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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1925-05-25 · 1 (25.5.1925) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
1 (1925-1926)
Issue
1 (25.5.1925)
Date
1925-05-25
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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-Leite 6 Gemeindeblatt de rJsraelitischen Religionsgemein de Dresden Nr. 1. Auswanderer haben ein festes Ziel: die neue Heimat. Tie nelmien eine Wanderkasse in Anspruch, wenn sie durch Krankheit oder einen sonstigen unvorhergesehenen Zwischenfall ihre Reise unterbrechen müssen. Die Wanderfürsorge, ermöglicht durch ihr Eingreifen in solchen Fällen die Weiterreise. .Unter Rückwanderern versteht man diejenigen, die beiniiht sind, ihre alte Heimat wieder zu erreichen, denen es al>er an den nötigen Mitteln für die Reise fehlt. Tie wenden sich an die Wandcrarmenkasse, um durch Bewilligung einer Fahrkarte Ihrem Ziele ein Ltück näher zu kommen. Tie erhalten auch eine Tchlasstclle für eine Nacht und eventuell Essen ans der Zwischenstation. Als Turchtvanderer bezeichnet inan alle andern Wanderer, die keinen festen Wohnsitz haben. Die setzen 'ich zusammen aus Abenteurern. Berufsschnorrern und denjenigen Unglücklichen, die durch Krieg, Pogrom oder sonstige Ereignisse heinpftlos geworden sind. Es ist einleuchtend. daß die Wandcrariileii nicht einfach auf die Wohltätigkeit einzelner Privatpersonen angewiesen sein , dürfen. Einerseits würden die (Gebenden von Bittstellern, — Würdigen und Unwürdigen — überlaufen werden, ^anderseits würden die Nehmenden willkürlich ohne^ausreichende Prü- ,'nng der Bedürftigkeit zu Mitteln kommen, und je nach ihr«: Beranlagung. entweder direkt zu Tchnorrern erzogen, oder in, immer tiefere Rot verfallen. Um über dieses Pro-' blem zu sprechen uud es wenigstens teilweise einer Lösung entgegenzuftihrcn, hat der Verband der Israelitischen Reift gionsgcineinden in Tachsen (Dresden, Zeughausstraße 2) iin Mai 1Ü27> die Vertreter der acht sächsischen (Gemeinden Zu einer Besprechung über „Wandc^armensürsorge" eingeladen, las einleitende Rescrat hielt -Herr Tr. Kreutzberger, als Beauftragter der.Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorgc -und Arbeitsnachweise, Berlin. Während vor dem Kriege fast in ganz Deutschland nach einheitlichen.Gesichtspunkten arbeftende Orts- sowie'LandeK^-!ind Provinzialkassen bestanden,-fehlt jetzt - - veranlaßt dunh die Erscheinungen der Kriegs- und Nachkriegszeit — die systematisch durchgeführte Lrganisqtion. ©^9'C: ^£903^9 Ansang dieses Jahres wurde die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge 'und Arbeitsnachweise in Berlin von folgenden Organisationen gegründet: Ärbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands, Deutsche Zentralstelle für jüdische Wander ürsorge, Großloge für Deutschland UOBB., Jüdischer Fnuenbund, Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Die .Hauptstelle macht, e: sich unter andern: zur Aufgabe, in Deutschland Provinzial- bzw. Landeskassen ins Leben zu rufen. Diestz Kassen sollen die Wanderfürsorge im allgemeinen, Arbeitsvermittlung sowie die Beförderung der Petenten auf-möglichst weit! Strecken - - nicht von Gemeinde zur Nachbargemeinde, wie es bisher hauptsächlich geschah —- übernehmen. Einstimmig wird die Notwendigkeit zur Gründung solcher Kassen anerkannt und beschlossen, für Lachsen zunächst eine Lan reskasse in Leipzig zu gründen. Man erhofft von dieser Zentralisation die Ermöglichung sinnvoller Arbeft und die Entlastung der einzelnen Gemeinden.. Zu den Kosten der Landeskasse tragen alle sächsischen jüdischen Gemeinden mit :inem festzusetzenden Prozentsatz ihres Budgets bei. Durch ein einheitliches Meldesystem sollen die. einzelnen Kassen untereinander in enger Fühlung bleiben, sich durch sogenannte Tchwarze Listen Warnungen geben, um ein planloses Urcherschicken unmöglich zu machen. Die .Hauptstelle wird, Richi Innen aufstellen, nach denen in Tachsen vom 1. Juni an gearbeitet werden soll. Zur Durchführung dieser Arbeit ist e« einheitliches Wollen aller Geineindemitglieder nötig. Lenn wenn der berufsmäßige „Schnorrer" weiß, daß ihm von einzelnen Privatpersonen geholfen wird, muß jede £ rganisation versagen. Ter Verband der Israelitischen Re igionsgemeinden in Sachsen erstrebt durch die Neuorgcnnsation das Schnorrertum zu unterbinden, dagegen den vahrhast Hilfsbedürftigen beizustehen und ihnen durch siimgemäßes Eingreifen aus ihrer Not zu Helsen. „Wanderfüftorge ist nur dann sinnvoll, wenn sie daraus ausgeht, sich seiht überflüssig zu machen." t Wilsdruffer ©fräße. 11/13 Das Kaufhaus für alle!

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