter Gesinnung und Tat de» ihnen auferlegten Pflichten Nachkomme», daß aber die Ungerechtigkeit des LtaateS nnd-eine Willkür, die von seinen Führern oder deren ausführenden C rganen gchandhabl wird, notn>cndig auch im Charakter der Betroffenen und ihrem äußeren Verhalten zum Ausdruck kommen muß. Nicht alle besitzen die <Geistesgröße eines Mendelssohn, der mit einem überlegenen Lächeln auf die Boshaftigkeit und Rückständigkeit seiner Umgebung, auch wenn sie fürstlichen Ursprungs war, herabblicken konnte. Umgekehrt konnten sie selbst der grausamsten "Gewalt nie (Rnvalt cntgegenitellen, da sie überall in zahlenmäßiger Minderheit waren, ihre Waffe war nur die deS (R'iiics und die Art, wie sie sich damit verteidigten, entliehrt daher, wie wir an Beispielen zu zeigen versuchten, öfters nicht des komischen. Aber gerade darum ist bei diesem Lachen oft dem Herzen weh. Tarum war und blieb in alle» Zeiten des Juden sehnlichstes Gebet zu seinem Gotte: Erleuchte der Menschen Augen, auf daß alle erkennen, daß du Gott, du aller Menschen Vater bist! ... .... ........... Fa. Franz Horn Dresden-Ä. 24 LeubnitzerStr.3 T.elephon 43917 führt Dachdeckungsarbeiten jeder Art sowie Asphaltierungs* u. Gr und wasserdicht tungsarbeiten höchst zuverlässig aus. Bitte verlangen Sie kostenlos Angebote und überzeugen Sie sidi von der Preist Würdigkeit. BILLIGE Nordiand Reisen MIT »MONTE OLIViA«/.MONTECERVANTES« NACH DEN FJORDEN r. bis IS. JL'Ll NACH DEN FJORDEN UND DEN NORDKAP 3. bis 18. JULI, 19. JULI bis 6. 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