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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1938-05-13 · 5 (13.5.1938) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
14 (1938)
Issue
5 (13.5.1938)
Date
1938-05-13
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Jüdisches Gemeindeblatt Nummer 5 Au(.h die Zimmer konnten im Laufe der Zeit schön und hygier isch hergerichtet werden. Wir bekamen einige Jahre von Gönnern laufend Sperrholz geschenkt, mit dem nun alle Räume, mit Ausnahme des Treppenhauses, belegt sind. Die Wände sind in verschiedenen Farben gestrichen, die zu dem Sockel aus Holz lrc^indlich aussehen. Selbst die schmutzigsten Kinderhände konneki diesen Wänden nichts anhaben, sie sind leicht sauber zu halten und brauchen wenig Reparaturen. Als Jubiläumsgeschenk wollen wir nun noch die Fußböden mit Linoleum belegen lassen, mit dem bisher hur die Gemeinschaftsräume ausgestattet waren. Da|3 Betten und Möbel regelmäßig erneuert werden, braucht kaum | gesagt zu werden. Unsere neueste Errungenschaft ist ein Klavier, das bisher vermißt wurde Nun wurde es zum Andenke« aus dem 1 Jesitze unserer Mitarbeiterin Frieda Posner erworpen. die in d?n letzten drei Jahren unsere Geschäftsstelle- .in Berlin leitete. Sfe starb am 25. März dieses Jahres, mitten in der Arbeit, die ihjr Lebensinhalt geworden war. Vor ihr hat Gicthje Bloch — jetzt in Palästina — die Wyker Geschäftsstelle peleitj;t. . i slegung des Heimes zeigt neben Schwankungen* in den Jahren eine stark ansteigende Linie? 9-M . M ■ ^fc^f 3fl-flÜtefc57.& Vor dvr Abreise Foto: Ern«! Ma\ Zah! und VerUtleeunestaee der Kinder in den Kurperioden 192" 1928 f929 1930 i9:u 1932 1933 1934 1935 von 1927- 1937 Kinder mit 7 902 Verpflt 10 762 12 855 14 139 9 265 12 105 7 617 12 648 ' .11 967 - .. 13 975 3 746 immen: 199 0 116981 vom 27.3. 6is 24.4. m war geschlossen . . 1928 1929 28. 2. .. . 27. 3. 1931 .. 16.3. .. 15.4. 1931 32 ., 8.10. .. 14.1.32 1933 .. 10.4. .. 2.5. wachsenden Belegung entsprechend mußte auch der albesta'nd dauernd vergrößert werden. Bei voller Benähen wir nun im Sommer etwa 20 Mitarbeiter: Kinderrinnen, Lehrerin Gymnastikerin. Küchenleitung und nzahl von Praktikantinnen, die bei uns ihre Ausbildung lkommnen. Wir nehmen in jedem Jahre zwei -Lehrlinge, der auf einer Haushaltungsschule noch im Betriebe vorher itet haben. Sie werden in allen Zweigen der Hauswirtangeleitet und einige Zeit bei den Kindern beschäftigt. s.j Sprechstunden jüdischer Organisationen Verband Polnischer Sudan GroBHamburg E. ¥., Kmb 13 Kielortallee 13 Mo . Do.. 20—22 Uhr. ' - Judischer Centrai-Verein t. V., Landesverband Norddeutschland und qrtsgruppt GroB Hamburg. Hmb 13 Beneckestr 2. Erdgeschoß r , Mo , Dt Do Fr. 12—13 Uhr und nach fernmündlicher Vereinbarung (44 50 71)! Htlfsoe/ein der Juden in Deutschland e V Beratung für Hamburg Hrr.o 13. Benic<es!r 6 Mo Di., Do, Fr 10.-13 Uhr. ZWeigs'elle Karrburg des Palästina-Amtes Berlin. Hmb 13. Isetraße 17. . Sprechstunden «erecitestf 2. Zimmer 17. 44 26 32. Dr. Fr fj—1J Uhr. -Irl dringenden Fallen nach Verabredung. daß sie sich nachher ein Bild des ganzen Betriebes machen können. In den letzten Jahren macht sich die Abwanderung jüngerer Kräfte immer unangenehmer fühlbar. Leider gelten wir nicht als Hachschara. weil die einsame Lage des Heimes keine intensive jüdische Gemeinschaftsarbeit gestattet. Auch dadurch wird der Kreis der Mädchen, die zu uns wollen, kleiner. Trotzdem ist es uns bisher stets gelungen, ausreichendes Personal zu bekommen, einige bleiben jahrelang bei uns. Das ist natürlich für die Arbeit besonders wertvoll. Wir werden oft von Eltern gefragt, wie ein Tag in Wyk verläuft. Die Leute im Binnenlande können sich schwer eine Vorstellung davon machen, wie es an der See aussieht und womit man die Zeit verbringt, da man doch nur wenig Gelegenheit zu Spaziergängen hat. Unsere Kinder sollen ruhen, zunehmen, kräftiger werden. Dazu braucht man den Wechsel von Ruhe und Bewegung. Die beste Bewegung schafft ihnen das Spiel am Strande. Burgenbauen, Gräben aufwerfen und. als besonderes Heilmittel. Wattlaufen. Der Wattlauf ist außerdem noch eine große geistige Anregung, er. verbindet die Kinder mit der Natur, wie kaum etwas anderes, und lehrt sie spielend Erfahrungen, die Jahre in der Schule ihnen nicht vermitteln. Watt — das. ist der der Insel kilometerweit vorgelagerte Meeresboden, der, bei Ebbe fast trocken, zu langen Spaziergängen einlädt. Man findet da •allerlei Getier. Pflanzen. Muscheln, und die Tatsache von Ebbe und Flut allein ist den Kindern eine unerschöpfliche Quelle des Nachdenkens. Die Heilwirkung des' Watts beVuht auf den Salzen, die sich auf dem Boden ablagern und unter der Einwirkung der Sonne bei Ebbe die Luft ozonreich und kräftigend machen. Der 'Wattlauf gilt mit RecTtt als besseres Heilmittel als das Seebad, das nur vorsichtig dosiert seine Wirkung tut. Natürlich rctieit sich der Tageslauf im Sommer nach Ebbe und Flut: Wattlauf und Baden. ] . Begonnen wird am Morgen mit einem Lauf, zu dem die Kinder in kleinen Gruppen antreten. Jede Gruppe läuft und turnt etwa zehn Minuten unter Leitung der Gymnastikerin. Danach Anziehen. Frühstück, und dann an den Strand. Hier spielen die Kinder bis gegen 12 Uhr. dann gehts zum Mittagessen nach ■ Hause. Wird gebadet oder wattgelaufen, wird natürlich das Spiel verkürzt, aber die Freud'» ist desto größer. Nach dem Eisen ist zwei Stunden allgemeine Mittagsruhe. Die Großen dürfen ein Buch nehmen, über dem sie meist bald einschlafen, die Kleinen müssen gleich schlafen. Eine Aufsicht sorgt dafür, daß diese Zeit nicht zum Spiel benutzt wird. Um 16 Uhr ist Vesper, um 18'-j Uhr Abendbrot. Dazwischen wird gespielt, meist auf einem der großen Spielplätze, die für alle Heime angelegt sind Um 20 Uhr soll Schluß sein, nur die Großen dürfen länger aufbleiben. .Meist sind die Gemüter noch zu erregt von all den Ereignissen des Tages, um gleich Ruhe zu geben, aber bafd — ist alles still. Besonders hohe Wogen schlägt die Begeisterung, wenn eine Halligfahrt, gemacht wird. Möglichst jede Kolonie wird einmal mitgenommen, um den Kindern diesen unvergeßlichen Eindruck zu vermitteln. Auf Motor- oder Segelbooten werden alle, Große und Kleine, hinübergebracht auf eine der Halligen, jener Inseln, die ohne Baum und Strauch im Meere liegen, und auf denen doch Merischen ihr karges Leben fristen. Die weiten Wiesen . sind ein idealer Spielplatz für die Kleinen, und die Großen machen die ganz neue Erfahrung, daß man so primitiv — fern von der Großstadt — auch leben kann. Freitag Abend. Sabbat und natürlich alle Feste sind Höhepunkte im Heimleben. Dazu kommen noch als 'besondere Tage die Geburtstage der Kinder, die regelmäßig mit.Geschenken und Süßigkeiten gefeiert werden, und die Abschiedsfeste, die jede größere Kölonie veranstaltet. Deren Gelingen hängt allerdings wesentlich von den Kindern ab, während die Feste des jüdischen Jahres ihre Bedeutung in sich tragen. Am Freitagabend wird gemeinsam gebetet, fast immer findet sich ein Junge, der als Vorbeter geeignet ist. Jeder setzt steinen Stolz darin, so schön wie möglich zu singen, und. beneidet von den anderen, Kiddusch und Hawdala machen zu dürfen. Nach dem Essen wird noch .gesungen, hebräische und deutsche Lieder — was gerade gelernt wurde — und dann kommt das täglich am meisten Ersehnte: die Post. Wenn die Mütter wüßten, welche Freude es ist, Post zu' bekommen, sie würden weit öfter eine Karte schreiben. Es kommt nicht darauf an. was draufsteht — es kommt nur darauf an. daß man sie bekommt!! Dafür darf man dann auch zweimal in der Woche schreiben, \venn man schon schreiben kann. Aber das ist lange nicht so wichtig, man kann ja später erzählen, wie schön es in Wyk war. Zehn Jahre Heim des Jüdischen Frauenbundes in Wyk/Föhr. das heißt: Gesundheit und Kräftigung für Hunderte von Kindern, glückliche Ferienwochen, schöne Erinnerungen, Zeiten der.Ruiie für Großstadtkinder. Aber auch: unendliche Arbeit und Verantwortung für die. denen diese Kinder anvertraut werdtn. Sorgen und Bangen in Zeiten von Krankheit, Hingabe an eine Aufgabe, die um so schwerer ist, weil sie aufeinsamerlnse! geleistet werden muß. Seien wir denen d a n k b a r , die sich dieser Aufgabe widmen, und hoffen wir auf viele weitere Jahre segensreicher Arbeit für die Gesundung unserer Kinder.

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