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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1928-02-29 · 10 (29.2.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
3 (1927-1928)
Issue
10 (29.2.1928)
Date
1928-02-29
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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«r. 10 Gemeindeblatt der Israelitischen ReÖgionSgemeinde Dresden, Seite Heiliges Theater? (*i» Nachwort zum Gastspiel der „Habinia" Pa» Tr. Leo o 11 Wir h^abe» die ...Habima" in Dresden gesellen. Große jüdische Schauspielkunst. Jüdisches Theater in Dichtung und Spiet. Gerade in der Purimzeit. Merkiuürdig: Purim war von jeher-die Zeit des jüdischen Thcaterspiels. freilich, man „verstellte" sich »ur. wie der Ausdruck heißt; es waren Narre,.- spiele und weit entfernt von der Größe und Bedeutung der jüdischen Bühne von heute. Wahrscheinlich handelte es sich also um primitive Berkleidnngskomödie. Was würden unsre Väter, die an jenem naiven Berstellungsscherznaives Gefallen fanden, wohl zur stunft der „Habima" sagen? . . . Was die „Habinia" künstlerisch bedeutet, habe ich an andrer Stelle (in den Dresdner Neuesten Nachrichten, Nummer H> und 47 vom 23. und 24. Hebrnar 192«) einem breiteren P'i bliknm darzulegen versncht. Hier muß ich als Jude zu Jud »och ein Besonderes sagen. Wir können mit Recht stolz sein auf dieses Theater, auf feine Dichter, auf seine Darsteller. Weniger auf das P.iblikum. Den» die Beteiligung der Dresdner Hilden war beschämend gering. Die Unbequemlichkeit der Nachtvorstellung wäre bei gutem Willen z» überwinden gewesen. Diese Bühne, die in allen größeren Theaterstädten jeden, der an Scha.ispielkunst nur halbwegs interessiert ist. begeistert hat, über die erste Kritiker Berlins, ohne Unterschied der Parteirichtung ihrer Blätter. Hymnen gesungen haben, hätte wohl ein größeres jüdisches Publikum verdient. Doch das nur nebenbei. Wir haben den „Golem" gesehen und den „Dybnk". der sich allgemein besonders großer Beliebtheit erfreut. Der . Dybuk" hat auch in Dresden stärkeren Anklang gesunden. Dennoch: der „Golem" ist das bessere Stück, das größere Kunstwerk. und seine Darstellung stand auf höherer Stufe. Ter „Golem" ist ein starkes Drania, nach den Gesetzen des Theaters. Erfüllt von dar Erlöst, »gsidee, der alten jüdischen Messiashoffnnng, und desgroßen Hrage: Wer wird helfen? Das Religiöse ist überall zu spüre», überall der Unterton. aber - das ist das Entscheidende nirgends anschaulich vorgeführt, das kultische höchstens einmal angedcutet. Der „Tybuk". ganz aiif Mystizismus gestellt, dramatisierte jüdische Dämonologie, operiert mit der Wirkung ans Masseninstinkte, mit der S chajn st e l l u n g kultischer Vorgänge. deren Erhabenheit der Jude, gleichviel ob er' an ihnen teilnimmt oder nicht, im Innersten empfindet. <Dcnn wenn auch das Gedächtnis vergißt, die Seele hat es noch nicht vergessen, was jahrhundertelang die Väter übten und empfanden.) .Dem mit .der Liturgie Pertranten geht das > Herz auf, wenn er die Gesänge hört, wenn ans der Bühne! ein Segensshrnch gesprochen wird, ein Schofar tönt, Kaddisch | gesagt wird. Das ist an sich schön und bcivcist nur, wie tief der Jude im Innersten mit Religiösem und .kultischem znsammenhängt. Aber: hier liegt nun die große Gefahr, daß das, was dem Juden das Heiligste ist, profaniert wird. Wir wissen, daß die i„Habima" seit Jahren ihre Stücke spielt, immer und immer iwicder den „Dybnk" ansführt. Nun bedenke man, daß hier her Gottesname auf der B ll h n e. zum Scheine also, angerufen wird, daß hier die Bundeslade geöffnet, Thorarolleg herausgenommen werden, daß vom Höchsten und Letzten, das jiidijche Tradition kennt, gesprochen wird, »aucrnd, täglich, in Serienanssübrnngcn, ckmndertmal. tanseninnal. Man gastiert mit gemimter Ekstase, macht tkünstl irische» Geschäfte in stawonob <Inbrunst). Men wird mir dagegen einwenden, es .sei doch kein Gottesdienst, was da ans der Szene geschieh. Gewiß, aber dem < »den ist alles, was mit heiligen Dinjgen zusammen l,ängt. heilig. Das darf man nicht zur Schau stellen, nicht vor Leute,. die kein Verhältnis dazu haben, die es nicht verstehen und, riclleicht weil sie es nicht verstehen, sich darüber luftig mache,.- (Es berührt den Empsindfamen ähnlich, als wen» ein jüdischer .Kapellmeister im Easö- oder stnrkon.zert »in „Andacht" litol-Nidre dirigiert) M> n verstehe mich nicht falsch! Ich plädiere nicht für ein Verb» der Aufführungen. Dem steht schon die Hobe außer gcwöb iliche Kunst der Tarstellniig entgegen, die alle An erkenn ung und Hochachtung verdient. Schon weil das jüdisch«- Tbeatr einen einheitlichen Stil hat, der dem deutschen Tbeat r beute fehlt. Aber man muß ans die Gefahr diese, Borstelnngen Hinweisen, ans die Gefahr, die der Bübne droht: -aß nämlich die Profanierung heiliger Dinge Ab ncignng bei den Traditionstreue» Hervorrufen muß. aber euch > nrückhaltnng bei allen, die Beichästignisg mit Heilige», respek ieren. Z> wünschen in, daß das jüdische £ blutetgeeignete Stückc findet. Die Stoffe sind da. harren Nur der künst lerisch», Jormnng. Welch herrlicher dramatisher .Konflikt ist der .stimpt in der Seele des-Juden von Heike, des enropä ifchen, des morgenläudischen, des palästinensischen im besonderen, das Entwnrzeltsein. Die Tragödie des Inden,^>er iul, zu seiaer eigentlichen Ausgabe nicht znrücksindet, 31111t Lernen ZN», höchsten, wozu er bestimmk war:-das Licht in die Welt zu bringen! - - 7 . W'nn aber das jüdische Theater uns darg» gemahnt und gar d,rch seine innere.straft Hilst, den Weg dahin zu finden., dann haben wir ihm z» danken, lind letzten» Endes ist trab aller lotwendigen stritik die „Habinia" ^eine Hossnnng. wwMiwmß^ SEI DENHAUS dt. HÖCHSTE Ö.UALITÄT. dtrthaus am 59coey führend in Seide und Samt für SiroJbe und Qe/eHfdioft

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