Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- 12 (28.4.1927)
- Date
- 1927-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4892693-5447354-5769717--0381-4893021- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
I Nr. 12 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Seite 0 griffen zu fein.! gebaut.' Das Lau großen Mengen ge brennereien und a> Wir fahren du alter jüdischer 1k ungarischer Großa, große Teile seiner enteignet worden j sitzen, sagt dtzs Ge gegen nichttschechiscl Abends kommer die Stadt einen g Straßen. Wunder hoch oben auf den leuchten tausende l breiten Straßen — beleuchteten Kaffee früher so frohe St Hellem Sonnenlicht aussieht: .Häuser h die Fenster schmutzig durchweg in jüdisck die Namen, aber Juden w oj h n e vielen gesprochen, durchiveg in letzter Ich besuchte den 3000 Sitzplätze und und Frauen Mußte mit meinein Pacht« mann aus 1t l a u s rumänischen Banat ändert hier in Uns schlechter es ui zum Glauben inein altes Bndape ivir fast vergessen h ivaren, haben ivir a kn allen Stählen und Dörfern wird viel ist gut gepflegt. Itunstdünger wird in iraucht. Man sieht Zuckerfabriken. Spritch viele Webereien. rd) Brünn und Preßb »> rg , Städte iltur. Unser Reisenachbar, ein typischer rarier, beschwert sich darüber, daß ihm Güter hier im jetzigen Tschechoslowakei! nd. Niemand darf über 2-10 .Hektar be* etz: aber gebraucht wird das Gesetz nur c Besitzer. wir in B u d a p e st an. Abends macht inz herrlichen Eindruck. Große, breite volle .Häuser. .Herrliche Bauten. Bon Bergen auf der andern Seite der Donau lichter. Aber ein Spaziergang durch die ein .Hincinblicken in die großen und hell zeigt bald, wie traurig es um diese idt bestellt ist. und am nächsten Tage bei sieht man. wie vernachlässigt alles :runtergewirtschaftet. (Geschäfte leer und ,. Auffallend ist es, daß die Geschäfte fast en .Händen liegen. Magyarisiert sind jo doch als jüdische erkenubar. 6 5 00 0 i in Budapcst. und ich habe mit Biel, viel jüdischer eingestellt sind sie Zeit geworden. großen O r g e l t e m p e l; er hat über die waren alle besetzt. Hunderte Männer u stehen. Beim Hinausgehen wurde ich >rn im Tempel bekannt. Ein Großkaufen b u r g im früheren ungarischen, jetzt . „Ja. die Zeiten haben sich sehr gcarn für uns Juden, und es scheint, j e >s geht, desto in ehr kehren wir unsrer Väter zurück. Ich kenne t nicht wieder, und in Iklausenburg, wo itten. daß wir etwas andres als Ungarn ifgehört, Ungarn zu sein. Jetzt begreifen wir, daß wir Juden waren, und die Rumänen sorgen dafür, daß wir nicht vergessen. Juden zu bleiben. Jetzt schicken wir unsre Itinder in hebräische Volks» und Hochschulen." Ach, wie klein ist das stolze. Ungarn geworden. Budapest liegt nur eine Stunde von der tschechischen Grenze entfernt und knapp vier Stunden, nachdem wir Budapest verlassen, ist man schon bei Sorbetize an der jugoslawischen Grenze. Noch ein paar Stunden geht der Zug durch gut gepflegte Felder. Wenig Städte oder Dörfer. , Der Bauer lebt wie in Amerika jn der Mitte seines Landes. In kleinen, weiß angestrichencn, sauber aussehcnden Häusern. Allmählich ändert sich das Bild. Tie Bauernhäuser verschwinden. Kleine, aus Lehmhütten zusammengesetzte Dörfer fliegest vorbei. Wundervolles Ackerland, aber vernachlässigt, meistens als Schafweide verwendet. Man ist im B a l k a n! Ba l ka n! . Man reibt sich die Augen. Ist es möglich, daß solch ei» 'Leben im zwanzigsten Jahrhundert möglich ift? Solchen Schmutz, solches Elend, solch ein .Haufen von Mann. Frau, Kindern, Klein- und Großvieh in zerfallenen Lehm- Hütten? Man geht durch die Straßen Belgrads. 'Ji ischs und lleskübS und sieht Menschentypen, daß man sich selbst schämt, ein Mitmensch dieser Menschen zu sein. Zersetzte, schmutzige Kleider, abgehärmte Gesichtertraurige, hoffnungslose Augen. Und jetzt bin ich in Saloniki. Das ist das traurigste Kapitel dieser Reise. Ich frage'mich: Fehlt uns Menschen denn so vollständig jede Borstellungsgabe, daß wir erst eine Sache mit eigenen Angen sehen müssen, bevor wir sie voll erfassen können. Wie ein vergessener Traum scheint es mir, einmal gehört zu haben, daß Saloniki 1017 niedergebrannt war. und fast vergessen ist eS, daß über 100 000 Türken aus Saloniki ausgetrieben wurden und daß 1 11> Million Griechen Kleinasien verlassen mußten. Und so kommen wir in Saloniki an. Ich lvar in San Franziska während des Erdbebens und nachher, und ich habe die Schlachtfelder Frankreichs 1010 besucht, aber all das verschwindet gegen das Elend und gegen den schrecklichen Zustand d§r Stadt und der Do Die tetzten Jteufoeiten . in - men-, KlndLerkonfektion und Putz finden Sie bei uns in größer CLustuaM AJDU*dnjuJffoA. - /St^oL^oe. b -8 - 10