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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1938-05-13 · 5 (13.5.1938) · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
14 (1938)
Issue
5 (13.5.1938)
Date
1938-05-13
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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, Seite 10 Jüdisches Gemeindeblatt Nummer 5 Es ist kefiri Zweifel, daß sich mancher von diesem .Stoff abgestoßen fühlte, aber alle waren sich über die künstlerische Höhe der Darstellung einiR. Besonders freute man sich. Edith H e r s s 1 i k einmal wieder zu sehen, und auch Kruszynski sollte man bald wieder eine tragende Rolle anvertrauen, so wirkungssicher war seine Menschengestaltung. Erna Cohn-Lorenz bot wie immer eine unübertreffliche Charakterzcichnung. Melchior spielte überzeugend die Angst der Kreatur, Ritter war unheimlich jenseitig und Koninski. Lieblich und Schindler trugen das Ihre zum Gelingen der Aufführung bei. Sts'tt des. deprimierend verhallenden Schlusses lallt der Autor im Original das Liebespaar ins Leben zurückkehren und gibt damit diesen beiden, sonst farrhlosen Rollen einen tieferen Sinn. A. Mar*. * Ueuer -die gleiche Aufführung erhalten wir noch die nachstehende Zuschrift: . Die Frage nach dem Jenseits, die Problemstellung in Vanes Schauspiel ..Fahrt ins Grenzenlose", ist so alt wie die Menschheit selbst; daß uns der Dichter weg vom hastigen Treiben unserer Tage in diese allen Menschen gemeinsame Frage hineinführt, ist sein Verdienst. Nicht immer mag seine Losung die unsere sein, aber den ethischen Gründls danken müssen wir alle bejahen: Sünden, auf dieser Welt begangen, können nicht durch ewige Strafe, sondern nur durch ein Wiedergut-. Mein, ein Besser machen gesühnt weiden. Wenn man diese .Lösung vom Totenschiff ins diesseitige Leben zurückträgt, kommen wir zu M ixtraen. wie sie auch uns als Juden geläufig sind. Jeder sollte darüber nachdenken, wie das. was man im Leben tut. vor einem höheren Richtei stuhl aussieht und gewertet werden kann. Das beschränkt sich natürlich nicht nur auf die wenigen Gestalten dieses Schauspieis. die I i. Merkmalen des Persönlichen im tieferen. Goetheschen Sinn Typen Ihrer Gattung sind. Diese Selbstbesinnung wird von uns gelert. im Spiel symbolisch in eine jenseitige Welt gestellt: ihre prakr Nutzanwendung müssen wir im Diesseitigen finden. Jüdisch ist es d'-n ..M(u t zum Leben zu fordern, sich nicht von der Verzweiflung . m Freitod treiben zu lassen. 'Am schwächsten ist die Gestalt des, , ifert geraten; in ihm. der den Symbolcharakter am reinsten aussen mußte, vermischen sich zu Unrecht Allegorie und Sarkasmus. ■ a-chend | glücklich dagegen sind antike Vorstellungsbegriffe in «■ Im _e Gedankenwelt projizieit: Charon. der Steward, der das T >-eii>c-h.;T über die stygischen Gewässer führt (..sonderbar, wie die Vogel Obel diesen Gewässern erlahmen!' ) bis zum Höllentor hin, dessen t die dumpfen Gongschläge anzeigen, bis vor den Richter der l' iv-rweW. Rhadamant. den ..Prüfer-. Man kann fordern, vom Alltag Entspannung zii rinden: das muß aber nicht nur durch Spaß und c 'ttchter geschehen: zuweilen darf die Kunst auch höhere Ansprüche an uns stellen! Dr. Joseph Jacobsen und *f. Jacobsen. Kopf in der Schlinge Na£h Sutton Vanes mystischer Tafelrunde in einem wahrhaft englischen, von Skepsis- und Gruseln wetterleuchtendem Jenseits gab es abermals ein Treffen zu einer Party englischen Stils. Schauplatz diesmal London. Park Lane, das Haus des gefürchteten Staatsanwaltes Dearden. Der Verfasser. John von B r a d 1 e y hat mit unverhältnismäßig wenig Mitteln aus einem menschlich und juristisch gleichermaßen vielumkämpften und bis heute noch nicht gelösten Problem der absoluten Schlußsicherheit des sogenannten lückenlosen Indizienbeweises, ein ... Unterhaltungsstück auf die Bühne gestellt. Hierbei ist die J die fingerfertige, ja: die perlende Routine der englischen Bühnentradition — sie ist vor allem eine Tradition des Dialogs — auch noch in ihrer Mittelmäßigkeit erstaunlich. Wie jeder schreibende Brite, versteht es auch Bradley. seine Frage an den Diener oder an das Leben in eine humorvolle, im Höchstfalle skeptische Pointe aufzulösen, auszulöschen. Noch ein Schuß Wallace dazu, und der Autor kann das übrige dann getrost der Aufführung und den Darstellern überlassen. Dr..Hans Buxbaum gab dem Stücke, was des Stückes ist: ließ es aus' dem Dialog brillieren, skizzierte andeutungsweise düstere Unheimlichkeiten hinter belauschten Türen und verlassenen Korridoren und manövrierte die Agierenden in ein möglichst bewegungsei füllte« Blickfeld. Hier ragt empor — Mittelpunkt — Julius K o b 1 e r in der einzig aktiven Gestalt dieser Handlung als Polizeiinspektor Mason. Die Balance' dieses Darstellers zwischen abgründigem Ernst und jener gewissenungewissen Nüance. die den Ernst — ist es . . .? ist es nicht .. — doch w ieder in Frage stellt, war in- Ton, Haltung und Geste eine ebenso virtuose wie menschlich kluge schauspielerische Leistung. Fritz Melchior gab. gleich zur Einführung, in angenehmer Weise den Aufriß eines männlichen Gentleman, der sich seiner Pflichterfüllung als Staatsanwalt aufs tiefste bewußt ist. Als» seine Frau hätte man sich Friedel Münzer etwas gelöster, die Erregungen der Sprache auch in die körperliche Bewegung umsetzend gewünscht. Fritz Schindler und Erna Cohn -Lorenz erzielten Lacherfolge in recht breit ausgespielten Chargenrollen. Wir erwähnen endlich noch den sympathischen Arzt, den Max Koninski. und den Diener, den Max Wächter darstellten, und nicht zuletzt das von Anny G o w a geschaffene stimmungsvolle Bühnenbild. Die Zuschauer folgten der Darstellung voller Interesse und dankten mit läutern Beifall. F.. (i. Der Brit Chaluilm datiim Berlin W SO, Augsburger Straße 60 hat eine instruktive Broschüre über jugend Hachschara herausgegeben. Sie wird aut Anfordern kostenlos versandt. Dreydei & Oppenheimer Chemnitz Frankfurt o. M. 7£>£#STR ÖMPFE x//—""^ oui reiner Naturseide x-S. 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