Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 12 (10.12.1937)
- Date
- 1937-12-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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r.- Nummer 12 Jüdisches Geneindeblali Seite Lehrstellen und Arbeitsplätze freimachen, und daß insbesondere die Handwerker, die hierzu noch in der Lage sind, die Meisterprüfung ablegen, um die Befugnis zur Ausbildung von Lehrlingen zu erlangen. Die Vereinsleitung steht mit dem Arbeitsamt in Verhandlungen, um zu erwirken, daß auch nicht zur Annahme von Lehrlingen berechtigte Handwerker solche jungen jüdischen Männer in Anlehr- bzw. Volontärstellen nehmen, welche die Absicht haben, auszuwandei n. — Jüdische Arbeitgeber können jüdische Arbeitsuchende beim Arbeitsamt anfordern. — Der Verein plant für den Mai 1938 eine .Ausstellung von Erzeugnissen des jüdischen Handwerks in Hamburg in den Räumen des Gemeinschaftshauses. — Erneut macht der Verein darauf aufmerksam, daß jeder Jude und jede Jüdin die Pflicht haben, durch Erteilung von Aufträgen an den jüdischen Handwerker zur Existenzerhaltung des jüdischen Mittelstandes beizutragen. In der bereits erwähnten Mitgliederversammlung vom 10. v. M. setzte Herr Redakteur Julian Lehmann seine Ausführungen über Presse und Werbung, die er in der letzten Versammlung begonnen hatte, fort, und betonte auch hier wieder die Bedeutung des_ jüdischen Handwerkerstandes, der bereits vor dem Umbruch für eine andere Berufsschichtung der Juden eingetreten sei. Aus xUu l/odcayssäteu Rabbiner Dr. Lazarus-Wiesbaden im Israelitischen Tempel In dem Vortragszyklus'des Israelitischen Tempelverbandes über „Das jüdische Kulturproblem“ sprach am 21. v. M. Herr Rabbiner Dr. Lazarus - Wiesbaden über das Thema: Zwei jüdische Kulturzentren (Aegypten / Spanien). Der Tempelverband bezeichnet diese' Veranstaltungen als „religiöse Feierstunden“, was äuch durch die Mitwirkung des Tempelchors vor und nach den Vorträgen hervorgehoben wird; er legt mithin Nachdruck auf die religiöse Erhebung. Immerhin sollen die Vorträge doch auch der Verbreitung jüdischen Wissens dienen. Dann aber darf es'zweifelhaft erscheinen, ob man einem Redner die Aufgabe^itellen soll, zwei jüdische Kulturepochen von so umfassend« Bedeutung wie die ügyptisch-älexandrinische und die spanisch-arabische in einer knappen Stunde zu behandeln, so'daß z. B. die griechische Bibelübersetzung und die Schriften Philos von Alexandria kaum gestreift, werden konnten, zwei so bedeutende literarische Erscheinungen, über die viele Zuhörer wohl nur allzuwenig unterrichtet sind. Um so höher ist die Leistung des Redners anzuerkennen. der gezwungen war. sich größte Beschränkung aufzuerlegen. und sich in eben dieser Beschränkung als Meister zeigte, der sich im übrigen die ohnehin so schwieriges Aufgabe noch dadurch erschwerte, daß er mit einigen Worten auch ein ■drittes Kulturzentrum behandelte, nämlich das babylonische. Lazarus unternahm es zu .zeigen, daß infolge der Zerstörung des jüdischen Staates und der Zerstreuung des Volkes unter andere Völker ein schwieriges Problem, das Problem der Kultur, sich auftat. Die Juden stießen in Babylonien, in Adgypten und in Spanien auf Kult^rerf, die ihrer eigenen hohen Kultur wahrlich nicht nachstanden. Die Schwierigkeit für die vor eine neue Situation Gestellten bestand nun darin, einerseits sich nicht aufzugeben und einer gedanken- oder gar würdelosen Nachahmungssucht zu verfallen, andererseits die hohen fremden Kulturwerte nicht zu verkennen und geringzuschätzen, sondern sich ihnen mit liebevollem Verständnis hinzugeben. Preisgabe der Eigenart ist abzulehnen als etwas Negatives; Assimilation dagegen ist der ganz natürliche Vorgang einer Bindung an eine andere Kultur, sie ist positiv, schöpferisch. Die Auseinandersetzung der alexandrinischen Juden mit dem Hellenismus war unausbleiblich. Dort in Alexandria begegneten einander jüdische Religiosität und griechische Weisheit. Wenn nun auch ein Teil der dortigen Juden damals versagte, so haben doch die geistig und sittlich hochstehenden Kreise die Situation richtig erfaßt. Sie haben den Zusammenhang mit dem Mutterland Palästina bewahrt und von der griechisch-alexandrinischen Kultur nicht nur empfangen, sondern ihr ebensoviel gegeben, es war ein gegertseitiges Sich-Befruchten. Die Uebersetzung der jüdischen heiligen Schriften in die griechische Sprache (Septuaginta), sowie die in griechischer Sprache geschriebenen, das Judentum verteidigenden und ver- 1 herrlichenden Schriften eines Philo sind Großtaten einer schöpferischen Assimilation. Einen ähnlichen ' Vorgang .erblicken wir Jahrhunderte später in Spanien, wo die eingewanderten Juden die hochentwickelte Kultur des Islams kennen lernten. Die glorreiche spanische Epoche zeigt uns die Juden als treue Hüter ihrer jüdischen Eigenart und dabei allen von den Arabern gepflegten Wissensgebieten verständnisvoll aufgeschlossen; auch hier ein Nehmen und Geben. Sie wurzelten im Nationalen und gelangten auf diesem Wege zum Universalismus. Nicht etwa bildeten sie einen Staat im Staate, sondern erwiesen sich als Sondervolk und zugleich Weltvolk. So wird auch heute und in Zukunft unser Bestand darauf beruhen, daß wir strengstens unterscheiden zwischen Nachahmung und Assimilation, daß wir unsere jüdische Eigenart freimütig und freudig bejahen und gerade dadurch in den Stand gesetzt werden, an den Kulturen der Umwelt schöpferisch mitzuwirken. " no. Frau Rabbiner Blum-Emdcn in der Misrachi-Frauengruppe In der Misrachi-Frauengruppe Hamburg-Altona sprach am 16. v. M. Frau Rabbiner Dr. B 1 u m - Emden in Anlehnung an das Werk des Luxemburger Rabbiners' Dr. Serebenik: Jüdischer Weg. Sie wandte sic-H an die Jugend, an die Jugend in biologischem S’nnc. deren Gesetzmäßigkeiten in jeder Generation wieder dieselben sind, und an die Jugend in ideologischem Sinne, deren Eigenleben mit jeder Generation anders ist,- und die jedesmal wieder Träger und Schöpfer des Keims unserer kulturellen Weiterentwicklung ist. — DCr modernen Formel, daß nur der Mensch, der ideologisch Jugend erlebt hat, im Alter schöpferisch sein kannj stellte die Vortragende das W’ort des antiken Judentums gegenüber: „Wohl uns. daß unser Alter unsere Jugendzeit nicht beschämte“, und stichte 'dann darzulegen, wie die jungen Auftriebe unserer Jugend für das Judentum als solches und seine religiöse Sendung fruchtbar gemacht werden könnten. —> Deh Chaluz. den <jie Rednerin als edelste Schöpfung, der heutigen jüdischen Renaissance anerkannte, mahnte sie, seine -Hachschara auch zur geistigen Renaissance zu gestalten. Die Erneuerung eines Volkes sei nicht denkbar ohne.seine geistige Erneuerung. — Aufgabe der jüdischen Frauen und Mütter; gegenüber, der Jugend sei es. diese nicht nur zu erziehen, sohdiern zu einer bewußten Jugend zu erziehen. d. h. zur Pflege des dtr Jugend eingeborenen schöpferischen Keimes, der stark werden müsse, um in die Reite des Alters hinüberzudauern ■. <•. i; Frau Hanna Karminski im Stadtvcrband der .jüdischen . Frauenvereine “ , | Ueber die Aufgaben dör jüdischen Frau und ihre’ Leistung .und Haltung angesichts dieser Aufgaben sprach die Geschäfisführerin des Jüdischen Frauenbundes. Frau Hanna .Karminski.- Berlirt vor den jüdischen Irrauenvereinen unserer Gemeinde Unter großen Gesichtspunkten berichtete sie über ein Arbeitsgebiet und über den Einsatz von Frauer.tatkraft ir umW* die zum Ansporn für Mitarbeit wurde. — Die nun einmal gegebenen Tatsachen dürften nicht niederdrücken. sondern’ - . -. ■ zum fruchtbaren Geschehnis zu gestalten! Diese Forderung e verwirklicht in den Arbeiten der gesamten Juuenhcd' ruf Deutschland, an denen u. ji. auch der Frauenbund beteiligt .-• Allein durch seine Berliner Sprechstunde gehen tägli.h läü. Menschen, denen sechs Beraterinnen zur Verfügung ‘stillen.. Aber die Aufgabe der Frau erschöpft sieh ‘nicht bei der Auibruchsurbeit im Lande, in der Fumiüe oder in den Organisationen. wo sie sich stützend,, helfend, tröstend und aulrichteirl ■betätigt; die jüdische Frau hat auch ihre besondere Aufgabe als Auswanderin. Pionierin und Begründerin jüdischer Heimat m der Ferne. Darum sei die junge Frauengeneration zu Auswanderungs- und Aufbaubereitschaft auf jüdisch-weltanschaulicher Grundlage zu erziehen. Hier falle der jüdischen Schule . ihre besondere Aufgabe zu. bei deren Erfüllung cs gelte, dem -' immer - bedrohlicher werdenden Mangel an. technischen Lehrerinnen und Fachkräften für Hauswirtschaft und Nadelarbeit zu begegnen. Auch die wiclen vereinsamten Frauen müßten durch die jüdische Frauenarbeit erfaßt werden; besonders seien die Frauen der "isolierten Kleingemeindcn in Gemeinschaft zu bringen. Veranstaltung von Vorträgen und Li.chtbildervorführungen, von Arbeitsgemeinschaften, Ausspracheabenden und die unmittelbare Fühlungnahme der Großgemefnden mit den Kleingemeinden der Umgebung waren die Forderungen. welche Frau Karminski namens des Jüdischen Frauen/ hnndes in ihrem „Programm einer geistigen Notstandshilfe'- stellte. Ihr beredter, von -Schaffensfreude und reichen Erfahrungen getragener Appell hinN(rließ nachhaltigen Eindruck. Erika Gutermann. Fragen jüdischer Auswanderungspolitik Ueber Fragen jüdischer Auswanderungspolitik sprach am 24. v. M. im Kreis des Jüdischen ®.-V. Herr Dr. Kurt J. R i^g-- n e r - Berlin. In seinem mehr aW einstündigen Vortrage schilderte der Redner zuerst die bisherige A' t der jüdischen Wanderung, die mit dem Ausdruck Tropfenauswanderung treffend charakterisiert wird. Die Einzelauswanderung gäbe zwar dem einzelnen in sehr vielen Fällen eine Existenz, aber auch in dem Sinne treffe das Wort von der Tropfenauswanderung zu, daß sie sich verflüchtige, d. h., daß die Auswandernden in vielen Fällen dem Judentum, mindestehs_ua-threr Nachkommenschaft, verloren gehen. Der Redner deutete im weiteren Verlauf seiner Ausführungen an, daß auf dem Gebiete der Einwanderungserlaubnis noch vieles zu erreichen sein werde, wenn mehr als bisher die in Betracht kommenden Länder zur Erkenntnis des ■i.