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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1938-02-11 · 2 (11.2.1938) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
14 (1938)
Issue
2 (11.2.1938)
Date
1938-02-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite. 6 Jüdisches Gemeindeblatt Nummer 2 schlossenheit sind Zeichen und Symbol der Jugend, prägen den jüdischen Menschen schlechthin. „Ein Jüngling ist Israel; darum liebe ich ihn." Das Charakteristikum des jüdischen Volkes ist diese stete Aufgeschlossenheit; das Aufstrebende, einheitliche, ungebrochene Sinnbild unseres Volkscharakters. Religion und Jugend — letztens beides Suche. Streben nach dem Höchsten — Jisroel, der mit Gott, der um Gott kämpfende, ringende Mensch — der jugendliche Mensch. Die Tiefe dieser Gedankengänge, die in das Gewand einer kraftvollen und wahrhaft schönen Sprache gekleidet wären, bewegte die Herzen, — ein Erlebnis für alle, die dem Vortrage zu lauschen das Glück hatten. - - S. E. * Dr. Eduard Strauß-Frankfurt a. JV1. in der Rosenzweig - Gedächtnis - Stiftung Herr Dr. Eduard Strauß-Frankfurt a. M., den die Franz- Rosenzweig-Gemeinae im letzten Winter anläßlich der SO. Wiederkehr von Franz Rosenzweigs Geburtstag kennen zu lernen Gelegenheit hatte,, sprach am 31. v. M. erneut in der Fi unz-Roscnzweig-Gcdachtnis-Stiftung. Auch dieses Mal bewahrte er sich als ein Redner, der seine Zuhörer ebenso durch diL Form, die er seinen Darlegungen gab, wte durch die Hin- .gegebenheit an seinen Gegenstand, wie durch den sachlichen, an Wissen. Gedanken und-Anregungen reichen Vortrag fesselte. Herr Dr. Strauß sprach über das Thema: Heidentum, eine religiorisphilosophische -und geschichtliche Betrachtung. Er beschäftigte sich zunächst mit der Begriffsbestimmung der Worte Heidentum und Religion. Heidentum ist in dem Sinne des Vortragenden (und Franz Rosenzweigs) niefit nur die Zeit vor der Offenbarung, sondern das Heidentum, d. h. die vor der Offenbarung liegende? Vorwelt erneuert sich in jedem Menschen; ..\vir haben den Heiden in uns". — Diesem Heidentum, für welches die stumme Gottheit charakteristisch ist, stellt der Redner die Ansprache und die Ansprechbarkeit Gottes in der. geoffenbarten Religion gegenüber, für die sich zu entscheiden die sich immer wieder erneuernde Aufgabe des Menschen ist. Um diese leitenden Gedanken gruppierte sich eine Fülle von -Bemerkungen und Hinweisea auf vielfach ganz bekannte Dinge, die aber unter den Darlegungen des Redners oft in ganz neuem I-ichfe erschienen. — Dem Redher .dankte namens der Rosenzweig-Stiftung und der Anwesenden Herr Dr. Hans Liebeschütz, der zu Beginn des Abends bereits des 60. Geburtstages Martin Bubers gedacht hatte. Aus sdeu Ocfrautiaii&ueu jdec }ucUu M* DuUscUiaud .Eine Synagogeneinweihung von geschichtlicher Bedeutung Am 16. v. M. wurde in Oporto (Portugal) eine große, neu- ' errichtete Synagoge eingeweiht, die, verbunden mit einem Lehrhause, der Marranengemeinde in Oporto und denen des portugiesischen Nordens als Zentrum dienen soll. Nachkommen von Menschen, die 500 Jahre lang im Verborgenen gegen alle Widerstände und alle Versuchungen dem Judentum die Treue gehalten haben, kehrten in aller Form zu uns zurück. Dieses Ereignis nimmt der Preußische Landesverband Jüdischer Gemeinden, als dessen Vertreter Herr Dr. Alfied Klee an der Einweihungsfeier teilnahm, zum Anlaß eines Rundschreibens, in dem es heißt: Die Einweihung der Synagoge in Oporto weist in ihrer Bedeutung weit über den Einzelfall einer Synagogeneinweihung hinaus Sie ist uns ein Symbol für die Ewigkeit unserer Religion. Wir aschkenasischen Juden fühlen uns diesen heim-, kehrenden Sefardim innig verbunden. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat als Ausdruck dieser engen Verbundenheit, in der sich die religiöse Einheit des Judentums ausspricht, der neuen Synagoge ein Sefer Tora gestiftet. Wir bitten, in Synagogen und, Schulen, in Vorträgen und Lehrkursen von dem symbol-/ haft starken Ereignis dieser Synagogenweihe Kenntnis zu geben. In ihr schlägt das aktuelle Geschehen in überzeugendster Weise die Verbindung zurück zu den großen und bedeutsamen Daten und Bewegungen unserer Geschichte. Erwachsenen und Kindern kann in einprägsamster Form Weg und Sinn jüdi-; scher Geschichte "deutlich gemacht werden. Die Renaissance jüdischen Glaubens, für die uns Manasse ben IsraeP bisher bestes Beispiel war der nach mehr als drei Generationen außerhalb der jüdischen Religion gelebten Marranentums ein Führer in Israel wurde, kann unseren Gemeinden und unserer Jugend als hoffnungspendende Wirklichkeit unserer Tage nahegebracht werden. Die Geschichte der spanisch-portugiesischen Juden, an die uns ja auch das verflossene Jahr, das Abravanel- Jahr, so erfolgreich erinnerte, vor allem aber auch die Geschichte des Marranentums, ist an Daten und Geschehnissen st reich, daß wir meinen, anläßlich der Einweihung der Synjpoge in Oporto auf sie hinweisen und sie unserer Generation lebendig vor Augen führen zu sollen. Kundgebung des Landesausschusses der jüdischen Jugendorganisationen Die Frage: W a s wird aus der j-üdischen Jugend? war der Gegenstand einer Kundgebung am 2. d. M., zu der der Landesausschuß der jüdischen Jugendorganisationen geladen hatte. Nach einführenden Worten von Herrn Dr. Max Plaut befaßte sich Herr Hans Gärtner - Berlin mit der Frage Berufswahl — Auswanderung. Nur unter diesem Aspekt sei das Schwierige Problem zu betrachten und zu lösen. Der individuelle und der kollektive Faktor müßten bei der Berufsentschei'ejüng gemeinsam geltend gemacht werden:;der Jugendliche solle sich einem Berufe widmen, der ihn persönlich befriedige und gleichzeitig der Aufbauarbeit Palästinas, dem jüdischen Volksschicksal, diene. So ergebe sich als Berufsforderung die Forderung,' die körperlichen Berufe, an erster Stelle die Landwirtschaft,- aber auch das Handwerk zu pflegen. (-Mittleren-Hachschara als Vorbereitung und für das Handwerk vornehmlich die Lehrwerkstätten-Ausbildung.) Auch für jugendliche Auswanderer in andere Länder kämen nur praktische Berufe in Frage, denen gegenüber die geringen akademischen und die kaufmännischen Möglichkeiten völlig zurückträtet. Abschließend stellte der Redner als grundlegende Forderungen auf: nicht zu frühe Schulentlassung — nur qualifizierte Berufsausbildung — zielbewußte Charakterbildung. — Frau Tilly Z-d n t z sprach über die weiblichen Berufe, ihre Ausbildungs- und Zukunftsmöglichkeiten, so den ersten Vortrag — von denselben Grundforderungen ausgehend — ergänzend. Gesänge, des Singkreises der jüdischen Jugendverbände, der unter Leitung von Herrn Dr. J. Jacobsen hier zum ersten Male vor einem größeren Kreise der Oeffentlichkeit erschien, rahmten die Vorträge ein. Dem gleichen Thema galt eine Veranstaltung der Hamburger Zionistischen Vereinigung, des Hechaluz und des Brit Chaluzim datiim am 18. v. M., in welcher'Herr Dr. Georg Lubinski, der Leiter der Abteilung fyr Berufsausbildung und Berufsumschichtung bei der Reichsvertretung in Berlin, sprach. Seine Ausführungen bewegten sich im ganzen in den gleichen Gedankengängen und stellten ebenso die handwerkliche Ausbildung der jüdischen Jugend und die Notwendigkeit ihrer Auswanderung in den Vordergrund. Aus dem Bericht über die Tätigkeit des Keren hatora in Deutschland für 5697 98 (1937) Dem Keren hatora ist es im Jahre 1937 trotz der zunehmen- » den Abwanderung vieler Gönner gelungen, seine Einnahmen gegen 1936 um 31 Prozent zu steigern, eine Leistung, die seiner Leitung und vor allem ihren Mitarbeitern Anerkennung in allen Lagern einbringen wird. Der Bericht erzählt in eindringlichen Worten und beredten Zahlen, daß die Not der nach Belehrung drängenden Jugend von Woche zu Woche steigt und daß es trotz gestiegener Einnahmen nicht immer möglich war, zu helfen. ~~ Die Talmud Tora-Schulen des Keren hatora leisten wert-, volle Erziehungsarbeit, in seinen Jugendheimen machen 1_4—16jährige Jungen eine geistige Hachschara verbunden mit Berufsvorlehre durch, und bereiten sich so für eine spätere Auswanderung vor. v Der Bericht zeigt auch sonst eine erfreuliche Aktivität und ist daher des allgemeinen Interesses sicher. Er ist zu beziehen vom Landesdirektorium des Keren hatora in Deutschland, Hamburg 13, Heinrich-Barth-Straße 21. Planung eines Lehrgangs für technische Lehrerinnen Die Schulabteilung der Reichsvertretung und der Jüdische Frauenbund beabsichtigen, April 1938 an der jüdischen Haushaltungsschule Frankfurt a. M. einen einjährigen Lehrgang für technische Lehrerinnen zu beginnen. Aufgenommen werden Mädchen, die hauswirtschaftlich und technisch begabt sind und eine pädagogische Ausbildung bereits erhalten haben (wissenschaftliche Lehrerinnen, Volksschullehrerinnen, Sport- und Gymnastik-Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen) oder anderweitig nachweisen können. Ziel des Lehrganges ist die Befähigung zur Erteilung von Hauswirtschafts- und Handarbeitsunterricht an jüdischen Schulen und hauswirtschaftlichen Betrieben. Die Kosten betragen für Schulgeld 25 'A)l, für Wohnung und Verpflegung in der Schule 60 XX monatlich. Anmeldungen an die Jüdische Haushaltungsschule, Frankfurt a. M., Quinckestraße 20. Beizufügen sind Gesundheitsattest, selbstgeschriebener Lebenslauf und Zeugnisse. Beschäftigen Sie indische Handwerker und Gewerbetreibende!

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